Um viele Erfahrungen reicher

Walpershofen · Am 23. Juli machte sich Caroline Himbert aus Walpershofen mit einem Studienfreund, Maximilian Leistenschneider, auf die Reise ins ferne Nepal, um für einen Monat in einem Krankenhaus zu arbeiten. Anschließend reisten sie durch die Region, auch durch Indien. Hier der letzte Bericht der Medizinstudentin.

Walpershofen/Indien. Nach dem Praktikum in einem nepalesichen Krankenhaus und anschließender Reise durch das Land erkundeten die Medizinstudenten Caroline Himbert und Maximilian Leistenschneider den Norden Indiens. Die ersten 24 Stunden in Indien waren wohl die anstrengendsten, die wir auf unserer gesamten Reise durchlebt haben. Mit 15 Indern fuhren wir in einem Jeep von der Grenzstation drei Stunden nach Ghorakpur. Bei 30 Grad wagten wir uns von dort in ein neues Abenteuer: Reisen mit dem Zug.
Leichen erschrecken Touristen

Züge sind in Indien das Haupttransportmittel. Rund zehn Millionen Menschen reisen hier im Durchschnitt täglich in den unterschiedlichen Klassen von A nach B.

Im Groben lassen sich bei der indischen Bahn drei Klassen bezüglich der Ausstattung wie Betten, Klimatisierung, Kabinen und Anzahl der Mitreisenden unterscheiden. Nachdem wir sechs Stunden auf unseren verspäteten Zug gewartet hatten und währenddessen von gefühlten 100 Indern fotografiert worden waren, fuhren wir über Nacht in einem Abteil der ersten Klasse, das mit einer Gefängniszelle vergleichbar war, nach Varanasi .

Varanasi ist wegen der Lage am heiligen Ganges eine der Hauptpilgerstätten der Hinduisten. Von einem Holzruderboot aus kann man hier am Westufer unterschiedliche Rituale und Zeremonien, aber auch einfache Arbeiter beim Wäschewaschen oder Baden beobachten. Auch hier sieht man häufig die Verbrennung von Toten. Aber nicht jeder Verstorbene bekommt diese letzte Ehre erwiesen. Leichen von Schwangeren, Kindern, Leprakranken, Heiligen und Menschen mit Schlangenbissen werden ohne Verbrennung in den Fluss geworfen. Oft lösen sich die Leichname von den beschwerenden Steinen und erschrecken die Touristen, wenn sie an einem der Ausflugsruderboote vorbei treiben.

Von Varanasi reisten wir nach Agra , wo wir nach zwölf weiteren Stunden Zugfahrt ankamen. Am Abend besuchten wir die Sehenswürdigkeit, die Agra zu einem so wichtigen Ort macht. In Agra steht eines der sieben neuen Weltwunder, das Taj Mahal . Mit seinem reich verzierten weißen Marmor und den vielen kleinen Türmchen wirkt es auf seinem weißen Podest - im rot schimmernden Licht des Sonnenuntergangs - wie ein Märchen aus Tausend und einer Nacht.

Unser nächstes Ziel war Jaipur. Wegen der vielen rot-orange gefärbten Häuser wird die Stadt auch "Pink City" genannt. Diesmal erkundeten wir die Sehenswürdigkeiten per Rikscha, einer Art Dreiradtaxi, das für umgerechnet etwa drei bis vier Euro den ganzen Tag zur Verfügung steht.

Wir fuhren dann weiter nach Bikaner, rund 350 Kilometer westlich von Neu Delhi . Je näher man der Wüste Thar kommt, verändert sich deutlich die Vegetation und auch die Kultur. Auch zeigt sich dort zunehmend der Einfluss aus arabischen Ländern. Sei es in der Architektur, der Kultur oder der Mentalität der Einheimischen. In Bikaner besuchten wir wieder einmal einen Tempel, der sich jedoch aufgrund seiner Bewohner deutlich von den anderen unterscheidet: Über 20 000 Ratten werden hier verehrt und wuseln in allen Ecken und Kanten herum. Sie ernähren sich von den Opfergaben der Besucher.
Auf Kamelen durch die Wüste

Anschließend ritten wir auf Kamelen einen Tag durch die trockene Wüstenlandschaft der Wüste Thar, um dem Stress der indischen Millionenstädte zu entgehen. Dabei bot sich die Gelegenheit, nur mit Bettlaken auf einer Düne unter einem sternenklaren Himmel zu übernachten.

Aus dieser stillen Natur führte unsere letzte Etappe mit dem Zug nach Neu Delhi . Mit 8,5 Millionen Einwohnern die Hauptstadt Indiens. Wie erwartet zeigten sich in Delhi die Gegensätze zwischen der reichen und armen Gesellschaft noch deutlicher. Die Stadt ist laut, stressig und dreckig, aber mit ihren Tempeln und Märkten einen Besuch wert. Um unzählige Erfahrungen und Erinnerungen bereichert, endete hier unsere Reise durch Indien und Nepal , die vielseitiger hätte nicht sein können.