Nichts geht über Bewegung

Mit Wille, Ausdauer und Fleiß hat es der frühere Vize-Präsident des saarländischen Sozialgerichtes, Jakob Lang, vom Stubenhocker zum international erfolgreichen Ultraläufer gebracht. In einem Laufbuch schildert er die wichtigsten Etappen – kein Ratgeber, sondern Literatur.

Vielleicht nicht der schlechteste Grund, mit dem Laufen anzufangen und bei der Stange zu bleiben: Es kommen derart viele Erfolgserlebnisse, Erfahrungen und Begegnungen mit interessanten Menschen zusammen, dass sich daraus ein bebildertes Buch schreiben lässt. So hat auch der Riegelsberger Jakob Lang zum 75. Geburtstag im letzten Jahr sein 25 Jahre währendes Lauf-Lebenswerk für sich und die Weggefährten aufgeschrieben: "Vom Stubenhocker zum Freizeitjogger, vom Wettkampfsportler zum Ultra-Rekordler" heißt es und fasst im Titel gut zusammen, wie es der gelernte Landwirt und spätere Vize-Präsident des saarländischen Sozialgerichtes mit der körperlichen Ertüchtigung hielt.

Sein Arzt in der Saarbrücker Kaiserstraße hatte ihm nach Herzrumpeln nicht die gewünschten Tabletten, sondern ein Bewegungstrainingsbuch verschrieben. Späteinsteiger Jakob Lang merkte, dass er Spaß am Laufen haben könnte, fand Lauftreffleiter, die ihn mit Zuckerbrot und Peitsche in die Gänge brachten und war bei den ersten Wettkämpfen über zehn Kilometer so gut, dass bald schon die Eigenmotivation als Treibstoff ausreichte. Mit Fleiß, Willen und Ausdauer schaffte es Jakob Lang dann in den Altersklassen 55 bis 75 auf der Marathonstrecke in die regionale Spitze und im Ultralaufen - 100 Kilometer bis 24 Stunden - sogar in die internationale Elite. In der Altersklasse M 70 hält er den deutschen Rekord im Zwölf-Stundenlaufen: 100,791 Kilometer.

Außer in den Schlussbemerkungen, in denen der ausgebildete Kneipp-Bewegungstrainer Jakob Lang Beinwell- und Wasserguss-Anwendungen empfiehlt, verzichtet das Buch auf Ratschläge. Es ist vielmehr beherzte Selbsterfahrungs- und Anekdotenliteratur eines wachen, umgänglichen Menschen, der seinen als zu dick und bewegungsarm empfundenen Zeitgenossen den Nutzen der Bewegung zeigen möchte.

Der bekennende Christ Jakob Lang gewährt auch Einblick in seine schwachen Momente, etwa als ihn der Tod seiner ersten Frau aus den Schuhen warf. Und besonders gut ist er, wenn er, wie schmunzelnd neben sich stehend, scheinbar Belangloses mitteilt: wie er seinen ersten Hundebiss überstand, wie er von einem Straßenverkäufer nach einem Marathon geherzt wurde und wie ihn bei einer riesigen Nudelparty vor einem Wettkampf die Überzeugung beschlich, dass eine einzige dieser Zusammenkünfte mehr für die Völkerverständigung erreicht als ein Politiker im ganzen Leben.

Jakob Lang: Vom Stubenhocker zum Freizeitjogger, vom Wettkampfsportler zum Ultra-Rekordler. Erschienen ist das Buch mit vielen Fotos bereichert in der Edition Winterwork, 326 Seiten, 14,90 Euro.