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Thema Verkehrslärm lockt nur wenige Leute an

Thema Verkehrslärm lockt nur wenige Leute an

Bürger fordern bei Versammlung im Riegelsberger Rathaus feste Blitzersäulen und den Einsatz weiterer Hilfspolizisten.

In Riegelsberg gibt es mehr Straßen mit gesundheitsgefährdendem Verkehrslärm als Bürger, die sich für dieses Thema interessieren. Dieser Eindruck blieb am Dienstagabend bei einer Bürgerversammlung im Rathaussaal, bei der es um den seit Jahren beklagten Verkehrslärm ging. Genau 13 Interessierte waren gekommen - sechs davon Mitglieder des Gemeinderates. "Ich bin ein bisschen überrascht, dass so wenige da sind. Es ist doch ein Thema, das uns alle betrifft, weil Riegelsberg wie keine andere Gemeinde des Regionalverbandes von Verkehrslärm durchzogen ist", bedauerte Bürgermeister Klaus Häusle (SPD).

Dr. Kerstin Giering vom schalltechnischen Beratungsbüro GSB stellte ein Gutachten vor, das sie im Rahmen der zweiten Stufe des Riegelsberger Lärmaktionsplanes erstellt hatte. Und aus diesem geht hervor, dass mit der Saarbrücker Straße, Holzer Straße, Wolfskaulstraße, Köllner Straße, dem Russenweg, der Hixberger Straße und der Altenkesseler Straße, der Salbacher Straße, der Heusweiler Straße und der Etzenhofer Straße zehn Hauptverkehrsstraßen in Riegelsberg und Walpershofen von täglich mehr als 8200 Autos und Lkws befahren werden, die gesundheitsschädlichen Lärm verursachen. In diesen Straßen werden die so genannten "Lärmsanierungsgrenzwerte" dauerhaft überschritten.

Diese Grenzwerte liegen bei über 70 Dezibel am Tag und über 60 Dezibel nachts. 720 Menschen leben an diesen Straßen, die nachts gesundheitsschädlichem Lärm ausgesetzt sind, rund 600 leiden tagsüber darunter. Mediziner bestätigen, dass dauerhafter hoher Lärm zu Herz-Kreislauferkrankungen, Depressionen, ja sogar Krebs führen kann. "Deshalb besteht an diesen Straßen kurzfristiger Handlungsbedarf", betonte Giering.

"Kurzfristig" bedeute, dass die Verantwortlichen innerhalb von drei bis fünf Jahren lärmreduzierende Maßnahmen ergreifen müssen. Verantwortlich dafür ist aber nicht die Gemeinde Riegelsberg, sondern die Untere Straßenverkehrsbehörde beim Regionalverband und der Landesbetrieb für Straßenbau (LfS). Lärmreduzierende Maßnahmen können andere Routenplanungen für Lkws, der Bau einer Ortsumgehungsstraße (Südumgehung), Tempo 30 oder der Einbau von Flüsterasphalt sein. Man kann aber auch die weitere Ausweisung von Neubaugebieten untersagen, Fahrrad- und Fußwege ausbauen oder den Einsatz von E-Autos und E-Bikes fördern. Giering forderte den Bürgermeister und die Gemeinderatsmitglieder auf, sich mit dem Regionalverband über die Einführung von Tempo 30 an den Hauptverkehrsstraßen zu unterhalten. Für die Durchsetzung dieser Maßnahme sieht sie gute Chancen. Ähnlich wie Häusle: "Das Gutachten ist eine wertvolle Hilfe für die Diskussion in den nächsten Monaten", sagte er. Nach der Sommerpause wird der Gemeinderat beschließen, welche Aktionen man beim Regionalverband und beim LfS fordern wird. Der Lärmaktionsplan ist noch bis 12. Juli im Rathaus, Zimmer 1.09, einzusehen - ebenso auf der Homepage der Gemeinde.

Die zur Bürgerversammlung erschienenen Riegelsberger waren sich einig: Flüsterasphalt mögen sie nicht, er bringe keine spürbare Lärmminderung, sagten sie. Tempo 30 sehen sie kritisch, es halte sich kaum jemand daran, sagen die Leute. Stattdessen fordern sie den flächendeckenden Einsatz mobiler Geschwindigkeitsanzeigetafeln, die Installation fester Blitzersäulen und die Einstellung weiterer Hipos (Hilfspolizisten), die auch außerhalb der Kernzeiten (also vor 8.30 Uhr und nach 15.30 Uhr) blitzen sollen. Ein Mann schlug vor, ein Linksabbiegeverbot aus dem Ronnertweg in die Wolfskaulstraße anzuordnen. Begründung: Wenn dort im Berufsverkehr ein einziger Linksabbieger versuche, sich in den fließenden Verkehr einzufädeln, produziere er hinter sich einen Stau von mehreren hundert Metern Länge. Ein anderer schlug vor, die Ampeln in der Saarbrücker Straße zwischen ein und fünf Uhr morgens abzuschalten. Denn in dieser Zeit fahre fast jeder Autofahrer bei Rot über die Ampeln, weil er weiß, dass keine Saarbahn kommt.