Zweimal 60 Jahre verheiratet: Paare feiern gemeinsam Diamantene Hochzeit

Zweimal 60 Jahre verheiratet : Paare feiern gemeinsam Diamantene Hochzeit

Heinrich und Marianne Nüttgens haben am 28. April 1958 geheiratet. Hans und Hildegard Fecht trauten sich am gleichen Tag.

„Ich nehme dich zu meinem angetrauten Mann, ich will dich lieben, achten und ehren alle Tage meines Lebens, in guten und in schlechten Zeiten, in Gesundheit und Krankheit. Bis dass der Tod uns scheidet.“ Dieses Eheversprechen haben sich zwei Paare vor 60 Jahren gegeben: Heinrich und Marianne Nüttgens aus der Bergstraße und Hans und Hildegard Fecht aus der Jahnstraße. An diesem Samstag, 28. April, feiern beide Paare ihre Diamantene Hochzeit in einem gemeinsamem Gottesdienst ab 10 Uhr in der Pfarrkirche St. Matthias.

Dass die beiden Ehepaare am gleichen Tag geheiratet hatten, fanden sie zufällig heraus. „Vor zehn Jahren haben wir uns darüber unterhalten, dass meine Frau und ich in Kürze Goldene Hochzeit feiern“, erzählt Hans Fecht. „Heinrich Nüttgens meinte dann, dass das bei ihm genauso sei, und dabei stellten wir fest, dass wir sogar am gleichen Tag geheiratet hatten.“ Das Ehepaar Nüttgens hatte sich im Geburtsort der Braut in Mengen in Württemberg das Ja-Wort gegeben, Ehepaar Fecht im Geburtsort der Braut, in Riegelsberg. Während das Ehepaar Nüttgens bis zu seinem Umzug 1965 nach Riegelsberg in Kaiserslautern und Bad Kreuznach lebte, bezog das Ehepaar Fecht erst einmal eine Wohnung in Dilsburg und zog ebenfalls 1965 nach Riegelsberg.

Kennengelernt haben sich Heinrich und Marianne Nüttgens 1956 über die katholische Zeitschrift „Die Wacht“, die Brieffreundschaften offerierte. Damals arbeitete er als Filmerzieher in der Erzdiözese Köln. Aus der Brieffreundschaft wurde im Laufe der Zeit immer mehr, die beiden trafen sich öfter in Stuttgart, und nach zweieinhalb Jahren läuteten die Hochzeitsglocken. Das junge Paar, damals 28 und 25 Jahre alt, zog nach Kaiserslautern, da Heinrich Nüttgens inzwischen bei Pfaff-Nähmaschinen im Außendienst arbeitete. 1959 wurde Tochter Theresia, 1960 Sohn Ansgar, 1963 Sohn Markus und 1964 Sohn Robert geboren. Die gelernte Kontoristin kümmerte sich nach der Heirat um die Familie, und Ehemann Heinrich machte bei „Pfaff“ Karriere. Als ihm 1965 die Stelle des Verkaufsstellenleiters für das Saarland angeboten wurde, zog die Familie nach Riegelsberg in die Bergstraße. Für Marianne war das anfänglich „am Ende von Deutschland“. „Doch ich wurde schnell heimisch“, sagt die heute 85-Jährige. Mit Stolz kann sie auf die gelungene Laufbahn ihrer Kinder in der Schule und in der Ausbildung blicken. Alle vier haben ihr Glück im Beruf und mit ihren Ehepartnern gefunden. Bis auf den Jüngsten hat es die anderen drei beruflich in die Schweiz, nach Frankfurt und Hamburg verschlagen. Umso schöner, wenn die sechs Enkelkinder sie regelmäßig besuchen.

Heinrich Nüttgens stellte sein Leben neben dem Beruf und der Familie in den Dienst von Kirche und Staat. Seit Kindesbeinen war der heute 88-Jährige in verschiedenen Funktionen in vier Diözesen der katholischen Kirche aktiv. In Riegelsberg war der begeisterte Europäer 1. Vorsitzender des Pfarrgemeinderates in St. Josef, hat Glaubensseminare, Einkehrtage und Martinsfeiern organisiert. Besonders stark engagiert er sich seit 1997 in der Initiative „Hilfe für das Priesterseminar in St. Petersburg“. Viele Jahre war er auch in der CDU aktiv.

Auf ihre nun 60-jährige Ehe blicken beide mit Zufriedenheit zurück. „Mich hat damals das beharrliche Werben Heinrichs um meine Zuneigung fasziniert“, erinnert sich Marianne Nüttgens an die Anfänge ihrer Ehe. „Mich hat das katholische Menschsein von Marianne gerührt und ihre Treue. Sie hat mir den Rücken gestärkt, das Familienleben organisiert“, sagt Heinrich Nüttgens. Die vielen Urlaube in ganz Europa und die Zeit mit den Kindern und Enkel sind für beide die schönsten Erinnerungen.

Auch für Hans und Hildegard Fecht sind die vielen gemeinsamen Stunden mit ihren Kindern und Enkeln das Beste, was ihnen im Leben passieren konnte. Kennengelernt haben sich beide auf einem Faschingsball in Dilsburg im legendären Gasthaus Scherer 1955. „Es hat sofort bei uns gefunkt“, schwärmen beide, als wäre es gestern gewesen. „Wir haben drei Jahre poussiert, und als wir dann endlich in Dilsburg eine gemeinsame Wohnung gefunden hatten, konnten wir heiraten“, erzählt der heute 87-Jährige.

„Über ein Vierteljahr haben Hans und mein Vater die Dachgeschosswohnung renoviert. Als alles schön tapeziert und gestrichen war, sagte Hans: ’Jetzt ist deine Puppenstube bezugsfertig’“, erinnert sich die heute 86-Jährige. Die beiden Kinder Christine und Hans-Peter kamen 1959 und 1963 auf die Welt. Auch bei Familie Fecht kümmerte sich Hildegard um den Haushalt und die Kinder, Hans sorgte als Schriftsetzer dafür, das sich die Familie schon bald in der Jahnstraße ihr eigenes „Heim“ schaffen konnte. „Ich habe immer gerne gearbeitet, es ist mir nie schwer gefallen, schließlich wollte ich schnell die Schulden für unser Haus loswerden“, sagt Hans Fecht. Wann immer es möglich war, half er seiner Frau bei der Kindererziehung. „Sonntags bin ich mit dem Kinderwagen durch Riegelsberg, was viele meiner Zeitgenossen irritierte, ich fand es aber herrlich, Zeit mit meinen Kinder zu verbringen.“

Ehepaar Nüttgens bei der Hochzeit am 28. April 1958. Foto: mj
Noch heute ein Herz und eine Seele: Hans und Hildegard Fecht haben sich 1955 auf einem Faschingsball in Dilsburg im Gasthaus Scherer kennengelernt. Das Paar hat zwei Kinder und zwei Enkel. Foto: Monika Jungfleisch
Ehepaar Fecht bei der Hochzeit am 28. April 1958. Foto: mj

Was Hans an seiner Hildegard besonders schätzt, ist ihre Kochkunst. „So gut wie bei ihr kann man in keinem Restaurant essen“, schwärmt der begeisterte Philatelist, der viele Auszeichnungen mit seinen Briefmarken eingeheimst hat. Hildegard schätzt an Hans seine gute Manieren, dass er kein Hallodri war, sondern immer zuverlässig, treu, korrekt und ausgleichend an ihrer Seite stand. „Wir haben uns von Anfang an sehr lieb gehabt“, sagen beide. Gerne blicken sie auch auf die vielen gemeinsamen Wanderungen durch die Natur zurück. Für die Zukunft wünschen sie sich, dass sie noch lange zusammen bleiben und die gemeinsame Zeit mit ihren Kindern samt der beiden Enkel Monika und Andreas genießen können.

Mehr von Saarbrücker Zeitung