1. Saarland
  2. Saarbrücken
  3. Riegelsberg

So geht’s weiter mit der Kita im Gisorsviertel Riegelsberg

Registrierungspflichtiger Inhalt: Erd- und Garten-Geschoss verlaufen in verschiedene Richtungen : So geht’s weiter mit der Kita im Gisorsviertel Riegelsberg

Nach dem Wechsel des Architekten wurden im Gemeinderat die neuen Pläne für eine geplante Kindertagesstätte vorgestellt.

Für rund 2,1 Millionen Euro soll im Riegelsberger Gisorsviertel eine sechsgruppige Kindertagesstätte gebaut werden, hinzu kommen rund 1,6 Millionen Euro für weitere Ausbauarbeiten in Zusammenhang mit der Kita. Allerdings wurde das ursprünglich erstplatzierte Architekturbüro eines Architektenwettbewerbs, das die Kita bauen sollte, nachträglich ausgeschlossen (die SZ berichtete). Wie geht es nun weiter? Mit dem Bau beauftragt wurde jetzt die Püttlinger Arus GmbH. Im Gemeinderat informierte Bürgermeister Klaus Häusle (SPD) über den Beginn der Planungsarbeiten: „Ich hatte vor wenigen Tagen mit der Arus GmbH ein Startgespräch und dabei eine Zeitschiene verabredet, die sehr stramm ist.“ Im Januar möchte Architekt Willi Latz eine Grobplanung erstellen, im Februar müsste der Rat dann über die Trägerschaft entscheiden. Alle bisherigen Kita-Träger in Riegelsberg seien angeschrieben worden. „Wir sind guter Dinge, dass wir die Planungsphase in 2021 abschließen können“, so Häusle.

Das Umsetzen der Bauphase hänge dann aber davon ab, wann die beantragten Fördergelder fließen. CDU und Linke drängten in der Sitzung darauf, dass die Arus GmbH auch den derzeitigen Bolzplatz in ihren Planungen berücksichtigen solle. „Der Gemeinderat wird alles dafür tun, dass der Bolzplatz erhalten oder neu angelegt wird“, betonte Stephan Müller-Kattwinkel (CDU).

Die ARUS GmbH will auf dem Gisorsplatz eine zweigeschossige Kita bauen, die sich an das topografisch anspruchsvolle Gelände – mit einem Höhenunterschied von fünf Metern – anpasst. Auf zwei Ebenen soll sich ein jeweils rechteckiger Baukörper in das Baufeld legen. Während der Baukörper in der Gartengeschoss-Ebene in Ost-West-Richtung orientiert ist, liegt das Erdgeschoss versetzt in Nord-Süd-Richtung auf dem darunterliegenden Geschoss auf. Der Schnittpunkt der beiden Geschosse soll eine offene Halle mit Treppenanlage werden, die über eine großzügige Dachverglasung belichtet wird. Die Halle kann auch als Spielflur genutzt werden.

Der zentrale Zugang zur Kita erfolgt ebenerdig über die Gisorsstraße. Die gesamte Anlage wird barrierefrei erschlossen, daher ist auch ein Aufzug an zentraler Stelle vorgesehen. Die Kita wird neben der zentralen Halle noch vier Gruppenräume, drei Förderräume, zwei Krippenräume, eine Küche, Nebenräume, Pausen- und Besprechungsräume, einen Mehrzweckraum, WCs, eine Technikzentrale, Waschräume und einen Speisesaal enthalten. Dank mobiler Trennwand zwischen Speisesaal und Bewegungsraum kann hier auch schnell ein größerer Veranstaltungssaal entstehen.

Unterdessen gab es auch von zwei Seiten unterschiedliche Anmerkungen zur geplatzten Auftragsvergabe an den ursprünglich erstplatzierten Wettbewerbsteilnehmer, das Stuttgarter „Atelier Coa“, dem insbesondere vorgeworfen wurde, ein früheres Projekt überhöht dargestellt zu haben, tatsächlich aber über keine Erfahrung mit so großen Projekten zu verfügen, was eine Voraussetzung zur Wettbewerbs-Teilnahme war.

Das Linken-Mitglied im Bauausschuss des Gemeinderates, Joachim Schild-Schröder, hauptberuflich Bauingenieur, merkte in einer Presseerklärung an, dass man schon früh an den Angaben von Coa zum genannten Referenz-Projekt gezweifelt habe: „Die vom Stuttgarter Büro vorgelegte Referenz für die Vergabe des Neubaus einer Kita war aus unserer Sicht nicht nachvollziehbar. Die im Internet veröffentlichten Fotos eines DLRG-Heimes in Filderstadt warfen bei uns Fragen auf: Handelt es sich überhaupt um eine Bildungseinrichtung für mindestens zwei Millionen Euro, wie in der Ausschreibung verlangt, um die notwendigen Erfahrungswerte sicherzustellen? Wir haben uns daher bei unseren Kollegen in Filderstadt erkundigt und unsere Befürchtungen bewahrheiteten sich.“ Recherchen der eigenen Fraktion und anderer Ratsmitglieder – gemeint ist insbesondere die CDU-Fraktion – hätten so verhindert, dass die Gemeinde einem „ungeeigneten Architektur-Büro aufgesessen“ ist.

Von der Architektenkammer Baden-Württemberg hat sich Architekt Thomas Treitz, Abteilung für Vergabe und Wettbewerb, zu Wort gemeldet: „Es stellt sich die Frage: warum hat man das erfolgreiche Büro Atelier Coa denn überhaupt zeichnen und gewinnen lassen? Es ist die Pflicht des Auslobers, gegebenenfalls delegiert an den beauftragten Verfahrensbetreuer, die Bewerbungen, die für die Zulassung zum Planungswettbewerb ja ausdrücklich gefordert werden, auch vor dem Wettbewerb zu prüfen.“ Ob „Coa“ sein Referenzprojekt zu hoch bewertet hat, ist kein Thema in der Pressemeldung der Architektenkammer.