Weltenbummler auf zwei Rädern

Mit dem Fahrrad um die halbe Welt: Wie der Japaner Yuya Kumakura ins Köllertal kam, ist eine spannende Geschichte. „So eine Leistung muss mal in der Zeitung gewürdigt werden“, meint SZ-Leser Wolfgang Braun aus Köllerbach.

Kürzlich, um die Mittagszeit, hat der Köllerbacher Wolfgang Braun ein einmaliges Erlebnis. Am Riegelsberger Friedhof trifft er einen jungen Mann, den 25-jährigen Yuya Kumakura. Der Japaner ist mit seinem Fahrrad unterwegs. Vier schwere Reisetaschen am Rad, plus ein Zelt - rund 40 Kilogramm Gepäck kommen sicher zusammen. Dabei wiegt der Mann aus Fernost selbst höchstens um die 60 Kilogramm.

Braun ist neugierig, fragt nach Herkunft, Ziel und Reiseweg - und es stellt sich heraus: Im Dezember 2014 ist Kumakura mit seinem Fahrrad aus seiner Heimatstadt Shibata im Landesinneren von Japan in die Hauptstadt Tokio gefahren, von dort nach Singapur geflogen und seither mit dem Fahrrad unterwegs. "Mein Ziel ist Lissabon", sagt der Weltenbummler, der das Angebot von Wolfgang Braun, im Köllertal zu übernachten, gerne annnimmt.

Abends schlagen die beiden den Atlas auf, um die bisherige Route des japanischen Gastes zu verfolgen. Hobbyfahrer aufgepasst! Über Malaysia, Thailand, Kambodscha, Laos, Teile der Chinesischen Volksrepublik, der Wüste Taklamakan (die größte Sandwüste der Welt) radelte Kumakura über Kirgistan, Usbekistan, Samarkand, Turkmenistan, Iran und die türkische Stadt Antalya bis zum Mittelmeer. Braun: "Dort nahm er die Fähre nach Griechenland und erreichte damit Europa." Weiter ging es durch Albanien, Montenegro, Kroatien, Slowenien, Italien, Österreich und Deutschland bis nach Riegelsberg.

Leser Braun hat Fakten erfragt: Die bisherige Fahrstrecke beträgt 22 000 Kilometer. Die höchste erklommene Höhe lag bei 4800 Metern. Kumakura ist fünf Tage pro Woche gefahren. Orientiert hat er sich ausschließlich an seinem GPS-System. Sein Trekkingrad der Marke Giant, ausgestattet mit deutschen Schwalbereifen und vier Fahrradtaschen der Marke Ortlieb, trug ihn problemlos von Japan bis nach Deutschland. Braun: "Er hatte bisher keinen Unfall und nie Probleme mit anderen Menschen. Er hat meistens im Zelt geschlafen und unterwegs ungefähr 12 000 Fotos gemacht. Davon hat er mir am Abend ungefähr 4500 gezeigt."

Eine lange Erzählnacht wurde es mithin, bevor der unermüdliche Weltenbummler am nächsten Morgen wieder aufbrach, um den restlichen "Katzensprung" über Luxemburg, Belgien, Paris, Südfrankreich, den Jakobsweg nach Santiago de Compostela und Lissabon auch noch unter seine Pneus zu nehmen.

Braun hat seinen Gast nach den Beweggründen der Reise gefragt. "Er hat mir erzählt, dass es immer schon sein Traum gewesen war, mit dem Fahrrad eine Weltreise zu unternehmen. Ausschlaggend war dann der tödliche Schlaganfall seines 40-jährigen Arbeitskollegen." Jetzt oder nie, muss Kumakura in dieser Situation gedacht haben, hat gespart, eine berufliche Auszeit genommen und seinen Traum verwirklicht.

Wolfgang Braun im Gespräch mit der Saarbrücker Zeitung: "Für mich war es jedenfalls eine große Ehre, einen solch freundlichen, zurückhaltenden und zielbewussten Weltreisenden durch schicksalhafte Fügung kennengelernt und beherbergt zu haben. Ich wünsche ihm eine weiterhin unfallfreie Fahrt nach Lissabon, einen erholsamen Flug nach Tokio und eine abschließende triumphale Heimfahrt in seine Stadt."