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Streit um geplantes Neubaugebiet auf Wiesengelände in Rieglsberg

Streit um geplantes Neubaugebiet : Wohnraum im Wettbewerb mit Natur

Die „BI Feuchtwiese“ protestiert gegen Pläne für ein großes Neubaugebiet in Riegelsberg.

(dg) Die RAG Montan Immobilien GmbH will ein neues Wohngebiet im Bereich der Hahnenstraße entwickeln. Auf dem sieben Hektar großen Areal sollen rund 70 Häuser entstehen. Der Gemeinderat hat im Dezember das Planverfahren einstimmig auf den Weg gebracht. Eine Bürgerinitiative, die BI Feuchtwiese, möchte die Bebauung verhindern. Wir sprachen mit deren Sprecher Sascha Cavelius.

 Warum wollen Sie das Baugebiet auf der Hahn verhindern?

Sascha Cavelius: Nur wenige wissen, dass die Hahnenwies bereits Ende der 1960er-Jahre erschlossen und bebaut werden sollte. Der Gemeinderat hatte das damals allerdings abgelehnt. Das Areal ist ein wichtiges Ökosystem. Die weitläufige Feuchtwiese ist eine sehr wichtige Retentionsfläche, die dringend benötigt wird. Der kleine Bach ist naturrechtlich geschützt.

Es soll dort also schützenswerte Pflanzen und Tiere geben?

Cavelius: Ja. Den Rotmilan, den Bussard sowie seltene Orchideen. Zudem ist die Hahnenwies eine Frischtluftschneise mit Auswirkung auf das Lokalklima.

Welche Gründe gibt es noch für die Verhinderung eines Baugebietes?

Cavelius: Riegelsberg ist bereits heute sehr dicht besiedelt. Im Innenbereich gibt es keine größeren Grünflächen mehr, nur noch kleine Lücken. Durch die Bebauung und die angedachte Abwasserlösung steigt die Hochwassergefahr bei Starkregen, vor allem für das Lampennest. Zudem ist die stark ansteigende Verkehrsbelastung bekannt.

Gemeinde und RAG führen die hohe Nachfrage nach Bauland als Argument für die Erschließung des Baugebietes an.

Cavelius: Zurzeit herrscht eine der Niedrigzinspolitik geschuldete hohe Nachfrage nach Bauland. Das ist unbestritten. Der Landesentwicklungsplan Siedlung für Riegelsberg verlangt Wohnfläche. Allerdings wird immer nur der Bruttobedarf angeführt. Durch Sterblichkeit oder Umzug in Seniorenheime werden laufend Bestandsimmobilien frei. Natürlich nicht auf einmal. Nachnutzungskonzepte und öffentliche Anreize zur Marktzuführung von Bestandsimmobilien müssen von der Politik vorangebracht werden. Immer mehr Menschen wohnen alleine in ihren Häusern. Der Flächenbedarf pro Person ist in den vergangenen Jahren sehr stark gewachsen. Das alles geht zu Lasten der nachfolgenden Generationen.

Immer wieder wird sozialer Wohnungsbaus gefordert.

Cavelius: Diese von den Linken angeführte Forderung ist in Bezug auf Riegelsberg naiv. Wie möchten denn die Linken bei dem Haushaltskonsolidierungszwang der Gemeinde und dem Renditezwang der RAG die tatsächliche Umsetzung beeinflussen? Es geht den Befürwortern um den Zuzug und die Bindung von zahlungskräftigen Einwohnern. Bürgermeister Häusle hat bereits mehrfach bei den Anwohnern angeführt, dass Riegelsberg nicht für jedermann erschwinglich ist und dass vor allem Investoren und Besserverdienende dort bauen wollen, statt Bestandsimmobilien zu modernisieren.

Was sagen Sie zu den jüngst gefassten Beschlüssen des Gemeinderates zur Einleitung des Planverfahrens?

Cavelius: Uns wurde mitgeteilt, dass die Beschlüsse rechtlich notwendig seien, um die Öffentlichkeit und die Behörden einzuschalten. Träger des Bebauungsplans ist allerdings die Gemeinde. Eine Änderung des Flächennutzungsplans wäre fatal. Gesetzlich vorgeschriebene Ausgleichsmaßen werden dieses Ökosystem nicht ausgleichen können. Die Feuchtwiese wäre unwiederbringlich zerstört.

Von wie viel Zustimmung in der Bevölkerung gehen Sie aus?

Cavelius: Wir haben zirka 400 Unterschriften. Die Meinung vieler ist, dass hier unter dem Slogan „Bauland für junge Familien“ für gut Betuchte das Wohnen im Grünen erschlossen werden soll und die Gefahren niemanden interessieren.

Wie sehen Ihre weiteren Pläne aus?

Sascha Cavelius Foto: dg Foto: Fredy Dittgen

Cavelius: Wir müssen nun wohl zwangsläufig den Bebauungsplan abwarten. Mit Unterstützung der Naturschutzbeauftragten, des BUND Köllertal und des neu gegründeten Beirates Natur wollen wir fachlich fundierte Argumente in einer Stellungnahme im Rahmen der Bürgerbeteiligung einbringen sowie das Umweltministerium einschalten.