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Tückische Passage für Rollstuhlfahrer

Tückische Passage für Rollstuhlfahrer

Die neue Ladespur am Riegelsberger Markt weist nicht nur ein Gefälle von der Rathausstraße gesehen in Richtung Marienstraße auf. Sie habe auch ein seitliches Gefälle, in gleicher Blickrichtung von rechts nach links. Dies sei tückisch für Nutzer von Rollstühlen, meint der Riegelsberger Leo Strempel nach einem Selbstversuch.

Erneut gibt es Ärger am Riegelsberger Marktplatz. Einmal geht es ums Thema Barrierefreiheit. Zweiter Aufreger: die Vollsperrung der Rathausstraße zwischen Einmündung Saarbrücker Straße und Ronnertweg.

Leo Strempel aus Riegelsberg brachte in der Einwohnerfragestunde der jüngsten Gemeinderatsssitzung Thema eins aufs Tapet: Er selbst habe, als jemand, der lange in der Alten- und Behindertenarbeit tätig gewesen sei, "einen guten Blick für Barrierefreiheit". So sei ihm am Markt aufgefallen, dass die so genannte Ladespur zwischen den Parkplätzen und den neu angelegten Terrassen vor den Geschäften und gastronomischen Betrieben nicht nur ein Gefälle von der Rathausstraße gesehen in Richtung Marienstraße aufweist. Sondern auch ein seitliches Gefälle, in gleicher Blickrichtung von rechts nach links. Dies sei für Rollstuhlfahrer und Benutzer von Rollatoren eine tückische Angelegenheit, meinte Strempel.

Er habe einen Selbstversuch unternommen: Mit einem vom Seniorenzentrum ausgeliehenen Rollstuhl sei er die Spur runtergefahren, und er schildert: "Jeden Meter, den ich gefahren bin, driftete der Rollstuhl nach links Richtung Regenrinne ab. Und nur mit viel Kraft konnte ich den Rollstuhl auf dem Weg halten."

Zur Erläuterung: die Ladespur sollen auch gehbehinderte Menschen nutzen, um den Höhenunterschied zwischen den Terrassen vor den Geschäften und gastronomischen Betrieben zu überwinden. Die Treppenstufen dort sind nämlich ebenfalls nicht ungefährlich (die SZ berichtete).

Bürgermeister Klaus Häusle (SPD ) hielt Rücksprache mit den Planern. Die Stellungnahme des Büros Dutt & Kist zum Thema Gefälle der Ladespur: "Die gebaute Situation entspricht allen Kriterien und Anforderungen der betreffenden Regelwerke (Verkehrsanlage, Entwässerung und Barrierefreiheit). Die gebaute Situation vor Ort entspricht der freigegebenen Ausführungsplanung und wurde mit Verwaltung und Behindertenbeauftragten einvernehmlich abgestimmt."

Kritik übten auch einige Geschäftsinhaber am Markt. Sie klagten darüber, dass die Rathausstraße derzeit wegen Pflasterarbeiten gesperrt ist und dass die Arbeiten bis zu sechs Wochen dauern sollen. Diese Vollsperrung kommt ihnen viel zu lange und auch unnötig vor. Sie baten den Bürgermeister, nach Abschluss der Pflasterarbeiten an den Bürgersteigen doch wenigstens den Fußweg vom Ronnertweg her zu öffnen.

Häusle erklärte, der Abschnitt sei geperrt, um die Rathausstraße und ein Teilstück vor der neuen Treppe Richtung Marktplatz zu pflastern. Bis zum 25. Oktober seien diese Arbeiten abgeschlossen.

Geschäftsinhaber haben zudem beobachtet, dass die Bautrupps unterbesetzt seien, manchmal nur mit einer Kraft arbeiteten - ab und zu sei sogar überhaupt kein Arbeiter an der Baustelle zu sehen. Die mitunter schwache Besetzung der vergangenen Wochen begründete Häusle mit der Ferienzeit. Jetzt aber, nach dem Ende der Sommerferien, gehe er davon aus "dass die betroffenen Firmen und Subunternehmer mit Hochdampf arbeiten". Er versprach auch, dass die Bürgersteige in der Rathausstraße nach Abschluss der Pflasterarbeiten für Fußgänger wieder frei gegeben werden.