Toller Tucholsky, klasse Kästner

Riegelsberg. "Ssälawie" - wie in Tucholskys Gedicht "Ideal und Wirklichkeit" - haben Alice Münz und Elena Huber ihr Programm getauft. Seit 13 Jahren geben Sängerin und Pianistin zusammen Konzerte. Jedes Jahr haben sie ein, zwei Programme ausgetüftelt. Doch bislang war alles klassisch

Riegelsberg. "Ssälawie" - wie in Tucholskys Gedicht "Ideal und Wirklichkeit" - haben Alice Münz und Elena Huber ihr Programm getauft. Seit 13 Jahren geben Sängerin und Pianistin zusammen Konzerte. Jedes Jahr haben sie ein, zwei Programme ausgetüftelt. Doch bislang war alles klassisch. Am Freitag feierten sie mit deutschen Chansons in Riegelsberg im Vierjahreszeitensaal des Hauses Gabriel Premiere. Klasse war das. Man möchte am liebsten jedes Lied zweimal hören oder sofort zuhause nachlesen. Hanns Eisler, Friedrich Hollaender und viele andere haben die Gedichte vertont. Tucholsky hat das alltägliche Leben, die Gesellschaft und die Miseren seiner Zeit fein beobachtet. Wenn er schreibt "man möchte immer eine große Lange und bekommt dann eine kleine Dicke", dann spricht er nicht nur von Pfeifen, sondern auch von Politik. Ach ja, und Dauerlaufen tut er morgens auch nicht, sondern nur "beinah, beinah". Zu "Tucho" haben sich an diesem Abend noch Heinz Erhardt und Erich Kästner gesellt. Die sind auch beide nicht ohne. Jeder auf seine Weise. "Wie grausam ist doch die Natur, sie trachtet nach dem Leben nur", dichtete Erhardt, und bei Kästner gibt es auch im Wiegenlied keine Idylle. Alles ist aktuell wie eh und je. Man könnte, wenn man genau auf die Texte achtet, das kalte Grausen kriegen. Zum Glück konnten die drei Herren auf alles wunderbare Reime machen, und das Duo Münz/Huber bringt es prima rüber.Alice Münz erzählt, sie hätte die Tucholsky-Songs schon lange gekannt. Zufällig ist sie dann auf die von Heinz Erhardt in den Vertonungen von Tadeusz Klaus gestoßen. Weil ihr auch Erich Kästner schon lange lieb und wert war, dachte sie bei sich: "Da machen wir mal einen Abend draus." Nachdem die Grundidee stand, haben sie und Elena Huber "ausgesucht, was uns zugesagt hat". Es wurde probiert, anders überlegt, verworfen, neu geprobt. So verging ein halbes Jahr, und dann war es so "wie man es haben möchte und abliefern kann".Nächster Termin: Sonntag, 3. Oktober, 16 Uhr, im Völklinger Alten Rathaus.