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(Über)leben vom Müll anderer Leute

(Über)leben vom Müll anderer Leute

Beatrice Latz aus Riegelsberg, 19 Jahre alt, arbeitete als Freiwillige des „American Field Service“ im südamerikanischen Paraguay. In einem Vorort Asuncions betreute sie Kinder für die Fundacion Fundar und berichtete für uns von ihrer Arbeit, ihren Eindrücken und spannenden Erlebnissen auch an anderen Orten des Landes. Inzwischen wieder zurückgekehrt, hatte sie noch einen Bericht über den Bau von Hütten für die Menschen eines Elendsviertels im Gepäck.

Beatrice Latz bei den Arbeiten am Dach des Holzhauses. Den Bauplan hat sie immer dabei: Er ist auf das T-Shirt aufgedruckt.
Uff! Bei 40 Grad und hoher Luftfeuchtigkeit muss es auch Pausen geben. In der Bildmitte der künftige Hausbesitzer Don.

Die von Studenten geprägte Organisation "Un techo para mi pais" ("Ein Dach für mein Land") hat sich die Beseitigung von Elendsvierteln in ganz Lateinamerika zum Ziel gesetzt. Hierbei finden sich immer wieder junge Teams zusammen, um armen Familien ein neues zu Hause zu schenken. Nachdem ich schon am Anfang meiner großen Reise an einer solchen "Construcción" teilgenommen hatte, zog es mich schließlich gegen Ende wieder in ein ganz besonderes Stadtteil Asuncions.

Das "bañado norte", ein Armenviertel im Sumpfgebiet des Rio Paraguays, liegt eingeengt zwischen Großstadt-Hochhäusern und einer Müllhalde. Die Menschen versuchen vom Recycling zu (über)leben: Sie sammeln auf der Müllhalde, was andere wegwerfen. Bei den riesigen Bergen in dem Ort lagernden Wiederverwertbarem, bei dem fürchterlichem Gestank und den allgegenwärtigen Moskitos glaubt man die Deponie selbst nicht weit weg.

Neben dem Bau von Unterkünften bestand unsere Aufgabe darin, die größten Probleme des Viertels herauszufinden. Wir zogen von Haus zu Haus und wurden für kurze Zeit Teil einer Familie. Lebenssituation, hygienische, finanzielle und gesundheitliche Gegebenheiten sollten dokumentiert werden. Genau genommen hörten wir allerdings einfach nur zu.

Teils beeindruckt, teils erschüttert merken wir, wie diese Menschen auf unvorstellbare Art ihr Leben meistern. Dabei wäre ihnen schon mit ganz wenigen, einfachen Mitteln geholfen, wie etwa einer Brücke, die den Zugang zum Ort nach langen Regenfällen erleichtern würde. "Un techo para mi pais" setzt sich daher auch für eine bessere soziale Integration der Unterschicht ein. Unsere Befragung legte den Grundstein für einen runden Tisch aus Vertretern der Bewohner und der Organisation. Hier sollen in Zukunft gemeinsame Projekte verwirklicht werden.

Unser Team lernte schließlich den Straßenverkäufer Don, seine Frau und deren unüberschaubare Anzahl von Kindern, Nichten, Neffen und Enkeln kennen. Ihnen galt es an einem Wochenende ein neues Dach über dem Kopf zu errichten.

Mit acht Leuten befestigten wir zuerst 13 Balken als Grundpfeiler im Boden. Beim Ausheben der Gruben für die Pfeiler förderten wir Schuhe, Plastiktüten und Bierflaschen ans Tageslicht - und wir sind bei 40 Grad Celsius und hoher Luftfeuchtigkeit an unsere Grenzen gestoßen. Doch trotz eines Gewitters und von der Anstrengung gezeichneten Händen sind die Bodenplatten und Wände zügig angebracht.

Zurück in unserer Unterkunft, einer Schule: Die Nacht ist kurz, das Essen wenig. Der Fließboden kühlt besser als eine Luftmatratze, und die Dusche aus dem 2,5-Liter-Eimer reicht völlig aus. Die zumeist aus der Oberschicht stammenden jungen Freiwilligen suchen in ihrem Engagement nicht einfach nur das Abenteuer. Vielmehr hatte ich das gute Gefühl, dass sich eine junge, gebildete Schicht gegen die Ungerechtigkeit in ihrem Land aufbegehren möchte. Solidarität ist die Devise des Wochenendes!