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Vom Kampf mit dem eigenen Spiegelbild

Vom Kampf mit dem eigenen Spiegelbild

Riegelsberg. Die Diagnose Krebs trifft in Deutschland jährlich etwa 220 000 Frauen. Die Erkrankung und die unterschiedlichen Therapieformen hinterlassen oft tiefgreifende Spuren. Zu den seelischen Belastungen kommen die äußerlichen, wie in manchen Fällen Haarausfall, Verlust der Wimpern und Augenbrauen oder Hautirritationen

Riegelsberg. Die Diagnose Krebs trifft in Deutschland jährlich etwa 220 000 Frauen. Die Erkrankung und die unterschiedlichen Therapieformen hinterlassen oft tiefgreifende Spuren. Zu den seelischen Belastungen kommen die äußerlichen, wie in manchen Fällen Haarausfall, Verlust der Wimpern und Augenbrauen oder Hautirritationen. Der Kampf ums Überleben wird täglich auch zu einem Kampf mit dem eigenen Spiegelbild.

"Viele Patientinnen verlieren ihr Selbstwertgefühl und ihre Lebensfreude", erzählt Marita Borm-Martini. Die Visagistin und Friseurmeisterin hat in ihrem beruflichen Alltag viele Krebserkrankte kennengelernt, die vor allem unter dem Sichtbar-Werden ihrer Krankheit leiden. "Diese Frauen fühlen sich von ihrer Krankheit gezeichnet, ziehen sich zurück, können sich nur schwer im Spiegel anblicken."

Erfahrungen, die die 54-Jährige motiviert haben, ihr eigenes Können zum Wohle der Krebspatientinnen einzusetzen: "Mich haben die Schicksale dieser Frauen bewegt." Marita Borm-Martini nahm Kontakt zu DKMS LIFE auf. Die 1995 gegründete gemeinnützige Gesellschaft hat sich zum Ziel gesetzt, Krebspatientinnen "Freude am Leben" zu vermitteln und sie zu einer lebensbejahenden Einstellung in der schweren Zeit der Krebstherapie zu ermutigen. Hierfür organisiert DKMS LIFE unter anderem kostenlose Schminkseminare, bei denen Krebspatientinnen unter Anleitung professioneller Visagisten lernen, wieder "Farbe in ihr Leben zu bringen".

Nachdem Marita Borm-Martini eine spezielle Ausbildung zur Expertin für Haarersatz absolviert hat, ist sie eine von rund einer Handvoll DKMS LIFE-Mitarbeiterinnen im Saarland, die Schmink- und Perückenberatung für Krebspatientinnen anbieten dürfen.

"Kosmetik bedeutet für betroffene Frauen viel mehr als nur Make-up", erzählt Marita Borm-Martini von ihren Erfahrungen. "Wir zeigen Tumorpatientinnen, wie sie Hautflecken, Wimpern- oder Augenbrauenverlust kaschieren können. Oder wie sie mit Tüchern ihre sensible Kopfhaut schützen und sich schmücken können. Gerade den Verlust ihrer Haare empfinden viele Patientinnen als traumatisch. Ihnen bei diesem sensiblen Thema beizustehen, sie kompetent über den für ihre Bedürfnisse richtigen Haarersatz zu beraten, ist für mich eine der wichtigsten Herausforderungen. Wenn die Krebspatienten am Ende eines Schminkseminars sich im Spiegel anlächeln und fröhlich die Runde verlassen, weiß ich, dass sich mein Engagement lohnt. Ich erfahre viel Dankbarkeit von den Patientinnen. Viele sagen mir: 'Jetzt bin ich wieder glücklich', oder 'mit dieser Perücke fühle ich mich nicht mehr nackt'. Das sind für mich die schönsten Komplimente."

Kontakt: Marita Borm-Martini, erreichbar unter Telefon (0 68 06) 20 04.

Hintergrund

DKMS LIFE wurde 1995 gegründet und gehört seit 2002 zur DKMS-Familie (Deutsche Knochenmarkspenderdatei gemeinnützige Gesellschaft mbH). Bundesweit werden jährlich über 1000 Kosmetikseminare in über 220 medizinischen Einrichtungen organisiert. Geschulte Kosmetikexperten geben in einem rund anderthalbstündigen Mitmachprogramm Tipps zur Gesichtspflege und zum Schminken. In den Kosmetikseminaren sollen die Krebspatientinnen unbeschwert mit anderen zusammen sein, die Krankheit eine Zeitlang vergessen und sich wohlfühlen. Das Motto lautet "Hilfe zur Selbsthilfe, sich wohler fühlen durch gutes Aussehen". Erfahrungen belegen: Ein gestärktes Selbstwertgefühl kann eine positive Wirkung auf den Heilungsprozess haben. Seit 2011 gibt es das Haarprogramm, das mit speziell geschulten Friseuren realisiert wird. mj