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Jugendliche Mehrfach-Straftäter
Unbelehrbar: Jugendbande schlägt wieder zu

Zu der „ersten Runde“ Straftaten, die von einer Gruppe 14-Jähriger in Riegelsberg verübt wurden, gehörte die Zerstörung der Saarbahnhaltestelle Riegelsberghalle. Jetzt zeigten sich die selben Täter erneut außer Rand und Band.
Zu der „ersten Runde“ Straftaten, die von einer Gruppe 14-Jähriger in Riegelsberg verübt wurden, gehörte die Zerstörung der Saarbahnhaltestelle Riegelsberghalle. Jetzt zeigten sich die selben Täter erneut außer Rand und Band. FOTO: Polizei
Riegelsberg. 14-Jährige, denen erst vor zwei Wochen mindestens 30 Straftaten nachgewiesen worden waren, randalierten erneut in Riegelsberg. Von Marco Reuther und Michael Emmerich

Eigentlich sollten die jugendlichen Randalierer vom Riegelsberger Walter-Wagner-Platz eine zweite Chance bekommen – doch offenbar haben sie’s versaut, und das sogar ganz bewusst: Genau die selbe Clique, deren Mitglieder sich in einer Jugendhilfeeinrichtung „gefunden“ hatten und die kürzlich überführt worden war, ist am Dienstag schon wieder durch böswillige Sachbeschädigungen, Diebstahl und nun auch noch durch mehrfache Beamtenbeleidigung und eine „Raub ähnliche Tat“ aufgefallen.


Der Kern der Bande, so hatte es die Polizei-Inspektion Köllertal kürzlich berichtet, besteht aus drei 14-Jährigen, die in wechselnder Zusammensetzung und manchmal gemeinsam mit weiteren Jugendlichen für vielfältige Vandalismusschäden im Umfeld des Walter-Wagner-Platzes und des Marktplatzes in Riegelsberg verantwortlich waren. Zudem für Diebstähle insbesondere im Wasgaumarkt, für einen Einbruch am 15. Januar in einem Riegelsberger Tabak- und Schreibwarenladen in der Saarbrücker Straße und nicht zuletzt für die nächtliche Brandstiftung in der Nacht zum 23. Dezember an Mülltonnen direkt vor dem Eingang der Lindenschule, so dass der eindringende Rauch und Ruß für etwa 100 000 Euro Schaden gesorgt hatten.

Doch schließlich waren die Täter von der Polizei geschnappt worden und hatten über 30 Straftaten zugegeben. Ein Antrag auf Haftbefehl war nicht erfolgt, „weil die 14-jährigen Täter unter das Jugendstrafrecht fallen, weil sie erstmalig in Erscheinung traten und weil die Straftaten trotz des teilweise enormen Schadens wie bei der Brandstiftung an der Lindenschule nicht schwerwiegend genug waren“, wie es hieß. Zudem hätten die Täter Reue gezeigt, und so sollte ihnen, unter dem Motto „Erziehung statt Gefängnis“ eine zweite Chance gegeben werden, wie die Saarbrücker Zeitung in der Ausgabe vom 23. Januar berichtete.



Doch die Chance wurde nicht genutzt, was wohl nicht zuletzt auf den Rädelsführer zurückzuführen ist. Dem Vernehmen nach soll es sich um einen elternlosen Jungen handeln. Der 14-Jährige war ganz bewusst von den anderen getrennt und in eine Jugendhilfeeinrichtung in Rheinland-Pfalz gebracht worden. Doch dort war er offenbar nach nur einer Nacht – gemeinsam mit zwei anderen Jugendlichen – wieder verschwunden, um zunächst einmal einen Einbruch zu verüben.

Dann tauchte der 14-Jährige wieder im Saarland auf, wurde hier in der Neunkircher Jugendschutzstelle untergebracht. Und spätestens am Dienstag hat er sich wieder auf den Weg nach Riegelsberg gemacht, um sich hier mit seinen „Kumpeln“ zusammenzuschließen und dort weiterzumachen, wo sie aufgehört hatten: Am Walter-Wagner-Platz kam es am Dienstag zu Sachbeschädigungen – auch an Fahrzeugen –, und gegen 13 Uhr wurde der Rädelsführer zusammen mit anderen im Wasgaumarkt beim Klauen erwischt. Dabei hielt sogar einer der Jugendlichen eine Verkäuferin fest, damit andere mit Beute fliehen konnten – was juristisch als „Raub-ähnliches“ Delikt gewertet werden könnte. Strafanzeigen wurden gefertigt, es kam zu ersten Beleidigungen gegenüber den Beamten. Bei einer Kontrolle gegen 21 Uhr auf dem Riegelsberger Marktplatz, wo sich die Gruppe inzwischen aufhielt, folgten weitere wüste Beschimpfungen, von denen „Bullen-Wichser“ noch zu den harmlosesten Ausdrücken gehörte. Dass es dabei auch höhnische Rufe in dem Sinn von „Ihr könnt uns ja eh nix“ gab, wie die Polizei berichtet, zeigt, dass es die Täter bewusst ausreizten, vom Alter her gerade erst unter das Jugendstrafrecht zu fallen.

Später wurden dann auch noch Steine gegen ein Restaurant-Fenster geworfen (möglicherweise der Straftatbestand der „Störung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung“) und der blanke Hintern gezeigt. Hinzu kommen diverse Autoaufbrüche, von denen noch nicht ganz klar ist, ob sie (alle) auf das Konto der Bande gehen.

So seltsam es sich anhört, steckt hinter den sinnfreien Taten aus Sicht der Täter ein verquerer Sinn: Offenbar haben die Jugendlichen auch erklärt, sich absichtlich derart kriminell aufzuführen, damit sie von anderen Jugendhilfeeinrichtungen abgelehnt werden und in Riegelsberg zusammenbleiben – allerdings wurde der Rädelsführer keineswegs wieder in Riegelsberg untergebracht, sondern erneut von seinen Mitstreitern getrennt.