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Nach Protesten: Abwarten am Auerbach in Riegelsberg

Wohnungsmangel lindern oder Naturschutz : Nach Protesten: Abwarten am Auerbach

Ursprünglich war die Kommunalpolitik mehrheitlich für das Wohngebiet, jetzt gibt es Bedenken und Prüf-Vorschläge.

Am Auerberg will ein Anlieger auf seinem etwa 10 000 Quadratmeter großen Grundstück, das seit Jahrzehnten als Grünfläche mit Feuchtbiotop und großen Karpfenteich genutzt wird, elf Einfamilienhäuser und zwei Mehrfamilienhäuser bauen. Die beiden Mehrfamilienhäuser sollen je acht Wohnungen haben. Dagegen regt sich jedoch massiver Widerstand von Anwohnern, die unter anderem befürchten, dass Bodenerschütterungen durch schwere Baufahrzeuge die Stabilität des Untergrunds beinträchtigen. Auch drohe eine eventuelle Kostenbeteiligung bei späteren Straßensanierungen (die SZ berichtete).

Zudem liegt das Baugelände an einem Steilhang, der seit Jahren in Bewegung ist, weshalb er von einer sehr großen Stützmauer abgefangen wird. Deren Belastbarkeit wird nun von den Anwohnern in Frage gestellt. Bereits in den 1980-er Jahren wurde versucht die Wohnbebauung am Auerberg zu erweitern, doch damals lehnten die Behörden das Baugesuch ab. Es gab sogar einen Rechtstreit, der damit abschloss, dass der Gemeinde auferlegt wurde, jedes Jahr per Gutachten zu prüfen, ob und wie der Hang rutscht.

Wegen der Bürgerproteste folgte der Gemeinderat dem Vorschlag der Verwaltung auf einer Erweiterung des Wohngebietes Am Auerberg vorerst nicht und vertagte die Entscheidung. Vor den Protesten hatte es noch nach einer Zustimmung der Fraktionen ausgesehen.

Was sagen die Fraktionsvorsitzenden jetzt? Stephan Müller-Kattwinkel (CDU) erklärte, man sei zwar für neuen Wohnraum, doch man müsse die Belange des Investors und die Ängste der Anwohner in Einklang bringen – was schwierig sein dürfte, wenn eine Seite etwas möchte was die andere Seite verhindern will.

Müller-Kattwinkel wies daraufhin, dass das jährliche Gutachten seit 1993 nicht mehr erstellt worden sei. „Deshalb wissen wir nicht, ob der Hang noch hält“, sagte er. Frank Schmidt (SPD) sagte, auch die SPD sei für Neubaugebiete, „aber nicht um jeden Preis.“ Rechtlich müsse alles in Ordnung sein, so Schmidt. Außerdem habe man eine neue Information erhalten, dass sich ein Haus in der Saarbrücker Straße gesenkt habe, weil der Hang am Auerberg rutsche.

Die Grünen betonten, dass das Planungsgebiet laut Klimakarte des Regionalverbandes Saarbrücken Teil einer Frischluftschneise sei und dem Kaltluftausgleich diene. Auch die Wasserproblematik bei Starkregen sei ein nicht zu unterschätzender Faktor. Deshalb müsse zunächst einmal ein Starkregen- und Hochwasservorsorgekonzept speziell für das Einzugsgebiet des Mäusbachs, zu dem auch der Auerberg gehört, erstellt werden.

 Stephan Müller-Kattwinkel   Foto: dg
Stephan Müller-Kattwinkel Foto: dg Foto: Fredy Dittgen
 Frank Schmidt   Foto: dg
Frank Schmidt Foto: dg Foto: Fredy Dittgen
 Hans Jürgen Markowsky   Foto: dg
Hans Jürgen Markowsky Foto: dg Foto: Fredy Dittgen

Ein starkes Argument gegen eine weitere Bebauung des Auerbergs bestehe für die Grünen zudem darin, dass das Planungsgebiet außerhalb der Ortsbebauung liege: „Wenn hier eine Baugenehmigung erteilt wird,“ so Hans Jürgen Marowsky, „öffnet man Tür und Tor für eine Zersplitterung der Ortsbebauung.“