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Tücken des Tarif-Systems: Ärger wegen eines Fahrscheins

Tücken des Tarif-Systems: Ärger wegen eines Fahrscheins

Riegelsberg/Saarbrücken. Eine unerfreuliche Begegnung mit Kontrolleuren der Saarbahn hatte dieser Tage Thomas Schwarz aus Riegelsberg. Der Unternehmensberater und seine Familie waren erst kurz zuvor von Andernach ins Köllertal gezogen, es war die erste Fahrt, die der 50-Jährige mit der Saarbahn unternahm

Riegelsberg/Saarbrücken. Eine unerfreuliche Begegnung mit Kontrolleuren der Saarbahn hatte dieser Tage Thomas Schwarz aus Riegelsberg. Der Unternehmensberater und seine Familie waren erst kurz zuvor von Andernach ins Köllertal gezogen, es war die erste Fahrt, die der 50-Jährige mit der Saarbahn unternahm. Sie führte von Neunkirchen mit der Deutschen Bahn nach Saarbrücken und von dort mit der Saarbahn nach Walpershofen.

In Höhe der Haltestelle Pariser Platz wurden die Fahrscheine kontrolliert. Schwarz hatte sich alle Mühe gegeben, den richtigen zu kaufen - seiner war trotzdem falsch. Er hatte 5,30 statt 6,80 Euro bezahlt. Den Kontrolleuren zeigte er nach dem Aussteigen an einem Riegelsberger Automaten, wie er die Fahrkarte in Neunkirchen gelöst hatte, und gab nun, logischerweise, "Neunkirchen" als Fahrtziel an.

Ticket in Gegenrichtung teurer

Kurioserweise, man nenne es Laune des Tarif- oder Wabensystems im saarländischen Verkehrsverbund, kostet die Fahrt in Richtung Neunkirchen tatsächlich nur 5,30 Euro statt 6,80 Euro andersherum. Schwarz sah sich also bestätigt, alles richtig gemacht zu haben, wogegen die Kontrolleure wussten, dass er den falschen Schein hatte. Sie konnten es wohl aber nicht überzeugend erklären. Gleichwohl beharrten sie darauf, dass Schwarz ein Schwarzfahrer sei und 40 Euro zu zahlen habe.

Inzwischen hat die Saarbahn-Gesellschaft auf Bitten unserer Zeitung den kuriosen Fall geprüft und ist zum Ergebnis gekommen, dass der Fahrschein ungültig gewesen sei. Andererseits habe der Kunde in bester Absicht gehandelt und sich aktiv bemüht, das korrekte Ticket zu erwerben. Deshalb werde man ihm aus Kulanz die 40 Euro erlassen, so Firmensprecherin Dr. Christa Horn.

Der Streit zwischen Fahrgast und Kontrolleuren (zuerst zwei, dann drei) spitzte sich übrigens zu. Schwarz beklagt, dass ihn ein Kontrolleur am Arm gepackt und später sogar auf dem Nachhauseweg verfolgt habe. Das Unternehmen Saarbahn beteuert, dass das Kontrollpersonal niemanden festzuhalten habe. Dies sei auch nicht geschehen. Sei's drum, die Kontrolleure riefen sogar die Polizei, die an der Wohnung von Schwarz erschien und seine Personalien aufnahm, um sie an die Saarbahn weiterzugeben.

Alltagsnot der Kontrolleure

Der Fahrgast, übrigens überzeugter und häufiger Kunde des öffentlichen Nahverkehrs, bezeichnet das Kommunikationsverhalten der Kontrolleure als niederschmetternd schlecht. "Schon beim Betreten des Wagens gab es keinen Gruß, so als ob alle Leute potenzielle Schwarzfahrer seien." Horn bedauerte, dass der Neukunde so einen schlechten Eindruck gewonnen habe. Sie wies auf die alltäglichen Nöte des Kontrollpersonals mit vorsätzlichen Schwarzfahrern hin. Den Mitarbeitern sei nicht zumutbar, nach eigenem Ermessen strittige Sachverhalte zu entscheiden. "Wir werden Herrn Schwarz die 40 Euro Strafe aus Kulanz erlassen."

Dr. Christa Horn, Saarbahn-Sprecherin