Wie im Wilden Westen

Cowboys, Cowgirls, Indianer, Siedler und Goldgräber versammelten sich gestern in Riegelsberg. Der Ziehwäänsches-Umzug lockte mehr als 500 Teilnehmer auf die Straßen rund um den Marktplatz.

Cowboys und Cowgirls, Indianer, Planwagen, Siedler, Goldgräber und andere "vermummte Gesellen" kamen am gestrigen Rosenmontag zum Stelldichein auf den Riegelsberger Marktplatz. Sie alle sammelten sich für den großen Wild-West-Treck rund um den Marktplatz, denn pünktlich um 14 Uhr startete der Ziehwäänsches-Umzug durch die Marien-, Buchschacher-, Untere Schul- und Rathausstraße.

Bereits ab 11.11 Uhr hatte das Orgateam um Martin Schweizer, Markus Lehnen, Sandra Kaiser, Bettina Rosner und Georg Groß die ersten Vorbereitungen am Marktplatz getroffen: Beschallung, Sortieren und Kühlen der Lyonerorden, Aufbau der Essens- und Getränkestände, Verteilung des Wurfmaterials waren zu regeln. Ab 13.30 Uhr füllte sich der Marktplatz mit den Teilnehmern des "etwas anderen Faasendumzuchs". Denn beim Riegelsberger Ziehwäänsches-Umzug sind die Zuschauer zugleich Teilnehmer und Akteure. Nur die wenigsten Zuschauer stehen am Straßenrand und warten darauf, dass "de Zoch kütt". Hier in Riegelsberg heißt es selber machen: selber Wägelchen bauen, selber den Zug bilden und selber Gutzjer werfen.

So hat es die Elterninitiative für ein kinderfreundliches Riegelsberg (kurz E.I.), die den Rosenmontagsumzug Anfang der 1990er Jahre aus der Taufe hob, festgelegt - und genauso funktioniert der Umzug bis heute.

Beim Wagenbau ist stets die Fantasie der Familien gefragt, die oft als Nachbarschaftsprojekt die tollsten Ideen aus Pappmaché, Staniolpapier, bunten Tüchern, ausrangierten Bollerwägelchen, Kinderwagen oder Pflanzenkübelrollern zustande bringen.

So hatte zum Beispiel der neunjährige Elias seit Januar zusammen mit seinen Großeltern Ilse und Alfred Schwarz aus der Buchschacher Straße an seinem Bollerwagen gebastelt. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen. Erstklassig der Planwagen mit weißem Leintuch, Luftschlangen, Luftballons und angeklebten Klapperschlangen.

Als der Tross von rund 500 Teilnehmern am Rosenmontag nach rund einer Stunde Fußmarsch zum Marktplatz zurückkam, konnte die Elterninitiative mehr als 20 kreativ zusammengezimmerte Zug-Gefährten mit dem legendären Lyonerorden prämieren.

So ernteten die ehemaligen Pfadfinder mit ihrem Wild-West-Treck samt Steckenpferd, die Bastelwerkstatt Schweizer mit lebensgroßer Pappmaché-Puppe, der Kindergarten Walpershofen, die Junge Union als vom Wahnsinn befallene Rinderherde oder der Spielkreis Köllerbach mit Mon Cherie- und Überraschungseier-Verkleidung viel Applaus.

Übrigens: Wer denkt, dass ausschließlich Familien mit Kindern am Umzug teilnehmen, irrt sich. Der "Kantstraßen-Treck" kam diesmal ohne Nachwuchs zum Umzug. "Unsere Kinder sind alle schon groß, die wollen nicht mehr mit", erzählt Frank Torn. "Wir kommen aber aus Tradition hierher. Weil‘s so schön ist."

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