Lino springt gut - wenn er will!

Pferde tun es. Hunde tun es. Und Osterhasen - Verzeihung Kaninchen! - tun es auch. Na ja, meistens. Beim Kaninhop geht es über kleine bunte Hindernisse. Eine kurzweilige Beschäftigung für das Kaninchen. Und ein Spaß auch für den Mensch, der mit seinem Tier an der Leine mitläuft.

Riegelsberg/Bildstock. Es war einmal ein hübsches Rasse-Kaninchenmädchen. Das büxte eines Tages aus und traf auf ein feuriges Wildkaninchen. Beide verbrachten schöne Stunden miteinander. Dann hoppelte das Kaninchenmädchen wieder heim. Zwei Generationen weiter gibt es Lino, inzwischen drei Jahre alt, so um die vier Kilo schwer. Und immer noch ein Viertel Wildkaninchen. Lino wohnt in Riegelsberg bei seiner Besitzerin Sophia Schneider (16). Die beiden gehören zur Kaninhop-Gruppe beim Kaninchenzuchtverein SR 26 Wahlschied. Da es dort keine Trainingsmöglichkeit gibt, kommen auch Lino und Sophia sonntags zur Übungsstunde ab 11 Uhr auf das Gelände des SR 34 Merchweiler, zu den Tränken. Die Merchweiler nehmen die Wahlschieder gern auf, sagt die 2. Vorsitzende Elke Stoll (68). Das Vereinsleben mit 30 Mitgliedern ist rege: "Auf der Anlage ist immer was zu tun, um sie in Schuss zu halten", sagt der 1. Vorsitzende Jörn Weich (31) aus Bildstock. Da trifft man sich auch mal zum Streichen, zum Kaffee und organisiert ein Sommerfest.Bei unserem Besuch hat Sophia in der Springstunde noch drei weitere Turnier-Kaninchen dabei: Balu (Blauer Wiener Mischling), Zwergkaninchen Nelly und Hasenkaninchen (gibt es wirklich!) Skibby. Kaninhop hat Sophia im Internet entdeckt: "Und ausprobiert, weil ich Beschäftigung für meine Tiere gesucht habe."

"Jedes Kaninchen kann springen und tut es auch", stellt Kaninhop-Gruppenleiter Sigbert Wahlster fest, ein Merchweiler mit Wahlschieder Wurzeln. "Und wenn es nicht springen will, dann springt es eben nicht." Elf Kinder und Jugendliche hat der 68-Jährige in seiner Gruppe. Vielleicht, so mag Wahlster hoffen, findet der eine oder die andere später mal den Weg in die Zucht. Denn Nachwuchs fehlt auch den Kaninchenzüchtern.

Lino ist gerade im lila Geschirr und an der orangenen Leine mit Sophia auf dem Rasen über kleine bunte Hindernisse unterwegs. Auch ein Rammler will sich ja für die Zeitung ins rechte Bild setzen. "Lino ist ein guter Springer", sagt Sophia. "Aber manchmal auch faul und nicht so zuverlässig." Heißt also übersetzt: Macht, was er will. Na ja, denken wir, eben ein Viertel Wildkaninchen. Aber müssen muss hier sowieso kein Kaninchen etwas. Kurzweiliger Zeitvertreib soll es sein, für Zweibeiner und Vierpfoten.

Kaninhop kennt als Hauptdisziplin die so genannte gerade Bahn: Auf Lino, der in der mittelschweren Klasse unterwegs ist, warten mindestens zehn Sprünge mit einer maximalen Höhe von 35 Zentimetern und einer maximalen Weite von 40 Zentimetern im Abstand von zwei Metern. "Im Turnier läuft man die Bahn zweimal", erzählt Sophia. "Bei Fehlergleichheit entscheidet im zweiten Lauf die Zeit."

Angefangen hat Sigbert Wahlster mit dem Kaninhop 2010. In Merchweiler kann er mit seiner Gruppe im Sommer und Winter trainieren. Auf der Wiese unter freiem Himmel oder unter überdachter Bahn.

Und was braucht es zum Kaninhop außer einem Kaninchen? Als Hilfsmittel Geschirr, Leine und Leckerli schreiben die Wahlschieder Kaninhopper auf ihrer Homepage (www.kaninhop-saarland.jimdo.com ). Leckerli sind Bananenchips, Apfelringe, in geringen Mengen auch Knäckebrot, Brokkoli und anderes Gemüse, wissen die Experten.

Stichwort

Kaninhop bezeichnet eine Sportart, bei der das Kaninchen über kleine Hindernisse springt, während sein Begleiter es an einer Leine führt.

Im Kaninhop gibt es bei Turnieren verschiedene Klassen, um die Kaninchen nach ihrer Leistungsstärke auch gegeneinander springen zu lassen. cle