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Rathaus Riegelsberg unter Strom

Riegelsberg. Mit dem Strom aus dem Riegelsberger Rathaus könnte man jedes Jahr über zehn Millionen Scheiben Toastbrot rösten: Die neue Photovoltaikanlage auf dem Dach ist in Betrieb. Eine Hälfte des Stroms fließt direkt ins Rathaus, die andere ins Netz. Viel Lob gab es für die Bürgerenergiegenosenschaft. Fredy Dittgen,Marco Reuther (SZ)

Das Riegelsberger Rathaus nutzt jetzt seinen selbst erzeugten Strom. Wie von uns berichtet, hatte der Riegelsberger Gemeinderat am 25. April einstimmig beschlossen, der Bürgerenergiegenossenschaft Köllertal (BEG) die Erlaubnis zu erteilen, auf dem Rathausdach eine Photovoltaikanlage zu errichten. 400 Photovoltaikmodule sind mittlerweile auf dem Rathausdach installiert worden. Wie die Riegelsberger Grünen jetzt mitgeteilt haben, hat die Anlage bereits am 4. August ihren Betrieb aufgenommen.


Es wird erwartet, dass sie jährlich etwa 80 000 Kilowattstunden (kWh) Strom erzeugt. Laut "Stromspiegel 2016" verbraucht ein Drei-Personen-Haushalt in Deutschland im Schnitt 3800 kWh pro Jahr, demzufolge könnte der "Rathausstrom" etwa 21 solcher Haushalte mit Energie versorgen. Die Hälfte des Stromes vom Rathausdach wird allerdings direkt im Rathaus selbst verbraucht, der überschüssige Teil wird in das öffentliche Stromnetz eingespeist.

Im Eingangsbereich des Rathauses wird noch eine so genannte Visualisierungsanlage in Betrieb gehen. Das ist ein großer Monitor, auf dem jeder über Schaubilder die Ertragsdaten der Photovoltaikanlage sehen kann. Zum Beispiel Daten der Stromproduktion über den Tag, über den Monat und übers Jahr verteilt. Auch Wetterdaten können - eingespeist über das Internet - angezeigt werden, und die Verwaltung kann den Monitor nutzen, um Rathausinfos anzuzeigen, wie etwa Öffnungs- oder Servicezeiten.



Finanziert wurde diese Anlage vollständig über Anteilscheine der BEG, die Anschaffung kostet die Gemeinde somit keinen Cent.

"Vorzeigeprojekt"

Bürgermeister Klaus Häusle nannte die Anlage gestern ein "Vorzeigeprojekt" in dreifacher Hinsicht: Es unterstützt das Klimaschutzkonzept der Gemeinde. Es ist - da im Rathaus platziert - ein Symbol, dass man es mit dem Klimaschutz ernst meint. Und es ist ein Werk von Bürgerbeteiligung und Bürgerengagement. Besonders das Engagement der BEG lobt der Bürgermeister: "Die Zusammenarbeit hat richtig Spaß gemacht."

Um alle Möglichkeiten auszuschöpfen, ist das Vertragswerk ziemlich kompliziert. Es läuft über 20 Jahre und dürfte letztlich auch ein paar Tausend Euro für die Gemeindekasse bringen.

Ralf Waschburger, der Vorsitzende der Riegelsberger Grünen, zeigte sich ebenfalls begeistert von der modernen Anlage: "Sie bringt eine deutliche Verbesserung der CO2-Bilanz", erinnert auch er an das Klimaschutzkonzept der Gemeinde. Viel Lob von den Grünen gibt es auch für die BEG, ohne deren Engagement die Anlage sicherlich nicht hätte gebaut werden können.

Zum Thema:

Hintergrund Das Wort "Photovoltaik" setzt sich zusammen aus "Photos", dem griechischen Wort für Licht, und aus "Volta" nach Alessandro Graf von Volta (1745-1827) - der italienische Physiker gilt als Erfinder der Batterie und als einer der Begründer der Elektrizitätslehre . Eine Kilowattstunde (kWh) ist die Energie, die ein Gerät mit einer Leistung von einem Kilowatt (oder 1000 Watt) in einer Stunde verbraucht oder produziert. Mit einem Kilowatt Energie kann man zum Beispiel 15 Hemden bügeln oder eine 60-Watt-Glühbirne 17 Stunden brennen lassen oder sieben Stunden fernsehen oder 133 Scheiben Toastbrot rösten. (Quelle der Beispiele: Schwarzwald Energy). Da das Riegelsberger Rathaus die Hälfte des auf seinem Dach erzeugten Stroms selbst nutzt, könnte man dort pro Jahr also 5 320 000 Scheiben Brot toasten. red