So sah das Köllertal die Tore der Jogi-Jungs

Köllertal. Man stelle sich vor, ein Ritter aus dem Mittelalter wäre gestern, Punkt 20.30 Uhr, mit der Zeitmaschine in die Burg Bucherbach zurückgekehrt. An die 1000 Menschen hätte er dort vorgefunden. Mit Fahnen, plärrenden Tröten, riesigen Klatschhänden aus buntem Pappmaschee und stets gut gefüllten Bierbechern scharten sie sich vor einer schwarzen Kasten mit großer Leinwand

 Kaum war das Spiel Deutschland gegen Australien mit einem 4:0 beendet, machten sich in der vergangenen Nacht die ersten Autocorsos lautstark auf den Weg, hier in Püttlingen. Foto: Simon Avenia

Kaum war das Spiel Deutschland gegen Australien mit einem 4:0 beendet, machten sich in der vergangenen Nacht die ersten Autocorsos lautstark auf den Weg, hier in Püttlingen. Foto: Simon Avenia

 Köllertal. Man stelle sich vor, ein Ritter aus dem Mittelalter wäre gestern, Punkt 20.30 Uhr, mit der Zeitmaschine in die Burg Bucherbach zurückgekehrt. An die 1000 Menschen hätte er dort vorgefunden. Mit Fahnen, plärrenden Tröten, riesigen Klatschhänden aus buntem Pappmaschee und stets gut gefüllten Bierbechern scharten sie sich vor einer schwarzen Kasten mit großer Leinwand. Ein bewegtes Bild zeigte sich dort: 22 Männer in weißen und blauen Hemden balgen sich um einen Ball. Knapp zehn Minuten dauert es, bis ein Spieler namens Podolski jenes Spielgerät im Tor unterbringt - mit einem satten Flatterschuss. Jubel in der Burg! Wenige Minuten später: Miroslav Klose vergibt eine Hundertprozentige. Das Publikum beim Public Viewing, so heißt die Veranstaltung, wie der zeitreisende Ritter erfuhr, rauft sich die darob die Haare, beziehungsweise die hohen Zylinderhüte in schwarz-rot-goldenen Farben.

Nicht lange, denn keine zwei Minuten später hatte derselbe Klose Köpfchen bewiesen und brachte den Ball im Netz unter. Zwei zu Null! Die wenigen erklärten Anhänger der Australier, man erkannte sie am Crocodile-Dundee-Outback-Outfit, nahmen's gelassen. Sie orderten ein weiteres Bier, genehmigten sich ein Würstchen vom Grill und gönnten der Mehrheit den Torjubel. Deutschland zeigte sich überlegen, die Burg ist für jeden Hunger und Durst gerüstet, die WM lässt sich für unsere Mannschaft prima an, das nächste Public Viewing mit deutscher Beteiligung wird in Püttlingen mit Sicherheit wieder ein gut besuchtes Event. 

Auch in Walpershofen wird gestern Abend "Freiluft-Gucken" angeboten, dort kann man auf Veranlassung der örtlichen CDU einen gemeinsamen Blick zum Schwarzen Kontinent werfen.

In Riegelsberg zeigt sich die gute Stimmung beim Public Viewing schon, als bei der Nationalhymne ein kleiner Jubel ausbrach. Der verstärkte sich bei den ersten Torchancen - und zum 1:0 in der achten Minute hielt es kaum noch einen der etwa 150 Gäste auf seinem Platz. Vuvuzelas ertönten, Jubel- und Freudenrufe ebenfalls, und Stefan La Russa, vom Veranstalter (die Firma S. L. R. Bauunternehmen) stimmte am Mikrofon das "Ich liebe Deutschland"-Lied an. Auch das viele Frauen und Kinder anwesend waren, freute La Russa: "Wir wollten eine Veranstaltung für die ganze Familie." Und auch für die ganze Familie wurde gesorgt, das Team Treff und S. L. R. Bauunternehmen verkaufte Getränke und Leckereien vom Grill, und die Pizzaria Picolo Mondo aus Walpershofen bot frisch gemachte Pizza. Selbst die kleinsten Gäste hatten ihren Spaß, sie verzierten den Hof mit Malkreide.

In Heusweiler hatte man es schon den ganzen Tag über beim Strandfest locker angehen lassen, nachdem der Marktplatz mit zehn Lkw-Ladungen Sand in einen "Strand" verwandelt worden war. Schon früh tummelten sich hier die ersten Fans mit Deutschland-Trikots und Tröten, und Eis-Café-Besitzer Sven Da Ren hatte sogar, passend zum Strandfest, ein Baströckchen angelegt (über der Hose).

Gegen Ende der zweiten Halbzeit war dann der Marktplatz voll von gut gelaunten Zuschauern, die dem Schlusspfiff entgegenfieberten. In der 68 Minute traf schließlich Thomas Müller zum 3:0 und kaum zwei Minuten später schob Claudemir Jeronimo Barreto, Spitzname Cacau, das Runde zum 4:0 in das Eckige. Die Fans in Heusweiler waren kaum zu halten, was auch am anschließenden Hubkonzert zu merken war.