Wo zur Fastnacht die Quallen gefallen

Wo zur Fastnacht die Quallen gefallen

In Riegelsberg steppte der Bär: Hunderte bunt kostümierter Narren hatten ihren Spaß beim Ziehwänschesumzuch.

Die Stoßgebete gen Himmel haben sich gelohnt: Der Ziehwäänschesumzuch der E.I. (Elterninitiative für ein kinderfreundliches Riegelsberg) bleibt am Rosenmontag von Sturm- und Regen verschont. Bei angenehmen Temperaturen und wolkigem Himmel versammeln sich knapp 30 "Ziehwäänscher" und zahlreiche Fußtruppen. Bunte Kostüme und fantasievoll zusammengezimmerte Faschingswägelchen lassen die Zuschauer aus dem Staunen nicht herauskommen.

Animiert vom Motto "Miir iwwerqueere die 7 Weltmeere" tummeln sich auf dem Marktplatz allerlei Piraten, Kapitäne, Wikingerschiffe, Fische, Kraken und Quallen. Letztere schießen mit ihren Kostümen den Vogel ab: "Mann, sind die toll!", "Wie lang die daran wohl genäht haben?", hört man allenthalben. "Alleine drei Stunden für jeden der Hüte", beantwortet Tina Dörr geduldig Fragen, "die letzten Tage haben wir ununterbrochen die Finger rundgehen lassen." Sieben Familien aus der Glück-Auf-Straße stecken unter der beeindruckenden Maskerade, die jüngste Teilnehmerin fünf, die älteste 50 Jahre alt.

Während die "prallen Quallen" erfahrene "Umzuch"-Teilnehmer sind, beteiligen sich Nadine und Christian Beyfuß mit Töchterchen Emily zum ersten Mal. Sie stechen mit dem Schiff "Queen Emily" in See und hatten dafür an vier Wochenenden fleißig an ihrem Bollerwagen gebastelt. "Das Extra an unserem Schiff ist eine echte Konfettikanone", erzählt Papa Beyfuß stolz, der während des Umzugs dann auch eifrig bunte Papierschnipsel auf die Zuschauer am Straßenrand regnen lässt.

Karin Schmitt, Lehrerin an der Grundschule Hilschbach-Walpershofen, ist ebenfalls das erste Mal dabei. "Meine Schüler haben mir so viel von diesem Umzug erzählt, das wollte ich mir mal persönlich ansehen", erzählt die Püttlingerin, "ich komme aus dem Staunen gar nicht mehr heraus, wie viele Familien mit kleinen Kindern hier mitlaufen."

Selbst wer nicht mehr so gut zu Fuß ist, kommt bei dem Ziehwäänschesumzuch nicht zu kurz: Eifrig verteilen Mitglieder der E.I. auch an ältere Anwohner der Umzugsstrecke Popcorn, Gutzjer, Schokoriegel, Kugelschreiber oder Gutscheine örtlicher Gewerbetreibender.

Helmut Schmeer, 83, aus der Buchschacher Straße ist extra mit seinem Rollstuhl in die Glück-Auf-Straße gekommen und freut sich, als ihm fröhliche Kinder Süßigkeiten in den Schoß legen. Haiko Sehn und seine Schwiegermutter Ursel aus der Waisenhausstraße bieten selbst gebackene "Faasendkichelcher" für die Umzügler an, was viele fröhlich annahmen, ebenso die flüssigen Erfrischungen. Dass nicht nur Kinder im Wägelchen gefahren werden, zeigt Benedikt Duttlinger: Der 67-jährige Heusweiler hat seine beiden Zwergspitze Tiffany und Ginger im Hunde-Wägelchen dabei. Als nach einer Stunde der Umzugstross wieder zum Marktplatz zurückkehrt, verleiht Radiomoderator "Wettermüller" alias Achim Müller an alle Gruppen den Lyonerorden. Bei fetziger Faschingsmusik tanzen Freibeuter, Prinzessinnen, "Fair-Trade-Bananen", Marinesoldaten, Mickeymäuse und Meerjungfrauen bis in den späten Nachmittag.

Wikinger jeden Alters gefällt es.
Tolle Kostüme: Echte Hingucker waren die bunten Meeres-Quallen.

"Wir sind sehr zufrieden mit dem Zuspruch für unseren Ziehwäänschesumzuch", freut sich Sandra Kaiser für die E.I., "wir haben über 400 Kilo Wurfmaterial an die Teilnehmer und Zuschauer verteilt, die Fantasie unserer Wägelchenbauer hat auch in diesem Jahr wieder alle Erwartungen übertroffen. Dafür ein dickes Dankeschön! Was wären wir ohne euch!"

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