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Barrierefreiheit
Rollstuhl im Hallenbad problematisch

Susanne und ihr Ehemann Benno Woll aus Walpershofen. Benno Woll, hier bei einer Übung, leidet seit 2003 an Multipler Sklerose und ist seit zehn Jahren auf den Rollstuhl angewiesen.
Susanne und ihr Ehemann Benno Woll aus Walpershofen. Benno Woll, hier bei einer Übung, leidet seit 2003 an Multipler Sklerose und ist seit zehn Jahren auf den Rollstuhl angewiesen. FOTO: Carolin Merkel
Walpershofen. Noch nicht ganz zufriedenstellend, aber es gibt Verbesserungen, merkte ein Walpershofer Rollstuhlfahrer beim Besuch von Hallenbädern.

Das Walpershofer Ehepaar Susanne und Benno Woll setzt sich für barrierefreie Zugänge von Rollstuhlfahrern in Hallenbädern ein. Im Juli hatten wir über ihre Schwierigkeiten und „Test-Besuche“ berichtet. Im Jahr 2003 hatte Benno Woll von seiner MS-Erkrankung erfahren, seit zehn Jahren sitzt er im Rollstuhl. Gerade die Bewegung im Wasser tut ihm bei seiner Erkrankung gut und ist auch vom Arzt verordnet.



Das einzige barrierefreie Bad im Regionalverband, sagte bei einer Anfrage von Susanne Woll im Juli der Behindertenbeauftragte von Dudweiler, Michael Wagner, sei das in Altenkessel. Aber: Dort hatte es die Familie schon vor Kontaktaufnahme mit der Saarbrücker Zeitung versucht und war bereits an der Umkleide gescheitert. Immerhin: In einem zweiten Anlauf im Juli klappte es schließlich ganz gut. Bis auf zu tiefe Haltegriffe und einem trotz neuem Anstrich in die Jahre gekommenen Lifter, konnte Benno Woll den Schwimmbadbesuch genießen.

Und was hat sich seither in anderen Bädern getan? Das Hallenbad im Püttlinger Trimmtreff Viktoria hat zwar einen Lifter, „doch auf alle anderen Maßnahmen, die einen Besuch mit einem Rollstuhlfahrer ermöglichen, warten wir bisher vergeblich“, sagt Susanne Woll.

Nachgebessert hat inzwischen das Vopeliusbad in Sulzbach. Bei den Wolls ist es jetzt sogar ihre erste Wahl, weil dort endlich alles perfekt sei: „Hier ist nach dem Umbau, der schon Barrierefreiheit bis zum Beckenrand gewährt hat, endlich auch ein Lifter angeschafft worden“, sagt Benno Woll.

Auch außerhalb des Regionalverbandes haben sich die Wolls umgesehen: Im „Blau“ in St. Ingbert „haben uns die Mitarbeiter ganz lieb geholfen, was längst nicht selbstverständlich ist“, sagt Susanne Woll. Zwar endete der erste Besuch unverrichteter Dinge, da es im „Blau“ keine Dusch-Rollstühle gibt, doch beim zweiten Mal, als man den eigenen Dusch-Rollstuhl mitgebracht hat, konnte Benno Woll auch schwimmen gehen. Zudem stellte er erfreut fest: Der Lifter im „Blau“ sei außergewöhnlich gut, ein absolutes Vorzeigemodell: „Er ermöglicht es, dass ein Rollstuhlfahrer, dank spezieller Rollen, in jedes Becken eingelassen werden kann.“ Kleinere Probleme gab es in St. Ingbert mit Türen, die Benno Woll allein nicht öffnen konnte, und auch dort waren die Haltegriffe in der Umkleide viel zu tief. „Wir haben dem Bäderbetrieb eine Mail geschickt und eine ganz nette Antwort bekommen“, sagt Susanne Woll. Und das macht ihr Hoffnung: „Ich glaube, dass sie hier mit einem Rollstuhl und auch hohen Haltegriffen nachbessern werden.“

Das Ehepaar will weiter an der Sache dranbleiben, die Entwicklung in den Bädern verfolgen, auf Probleme aufmerksam machen und sich für Barrierefreiheit im öffentlichen Raum einsetzen – vor allem auf Plätzen und auch bei der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel. „Warum ist es denn nicht möglich, einfach mal einen Rollstuhlfahrer zu Rate zu ziehen? Dann wären vielleicht die Haltegriffe gleich in der richtigen Höhe, die Türen würden automatisch öffnen und schließen, und es gäbe Parkplätze, die auch ein barrierefreies Umfeld hätten“, gibt Benno Woll zu bedenken. Für Rollstuhlfahrer, sagt seine Frau, ist vieles davon absolut erforderlich, doch auch für alle anderen Menschen, die gehbehindert sind oder auch nur einen Kinderwagen schieben, bedeute Barrierefreiheit ein Gewinn an Lebensqualität.