Stürmische Zeiten für die Windkraft

Stürmische Zeiten für die Windkraft

Gut besucht war der Infoabend zu möglichen Windkraft-Standorten im Köllertal. Bürger meldeten Bedenken an, während die Politik starkes Interesse an Windrädern auf Püttlinger und Heusweiler Gebiet zeigte.

"Wenn ich 100 Leute frage, ob sie für Windenergie sind, sagen 90 davon ja. Wenn ich dieselben 100 Leute frage, wo man denn ein Windrad aufstellen könnte, sagen sie: ‚Bei mir nicht‘", sagte der Heusweiler Bürgermeister Thomas Redelberger beim Info-Abend zum Thema Windkraftanlagen im Heusweiler Rathaus. Dorthin hatten die Kommunen Heusweiler, Riegelsberg und Püttlingen eingeladen, um sich Pläne des Regionalverbandes vorstellen zu lassen, wo im Köllertal Windräder aufgestellt werden könnten - wenn man es denn will. 105 Bürger aus den drei Kommunen waren gekommen. Und viele davon erwiesen sich als Windkraftgegner.

Da wurden in fast missionarischem Eifer Gegenargumente gesammelt: von der Lärmbelästigung, über die Verschandelung des Landschaftsbildes bis zu Tier- und Artenschutz. Man hatte das Gefühl, der vom Aussterben bedrohte Rote Milan nistet überall dort, wo Windräder aufgestellt werden könnten.

Marco Del Fabro vom Fachdienst Regionalplanung und Entwicklung beim Regionalverband hatte die Pläne vorgestellt und betont: "Wir können jetzt alle Zonen zeigen, wo sich Windkraftanlagen eignen und gleichzeitig damit ausschließen, wo Windkraftanlagen nicht gebaut werden dürfen." Der entsprechende Flächennutzungsplan des Regionalverbandes ist auf Grundlage der "Windpotenzialstudie Saarland" des Umweltministeriums entstanden.

Im Köllertal wurden 27 Gebiete auf Eignung geprüft, acht blieben letztlich übrig. Dort könnten Drei-Megawatt-Anlagen (maximale Höhe 200 Meter) und Zwei-Megawatt-Anlagen (maximale Höhe 140 Meter) aufgestellt werden. Dass nur acht Flächen übrig blieben, hängt mit den Ausschlusskriterien zusammen. So müssen Mindestabstände eingehalten werden: 650 Meter zu geschlossenen Ortschaften, 425 Meter zu Einzelgebäuden, 200 Meter zu Naturschutzgebieten, 100 Meter zu Autobahnen, Schienen und Stromtrassen, 50 Meter zu Bächen, Flüssen und Kreisstraßen, 20 Meter zu Gemeindestraßen. Auch der Artenschutz genießt hohe Bedeutung. Es werden keine Windräder gebaut, wo Uhu, Rot- oder Schwarzmilane nisten.

In der Fragerunde wollte ein Bürger von den drei Bürgermeistern wissen, wie sie zu Windkraftanlagen stehen. Klaus Häusle (SPD) sagte: "Wir befassen uns in Riegelsberg offensiv mit dem Thema im Rahmen unseres Klimaschutzkonzeptes. Aber die Räte müssen ganz genau prüfen, was sie an ihren Flächen machen." Martin Speicher (Püttlingen, CDU): "Aus unserer Sicht sagen wir ein klares Ja zur Energiewende. In Püttlingen könnten maximal fünf Windräder aufgestellt werden, aus Sicht der Verwaltung sind davon drei interessant, zwei nicht." Und Redelberger (CDU) betonte: "Der Gemeinderat Heusweiler hat sich auf die Fahne geschrieben, die Erneuerbaren Energien voranzutreiben. Wir müssen uns doch fragen: Wenn alle Atomkraftwerke abgeschaltet sind - wo kommt der Strom dann her?" Der Flächennutzungsplan wird jetzt in den Ortsräten, Ausschüssen und Gemeinderäten der drei Kommunen diskutiert und soll im Dezember den zuständigen Ministerien zur Genehmigung vorgelegt werden. Da die Prüfung Artenschutzrechtlicher Belange bis zu einem Jahr dauern kann, darf mit einem Baubeginn nicht vor 2015 gerechnet werden.

Pläne & Fotos: rvsbr.planungsbeteiligung.de, dann anklicken: "Planfälle", "Planungsunterlagen", "Gebietssteckbriefe zu den Konzentrationszonen".

Zum Thema:

Auf einen BlickMögliche Windkraft-Zonen: In Püttlingen könnten am Dickenberg zwei Windräder, am Sägeborner Kopf (Jungenwald, Richtung Elm) eines gebaut werden; an der Schnittstelle mit Heusweiler (Rocko-del-Schlacko-Gelände) könnten beide Kommunen fünf Windräder aufstellen. In Heusweiler kämen Wengenwald Eiweiler, Kirschhofer Wald in Eiweiler und die Kupp Obersalbach mit insgesamt fünf Windrädern in Frage. In Riegelsberg sind im Bereich hinter dem Kaufland, entlang der Holzer Fröhn bis zum Kasberg fünf Windräder möglich und eine Anlage südlich von Pflugscheid (Am Strebchen) Richtung Pfaffenkopf-Burbach. Auch Köllertaler Nachbarn spielen eine Rolle: Auch wenn in Eiweiler keine Windräder stehen, sähe man die fünf Windräder, die in Lebach am Golocher Wald gebaut werden sollen. Von Püttlingen würde man es sehen, falls Windräder in Bous und Völklingen entstehen, von Pflugscheid aus, falls bis zu fünf Windräder am Pfaffenkopf gebaut werden. dg