Stürmische Diskussion über Windrad-Projekt

Stürmische Diskussion über Windrad-Projekt

Sie sorgen sich um ihre Gesundheit, um den Wert ihrer Eigenheime und um ihre Wohnqualität. Deshalb waren rund 140 Klarenthaler Bürger im Rathaus, als dort die Stadtverwaltung und die Windkraft-Firma Dunoair über ihre Pläne informierten.

Steht das Projekt Windpark Fröhn vor dem Aus? Ja, wenn es nach dem Willen von Birgit Huonker geht. Die Fraktionsvorsitzende der Linken im Riegelsberger Gemeinderat fordert Investor RAG Montan Wind auf, "das Experiment Windräder im Fröhner Wald jetzt endlich zu beenden". Nachdem das Umweltministerium eines der drei geplanten Windräder aus ökologischen Gründen nicht genehmigt hat (die SZ berichtete), kritisiert die Linke "das selbstherrliche Vorgehen der RAG Montan Wind gegenüber den gewählten Gemeinderäten sowie gegenüber der Riegelsberger Verwaltung". Wenn die Forstbehörde bereits beim Flächennutzungsplan-Verfahren im Regionalverband darauf hingewiesen habe, dass ein Windkraftanlagen-Standort in Alt- und Totholzbeständen zu vermeiden sei und dies die RAG Montan Wind schlicht ignoriert habe, zeige sich ein gewisses Maß an Uneinsichtigkeit, meint Huonker. Als am 11. Juli im Riegelsberger Gemeinderat ein städtebaulicher Vertrag für die drei geplanten Windkraftanlagen beschlossen wurde, hätten Unterlagen mit den genauen Standorten der drei Windräder gefehlt, behauptet sie. Erst später sei bekannt geworden, dass eines der Windräder doch teilweise auf Heusweiler Gebiet stehe. Huonker meint, der städtebauliche Vertrag sei "durch dieses Täuschungsmanöver null und nichtig".

Investor RAG Montan Wind hält an den Plänen für den Windpark Fröhn fest, wie Geschäftsführer Rudolf Krumm auf SZ-Nachfrage sagte. Sein Unternehmen werde jetzt prüfen, was der Wegfall des dritten Windrades für das Projekt bedeute. Die Zone im Fröhner Wald sei ausgewiesen, um dort Windkraftstandorte zu entwickeln, betonte Krumm. Insofern sei das Projekt politisch legitimiert. Drei große Windräder mit einem Rotorendurchmesser von 115 Metern und einer Gesamthöhe von je 207 Metern sollen schon im Sommer 2017 am Krughütter Ortsrand Wind in Strom verwandeln. Das beunruhigt die Anwohner. Rund 140 von ihnen kamen am Donnerstagabend zu einer Informationsveranstaltung in den Sitzungssaal des Klarenthaler Rathauses - und dort kochten die Emotionen hoch.

Die Bürger sorgen sich um ihre Gesundheit, um die Natur, um die idyllischen Waldwege vor der Haustüre, um kleine Kriechtiere und große Vögel. Denn Windräder produzieren Schallwellen auf Niederfrequenz - und es ist bislang nicht bekannt, wie sich diese nicht hörbaren Wellen auf Gesundheit und Psyche von Menschen auswirken. Sicher sind sich die Anwohner aber, dass ihnen die bewegten Schatten der Rotorblätter im Sonnenlicht auf die Nerven gehen werden. Genau wie das 35 Dezibel (dB) laute Betriebsgeräusch der Windräder , das auch nachts zu hören sein wird.

Für die Firma Dunoair stellte deren Projektleiter Thilo Wemmer die Pläne seines Unternehmens vor. Unterstützt wurde er vom Saarbrücker Umweltdezernenten Thomas Brück und von Umweltamtschef Christian Bersin. Trotzdem hatte Wemmer einen schweren Stand, weil gut informierte Bürger kritisch nachhakten. Beispielsweise in Sachen Lautstärke. Da war nämlich zunächst von bis zu 38 dB die Rede.

Kein Problem im allgemeinen Wohngebiet, wohl aber im reinen Wohngebiet. "Sie wissen nicht, dass Teile des betroffenen Gebietes reines Wohngebiet sind?", so die Frage aus der Versammlung. Wemmer war sichtlich überrascht. Jürgen Hettrich, CDU-Bezirksratsmitglied, überzeugte ihn aber mit der entsprechenden Karte.

Dezernent Brück erklärte, das Landesamt für Umwelt- und Arbeitsschutz (LUA) wisse darüber Bescheid, und als Genehmigungsbehörde erlasse das LUA auch Betriebsbeschränkungen, damit die Geräusche nicht lauter als 35 dB sind. Die Bürger kritisierten auch die Praxis bei den vorab erstellten Gutachten. "Die müssen wir selbst in Auftrag geben", sagte Wemmer. Folglich bezweifeln die Bürger die Unabhängigkeit der Gutachter. Und dann kam die Rede auf den engen Zeitplan. Um in den Genuss von Fördergeld zu kommen, müssen die Anlagenbetreiber bis Jahresende die Genehmigung in Händen halten. Mit so vielen ungeklärten Fragen sei das ein ehrgeiziges Unterfangen - die Bürger fürchten, dass das Vorhaben jetzt möglichst schnell "durchgedrückt" werden soll. Weiter bezweifeln sie, dass der Strom aus Windkraft überhaupt gebraucht wird. "Es geht doch nur darum, Reibach zu machen", polterte einer.

Laut Dezernent Brück und Amtsleiter Bersin sollen sich die Betroffenen auf das LUA verlassen und darauf, dass das Amt die entsprechenden Auflagen macht und deren Einhaltung auch überwacht.

Wemmer hatte noch einen wichtigen Tipp: Auch in einem nichtöffentlichen Verfahren hätten Betroffene Gelegenheit zum Widerspruch, der müsse schriftlich an die Genehmigungsbehörde gehen. Und wer Schadenersatz für den Wertverlust des Eigenheims wegen des Windanlagenbaus verlange, der müsse vor Gericht.