Mit 23 ein Internet-Routinier

Rollerfahrer schrauben selbst – das erkannte Ersatzteilhändler Kevin Martin schon als Realschüler. Sein Internet-Versandhandel läuft profitabel. Und neuerdings bedient der Chef sogar persönlich im ehemaligen Supermarkt in Walpershofen.

Kevin Martin aus Püttlingen ist erst 23 Jahre alt, aber schon ein alter Haudegen im Internet-Handel. Mit nur 16 Jahren hatte er als Realschüler , was damals Aufsehen im Land erregte, seine Firma "Scooter-Garage.com" gegründet, ein Ersatzteil-Versand für Motorroller mit 50 Kubikzentimetern Hubraum. Mit ganz wenigen Standard-Artikeln hatte der Jugendliche seinerzeit begonnen. Heute führt er ein festes Sortiment von 3000 Artikeln für die gängigsten Rollermodelle, Ersatzteile, Reifen, Tuning- und Stylingprodukte.

Der Markt sei "enorm", ist der Unternehmer immer noch von seiner Gründungsidee überzeugt. Anders als bei Autos, deren Reparaturen meist von Fachpersonal ausgeführt werden müssten, seien Roller simpel gebaut. Jeder könne Verschleißteile selbst wechseln und Kleinigkeiten reparieren. Deshalb sei jeder Rollerbesitzer auch ein möglicher Schrauber und damit Kunde seines Ersatzteilhandels.

Der funktiniert nach Worten seines Chefs, der inzwischen Fachkraft für Lagerlogistik mit Gesellenbrief ist, nicht über den Preis, sondern über die Güte und Passgenauigkeit seiner Ware. Auf den Punkt gebracht: Was er verkauft, das sitzt auch. Während Internet-Versandhandlungen oft Rücksende-Quoten von 30 bis 60 Prozent haben (und daher kaum etwas verdienen), machen bei Kevin Martin die Rückläufer nur ein bis zwei Prozent des Geschäftes aus.

Mittlerweile freut sich der Jungunternehmer über etwa 30 000 Bestellungen im Jahr. Das Geschäft wächst, und so hat der Chef es nun auch vergrößert. Die Scooter-Garage ist vom kleinen Köllerbacher Lager ins ehemalige Lebensmittelschäft in Walpershofen am Kreisel umgezogen. Dort hat Martin vier Mal so viel Platz wie vorher und bedient stundenweise auch noch Kunden stationär in einem Verkaufsraum. Üblicherweise findet man im Handel eine umgekehrte Entwicklung: Läden gehen ins Netz. Hier kommt E-Commerce zu den Leuten.