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Streit um Auftragsvergabe für den Sportplatz

Gab es eine Schieflage bei der Auftragsvergabe zum Sportplatzbau? Die Riegelsberger Verwaltung verspricht Aufklärung. Die Bauarbeiten laufen jedenfalls weiter, unser Foto entstand gestern. Foto: Becker & Bredel
Gab es eine Schieflage bei der Auftragsvergabe zum Sportplatzbau? Die Riegelsberger Verwaltung verspricht Aufklärung. Die Bauarbeiten laufen jedenfalls weiter, unser Foto entstand gestern. Foto: Becker & Bredel FOTO: Becker & Bredel
Riegelsberg. Eine Sondersitzung des Riegelsberger Gemeinderates drehte sich gestern Abend darum, ob bei der Vergabe des Auftrags für den Kunstrasenplatz des FC Riegelsberg alles korrekt über die Bühne gegangen ist. Von Fredy Dittgen und Marco Reuther (SZ)

Birgit Huonker (Die Linke) wirft der Riegelsberger Verwaltung ein fragwürdiges Vorgehen bei der Ausschreibung für den neuen Kunstrasenplatz des FC Riegelsberg vor, für den kürzlich die Bauarbeiten begonnen hatten. Auf Antrag der Linken wurde gestern Abend die Tagesordnung der Sondersitzung des Riegelsberger Gemeinderates um den Punkt "Bau des Riegelsberger Kunstrasenplatzes" erweitert.

Dieser Platz wird derzeit an der Stelle des alten Hartplatzes neu gebaut, das zuständige Ministerium hat dazu am 27. Mai einen Bewilligungsbescheid erstellt. Aufklärungsbedarf sieht Birgit Huonker unter anderem in der Frage, welche Rolle das zur Verarbeitung gewählte Granulat bei der Auftragsvergabe spielt. Dieses in großen Mengen benötigte Granulat ist gewissermaßen der Unterboden des Kunstrasens, bei dem es große Preisunterschiede gibt. Der Gemeinderat, so Huonker, hatte sich für ein hochwertiges Granulat ausgesprochen, hergestellt aus dem synthetische Kautschuk EPDM (Ethylen-Propylen-Dien-Monomer).

Entsprechend war auch die Ausschreibung der Gemeinde und entsprechend gingen fünf Angebote ein. Gleichzeitig, so erklärte Bürgermeister Klaus Häusle später, gab es aber auch zehn sogenannte Nebenangebote, also abweichende Angebote, was durchaus üblich sei. Die Verwaltung hatte nun offenbar ein solches Nebenangebot der Firma Kempf als geeignet angesehen, denn das wurde in einer späteren Ratssitzung vorgestellt.

Huonker sagt dazu, sie habe sich vehement dagegen ausgesprochen, da es sich um minderwertiges Material handele - "recyceltes Gummi aus geschredderten Altreifen". Häusle sagte dagegen, als er später die Vorwürfe Huonkers aufgriff, dass dieses Material so schlecht nicht sei, da es inzwischen ummantelt werde. Jedenfalls hatte sich der Rat mehrheitlich für das Angebot der Firma Kempf ausgesprochen - wobei Birgit Huonker später feststellte, dass nur das bessere Material von der Sportplanungskommission gefördert werde, und hätte diese den zugesagten Zuschuss von rund 270 000 Euro zum Sportplatzbau zurückgezogen, so wäre Riegelsberg auf dieser Summe sitzen geblieben. Doch so weit kam es nicht, denn unmittelbar vor der Ratssitzung hatte es eine Überraschung gegeben: Der Gemeinderat hatte noch eine Ortsbesichtigung an der Baustelle des Kunstrasenplatzes gemacht und dabei habe man vom Bauleiter erfahren, dass nun von der Firma Kempf doch das hochwertigere Material verbaut werden soll - auch mit Hinweis darauf, dass ja sonst besagte Förderung nicht möglich wäre. Heißt letztlich: Die Firma Kempf hat den Auftrag bekommen, obwohl sie bezüglich des Granulats ein anderes Angebot abgegeben hatte, das sich auf das günstigere Granulat bezog. Nun kommt aber doch das teure zum Einsatz. Die Firmen, die gleich die "richtigen" Angebote abgegeben hatten, haben also das Nachsehen.

Häusle wiederum erklärte, dass dem Rat ganz einfach, wie üblich, das günstigste Angebot vorgeschlagen worden war. Er sagte aber zu, alle offenen Fragen schnellstmöglich zu prüfen.

Ein weiterer Vorwurf Birgit Huonkers: Vertraglich sei vereinbart worden, dass der FC Riegelsberg beim Bau des Kunstrasenplatzes 50 000 Euro an Eigenleistungen für Verbundstein- und Geländearbeiten erbringen muss. Diese Arbeiten seien allerdings auch Bestandteil der Ausschreibung an die Baufirmen gewesen.

Das sei normal und üblich, hieß es dazu seitens der Verwaltung, denn es werde ja zuerst die detaillierte Kostenrechnung erstellt ("Leistungsverzeichnis"), und erst dann werde diese dem Verein vorgelegt, um zu sehen, was er an Eigenleistungen erbringen kann.



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HintergrundGranulat-Kosten: Birgit Huonker führte zum Kostenunterschied der Granulatsorten aus: Eine Tonne des Recycling-Granulats koste nur 300 Euro, während eine Tonne des hochwertigen EPDM 1300 Euro koste. Da für den Riegelsberger Kunstrasenplatz 40 Tonnen Granulat benötigt werden, wäre das ein Unterschied von insgesamt 40 000 Euro. Der Nachteil des Altreifengranulats sei jedoch, dass er Schwermetalle und Chemikalien enthalte, Geruchsbelästigungen aufweise und schwarz gefärbt sei. Huonker sagt, dass im Saarland auf solchen Belägen keine Fußballspiele mehr stattfinden dürfen. Die Sportfreunde Köllerbach hatten dieses Granulat 2001 beim Bau ihres Kunstrasenplatzes an der Burg Bucherbach noch verwendet, er hatte allerdings nicht lange gehalten: 2011 wurde ein neuer Kunstrasen angelegt, der alte musste entsorgt werden. dg/mr