Vater und Sohn geben den Ton an

Köllertal. Feuerwerk ist Männersache! Oder noch genauer: Vater-und-Sohn-Spezialthema. Ob bei Lidl in Heusweiler, bei Aldi in Köllerbach oder im Riegelsberger Kaufland: Gestern gegen Mittag waren die Sonderverkaufsflächen umringt von jungen Experten, die ihre Erziehungsberechtigten über Fachbegriffe wie "Effekthöhe" oder "Schweifaufstieg" aufklärten

Köllertal. Feuerwerk ist Männersache! Oder noch genauer: Vater-und-Sohn-Spezialthema. Ob bei Lidl in Heusweiler, bei Aldi in Köllerbach oder im Riegelsberger Kaufland: Gestern gegen Mittag waren die Sonderverkaufsflächen umringt von jungen Experten, die ihre Erziehungsberechtigten über Fachbegriffe wie "Effekthöhe" oder "Schweifaufstieg" aufklärten. Es ist schon verblüffend, dass ausgerechnet Heranwachsende am besten über Artikel Bescheid wissen, die nur an Personen über 18 Jahre abgegeben werden dürfen. Kinder und Jugendliche sind von der Pyrotechnik mit den eindrucksvollen Fantasie-Namen so begeistert, dass sie schon vor dem gesetzlich stark begrenzten Verkauf (nur vom 29. bis 31. Dezember) die Prospekte mit den Angeboten und Beschreibungen im Internet studieren.Neuerdings bieten Hersteller und Handel sogar die Möglichkeit, im Internet Produktvideos über einzelne Artikel anzusehen. Leider entfalten auch die prächtigsten Raketen und lautesten Böller in den Filmchen nicht die tatsächliche Wirkung aus der Silvesternacht. Ob so etwas eine gute Werbung ist? Dann doch lieber gleich persönlich zur Fachfirma Drumm, die gestern Abend in Wadgassen wieder zum "Vorschießen" ihrer Artikel aus dem Verkauf einlud. Hunderte Menschen machten sich ein bestmögliches Bild über das, was sie selbst verfeuern möchten.

Sind die Kinder die eigentlichen Experten, so bestimmen am Ende die Erwachsenen über die Ware, die im Einkaufskorb landet. Viele Familien, die wir gestern beim Einkauf befragten, haben sich Budgets gesetzt. So etwa Viktor Hipke, der mit 30 Euro ins Kaufland gekommen war. Schier erschlagen von der Fülle des Sortimentes, ließ sich der Familienvater ausgiebig Zeit fürs Studium der bisweilen sehr poetischen Produktinformationen: "Leuchtintensive Kometenaufstiege in Multi-Colour mit fetzigem Crackling-Bukett, gefolgt von einer in Fächerform geschossenen Salve hochsteigender Luftheuler - finalisierend eine großkalibrige Bombetten-Salve", heißt es da. "Jedes Jahr was anderes" kauft Hipke, am liebsten Batterien, die mit nur einem einzigen Anzünden dutzende Schüsse abfeuern. Das sei einfacher und sicherer, vor allem, wenn man etwas getrunken habe, wird versichert.

Solche Batterien seien auch bei ihr der meist gefragte Artikel, berichtet Martina Kimmling, die in ihrem Püttlinger Schreib- und Spielwarenladen auch Feuerwerke verkauft. Da der Gesetzgeber noch mehr Sprengkraft erlaube, fragten die Leute gezielt nach solch hoch dosierten Artikeln. Und tatsächlich, im Globus Völklingen ist die Mega-Bombe zu fast 70 Euro am Nachmittag vorläufig ausverkauft, im Heusweiler hela-Baupark lockt aber immer noch eine "Braveheart"-Feuerwerksrohr-Batterie mit 94 Schuss zu knapp 60 Euro. Dafür kriegt man auch vier "Familiensortimente" mit insgesamt 800 Effekten. Vergleichbarkeit? Preistransparenz? Gibt es hier nicht. Ein Geschäft mit vielen Emotionen, das am 1. Januar Schall und Rauch ist.