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Wenn Schule krank macht

Hänselei kann ein Grund sein, warum ein Kind nicht in die Schule gehen mag - stattdessen Unwohlsein vortäuscht, um zu Hause bleiben zu können. Dieses Foto wurde gestellt. Fotos: Iris Maurer
Hänselei kann ein Grund sein, warum ein Kind nicht in die Schule gehen mag - stattdessen Unwohlsein vortäuscht, um zu Hause bleiben zu können. Dieses Foto wurde gestellt. Fotos: Iris Maurer
Riegelsberg. Bauch- und Gliederschmerzen, Fieber, Erbrechen. Paul ist krank und gehört ins Bett. Bis Freitag soll sich der Schüler auskurieren. Doch am Sonntagabend steht er plötzlich wieder am Bett seiner Eltern. "Ich habe Bauchweh", sagt er mit großen ängstlichen Augen Von SZ-Mitarbeiterin Nadja Altpeter

Riegelsberg. Bauch- und Gliederschmerzen, Fieber, Erbrechen. Paul ist krank und gehört ins Bett. Bis Freitag soll sich der Schüler auskurieren. Doch am Sonntagabend steht er plötzlich wieder am Bett seiner Eltern. "Ich habe Bauchweh", sagt er mit großen ängstlichen Augen.


"Solche Szenarien können eindeutige Hinweise auf Mobbing oder Gewalt an Schulen sein", warnt Petra Litzenburger, Vorsitzende des Vereins "Elterninitiative gegen Mobbing und Gewalt an Schulen (EMGS)". Nicht selten würden Kinder mit körperlichen Symptomen auf seelisches Ungleichgewicht reagieren, weiß Litzenburger: "Wenn die Krankheitserscheinungen am Wochenende oder in den Ferien verschwinden, sollten die Alarmglocken läuten."

Litzenburger beschäftigt sich seit 2004 mit dem Thema. Denn ihr eigener Sohn wurde nach ihren Angaben in der ersten Klasse von einer Lehrerin geohrfeigt. Trotz Zeugenaussagen von Mitschülern bestritten Lehrerin und Schulleitung die Tat. Nachdem sie den Vorfall im Internet veröffentliche, meldeten sich andere Betroffene. So sei die Entscheidung zur Vereinsgründung nicht schwer gefallen, erzählt Litzenburger.



Da die EMGS mit Sitz in Riegelsberg bundesweit tätig ist, vollzieht sich das Vereinsleben über die Internetseite des Vereins. In Foren, Chats und über Erfahrungsberichte tauschen sich Eltern von Mobbing- und Gewaltopfern aus, diskutieren, beraten und informieren sich gegenseitig. Eine Liste warnt außerdem vor Schulen, in denen negative Erfahrungen gemacht wurden.

Die EMGS unterstütze betroffene Eltern nicht nur bei Schriftwechseln mit Schulleitung und Behörden, sie arbeite zudem eng mit Vertrauensanwälten zusammen und vermittele an erfahrene Psychologen, sagt Litzenburger.

Welche Auswirkungen können Mobbing und Gewalt haben? "Viele Opfer ziehen sich völlig zurück oder leiden unter Erbrechen, Fieber und Bauchschmerzen", meint Petra Litzenburger. Psychologen seien gefordert, wenn ein Kind bleibende psychische Schäden davongetragen habe. "Eine seelische Behinderung kann im schlimmsten Fall zu Amokläufen führen", warnt sie.

Was können Eltern tun, deren Kind Opfer von Mobbing und Gewalt geworden ist? "Zunächst das Gespräch mit dem eigenen Kind suchen und sein Verhalten genau beobachten, dann bei Mitschülern und deren Eltern nachfragen", so Litzenburger. Ein Gespräch mit betroffenen Lehrern sei enorm wichtig. Und sie ergänzt, einen Anwalt einzuschalten komme nur dann in Frage, wenn sich keine Einigung abzeichnet.

EMGS hat sich hohe Ziele gesetzt: "Wir wollen Mobbing und Gewalt endgültig aus Schulen verbannen. Außerdem hoffen wir auf eine Zusammenarbeit mit dem saarländischen Ministerium für Bildung, Familie, Frauen und Kultur", sagt Litzenburger. In Hessen funktioniere die Zusammenarbeit mit dem Ministerium inzwischen "reibungslos". Aber im Saarland sei dies noch nicht der Fall.

Auf einen Blick

Die "Elterninitiative gegen Mobbing und Gewalt an Schulen e.V." (EMGS) mit Sitz in Riegelsberg gibt es seit 2006. Dem Verein gehören bundesweit rund 260 Mitglieder an, darunter sind etwa 15 Saarländer. Die EMGS finanziert sich durch Spenden und Mitgliedsbeiträge. Noch Ende April organisierte die EMGS in Zusammenarbeit mit dem "Multiforum 3000" eine Benefizveranstaltung in Saarbrücken. Weitere Informationen im Internet unter: www.emgs.de. nad

Petra Litzenburger
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