Von Preußen bis zur Moderne

Vor 200 Jahren legten die Preußen die Grundlagen der Riegelsberger Verwaltung. Das Jubiläum wurde in einem Festakt gewürdigt, eine Broschüre schildert die Historie.

Mehr Bürger als Gemeinderatsvertreter konnte Bürgermeister Klaus Häusle am vergangenen Mittwoch zur Buchvorstellung "200 Jahre Bürgermeisterei Sellerbach-Riegelsberg" im Rathausfestsaal begrüßen. "Ein schönes Zeichen dafür, dass sich unsere Bürger für ihre Verwaltung interessieren", freute sich Häusle. Diese feierte nämlich am 5. Oktober ihren 200. Geburtstag und stand im Mittelpunkt der knapp zweistündigen Geburtstagsfeier samt Buchvorstellung, in der Karl-Heinz Janson, umtriebiger Heimatforscher für das Köllertal, mit seinem Buch den steinigen Weg der Verwaltung preußischer Prägung hin zu einer modernen, dienstleistungsorientierten Organisation nachzeichnete.

Bevor der Autor anhand eines reich bebilderten Vortrags die wichtigsten Ereignisse dieses 200 Jahre währenden Weges vorstellte, fasste Häusle einige Erkenntnisse aus der Broschüre zusammen: "Egal wie eine Verwaltung organisiert ist, wichtig ist, dass sich Bürger in ihr beheimatet fühlen. Ob die Verwaltungseinheiten größer oder kleiner waren, ob die Zusammenarbeit intensiver oder reduzierter war, ob mehr oder weniger Eigenständigkeit gefordert wurde: bedeutsam waren immer Menschen, die Strukturen schufen."

Als Beispiel nannte er die Gebiets- und Verwaltungsreform 1974. Damals sollte auch Kleinblittersdorf zur Stadt Saarbrücken zugeschlagen werden. Laut eines "Zeit"-Journalisten soll jedoch der damalige Innenminister, der aus Kleinblittersdorf stammte, die Eigenständigkeit seines Heimatdorfes durchgesetzt haben.

"Das Gleiche gilt für Riegelsberg ", warf Altbürgermeister Dr. Norbert Holzer aus Walpershofen in die Runde. "Auch bei uns haben ‚Personen' die Eigenständigkeit von Riegelsberg bewahrt. Die Gemeinde Riegelsberg musste damals große Teile ihres Waldgebietes an Saarbrücken abgeben, erhielt dafür aber Walpershofen dazu."

Regionalverbandsdirektor Peter Gillo , zu dessen "Vorgänger-Verwaltungseinheit", dem Landkreis Saarbrücken, auch die frühere Bürgermeisterei Sellerbach-Riegelsberg gehört hatte, sieht in der damaligen Verwaltungsreform vor 200 Jahren die Grundlagen unserer heutigen kommunalen Selbstverwaltung: "Damals wurde die Idee geboren, dass die Bürger ihre örtlichen Angelegenheiten selbst mit Hilfe von Bürgermeistern und Gemeinderäten regeln."

Karl-Heinz Janson ließ die vielen Stationen der Zusammenarbeit der einstigen selbstständigen Gemeinden Revue passieren. Aus einst zehn eigenständigen Gemeinden, die ab dem 5. Oktober 1816 unter der Bürgermeisterei Sellerbach firmierten, wurde 1974 letztendlich die Gemeinde Riegelsberg mit zwei Ortsteilen (wir berichteten). In den zurückliegenden 200 Jahren standen der Verwaltung 22 Bürgermeister, beziehungsweise Amtsvorsteher vor. Zunächst wurden die Bürgermeister noch von der Provinzialregierung ernannt, wie 1816, als ersten in der Reihe, Johannes Kreuzer. Später folgte die Zeit der Wahl durch den Gemeinderat, und schließlich entschieden die Bürger ab 2001 selbst in Direktwahlen, welcher Kandidat Bürgermeister wird. In den 200 Jahren der Bürgermeisterei Riegelsberg standen der Verwaltung 22 Bürgermeister, beziehungsweise Amtsvorsteher vor. Der erste - von der preußischen Provinzialregierung eingesetzte - Bürgermeister war Johannes Kreuzer. Dessen Verwaltungsgebiet vergrößerte sich 1822, als die Bürgermeisterei Heusweiler aus Kostengründen mit Sellerbach vereinigt wurde.

Kreuzer folgten 1838 Wilhelm Wasserburger, 1839 Leutnant a. D. Agathon Kyckbusch (von 1848 bis 1853 auch Bürgermeister von Heusweiler), 1853 Franz Boelsch und 1867 Hubert Mainz, 1880 Lukas Speicher, 1909 Julius Langer, 1928 Heinrich Ahrens, der 1936 von der NSDAP Leitung durch Fritz Wüsten ersetzt wurde. 1937 wurde Dr. Ernst Christmann zum Bürgermeister berufen. Im März 1945 wurde kurzzeitig ein amerikanischer Militärangehöriger Verwaltungschef, ihm folgten ab Juli 1945 französische Commandanten, unter anderem Monsieur de Ravignon.

Die Franzosen führten einen Amtsvorsteher als Verwaltungschef im Rathaus ein und machten die bisherigen Gemeindevorsteher der drei Gemeinden Riegelsberg , Walpershofen und Köllerbach zu ehrenamtliche "Orts"-Bürgermeister. Erster "Orts"-Bürgermeister von Riegelsberg und gleichzeitig auch Amtsvorsteher war 1945 Josef Schneider (CVP). Ende 1949 wurde der Beigeordneter Recktenwald kommissarischer Amtsvorsteher und Wilhelm Schneider Riegelsberger Bürgermeister. 1952 wurde Heinrich Bauer Amtsvorsteher, ihm folgten 1961 Paul Donie und 1974 Willi Haupenthal. Nachfolger von Bürgermeister Schneider wurden 1956 Jakob Thome, 1960 Hermann Rosar (beide DPS), 1964 Wilhelm Huppert (SPD ), 1968 Walter Wagner (CDU ), der nach der Kommunalreform 1974 auch erster hauptamtlicher Bürgermeister wurde (nach ihm ist der Walter-Wagner-Platz in Riegelsberg benannt). Seine Amtszeit prägte vor allem der Bau der Riegelsberghalle sowie die Partnerschaft mit Gisors in Frankreich. Zu seinem Nachfolger wurde 1981 Dr. Norbert Holzer (CDU ) durch den Gemeinderat gewählt. In dessen Zeit fallen der Bau der Köllertalhalle in Walpershofen, mehrere neue Wohnbaugebiete sowie das Gewerbegebiet am Mühlengarten. Mit Lothar Ringle - in der ersten Amtszeit noch vom Rat gewählt - stellte die SPD ab 1991 den Bürgermeister. In seine Amtszeit fällt der Neubau des Rathauses und die Mehrheitliche Befürwortung des Saarbahnbaus durch die Kommunalpolitik.

Nach einer Änderung der Kommunal-Verfassung war Ringle auch der erste Riegelsberger Bürgermeister, der - für seine zweite Amtszeit - direkt durch die Bürger gewählt wurde. 2009 wurde Klaus Häusle (SPD ) zum Bürgermeister gewählt. Zu den Schwerpunkten seiner Amtszeit gehören bisher die Haushaltskonsolidierung und der Neubau des Marktplatzes.

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Lothar Ringle 2009 bei der Abschiedsrede. Foto: Becker & Bredel. Foto: Becker & Bredel

Auf einen Blick Gedruckt: "200 Jahre Bürgermeisterei Sellerbach-Riegelsberg", Band 36 der "Beiträge zur Regionalgeschichte" des Vereins für Industriekultur und Geschichte; 20 Seiten; Autor: Karl- Heinz Janson unter Mitarbeit von Norbert Krämer und Rüdiger Beres. Erhältlich im Rathaus, in der Riegelsberger Bücherstube und bei Schreibwaren Darimont. Während des Festaktes fand es Heimatforscher Norbert Krämer traurig, dass nur wenige Kommunalpolitiker zu Festakt und Buchvorstellung erschienen seien, was er als mangelndes Interesse für die Verwaltung wertete. mj

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