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Line-Dancer tanzen in Riegelsberg dem Weltrekord entgegen

Riegelsberg : 434 Line-Dancer auf dem Weg zum Weltrekord

Am Montagabend tanzte der Riegelsberger Markt zu Country-Musik in einer Reihe. Reicht das für den Eintrag ins Guinness-Buch?

Schritt, Schritt, Side-Touch, Step-Turn, Shuffle und Klatschen –  434 Line-Dancer tanzen am vergangenen Montag in Riegelsberg dem Weltrekordversuch entgegen. Rund 300 Tänzer strebte die Gemeinde für den Weltrekord an und rührte öffentlich dafür die Werbetrommel.

Hunderte Line-Dance-Fans sind dem Aufruf gefolgt – und das nicht nur aus dem Saarland: sondern auch aus Luxemburg, Frankreich und Rheinland-Pfalz. Kein Wunder, denn: „Line-Dance hat eine große Fan-Gemeinde weltweit“, sagt Christiane Rau. Egal wohin man fahre oder fliege, in jedem Land könne der Line-Dancer automatisch mitmachen. Die Ottweilerin tanzt nun seit fast vier Jahren und traniert mit ihrem Verein „Line Dance Miracles“ drei Mal die Woche. Sie beherrscht rund 200 Tänze – von tausenden weltweit bekannten, sagt sie.

Die Faszination hinter dem Tanzen in einer Linie: „Man braucht nicht zwingend einen Partner“, sagt Rau und fügt hinzu: „Alle können mitmachen, egal ob jung oder alt. Das ist das Tolle daran.“

In Country-Stiefel, Karohemd und Westernhut gekleidet, geht es dann auch direkt wieder zurück in die Linie, der nächste Tanz steht an. Viele Line-Dancer haben sich dem Event entsprechend angezogen. Vor allem Cowboy-Hüte und Hemden stechen heraus – in allen Farben. Oftmals bedruckt mit Vereinsnamen und Logo. „Hut und Hemd gehören dazu. Der Westernhut sieht dabei nicht nur gut aus, er schützt auch vor der Sonne“, erklärt Rau und lacht.

Wenige tragen auch extravagantere Kleidungsaccessoires wie beispielsweise den Bolotie – den Westernschlips, der aus einem Stück Schnur besteht, das von einer dekorativen Brosche oder Spange zusammengehalten wird.

Neben nur wenigen jungen Leuten lockt die Tanzveranstaltung im Freien vor allem die ältere Generation nach Riegelsberg. Kein Wunder sagt Rau, denn „Jugendliche können mit Country-Musik nur wenig anfangen“.

Eine Ausnahme ist der 16-jährige Bastian Bernhard aus Waldmohr. Seit rund fünf Jahren tanzt er Line-Dance. Seine Oma habe ihn auf den Geschmeck gebracht, sagt er. Scheinbar liegt das Line-Dance-Fieber in der Familie, denn seine Oma ist die Line-Dance-Lehrerin Pia Blum, die die Veranstaltung mitorganisiert hat.

Aus dem anfänglichen Zeitvertreib ist für den Jugendlichen nun eine Art Leidenschaft geworden. Sein Ziel: Irgendwann selbst einen Line-Dance-Kurs leiten. Derzeit ist das jedoch noch nicht möglich, denn Bastian ist minderjährig. In weniger als zwei Jahren darf er jedoch vorne stehen und die Line-Dancer motivieren: „An dieser Tanzart gefallen mir vor allem die einzelnen Schrittabfolgen und andere begeistern zu können.“

Dass Line-Dance in der Öffentlichkeit eher einen altmodischen Ruf hat, kann der 16-Jährige nicht nachvollziehen. „Es gibt auch anspruchsvolle Tänze mit vielen Drehungen und langen Schrittkombinationen“, sagt er. Beispielsweise zum bekannten Hit Footlose aus dem gleichnamigen Film. Außerdem werde nicht auschließlich auf Country-Musik getanzt. Line-Dance gehe auch auf Hip-Hop oder Electronic-Musik – zum Beispiel den Dance-Song „Fantasy Girl“ von Johnny O, den viele noch aus ihrer Jugend kennen.

„Damals habe ich zusammen mit anderen in Diskotheken auf diesen Song getanzt und wusste gar nicht, dass das Line-Dance ist“, erinnert sich Rau. Auch heute noch ist die Schrittfolge vielen Nicht-Line-Dancern bekannt. Und als die Countryband „Wild West“ aus Kaiserslautern kurz pausiert und der Song Fantasy Girl aus den Lautsprechern dröhnt, stürzen auch Zuschauer auf den Markt, um sich den Tänzern anzuschließen und lauthals mitzusingen. Dann geht es minutenlang mehrmals, der selben Schrittkombination folgend um die eigene Achse. Auch abseits des Marktes wird fleißig mitgetanzt.

„Line-Dance macht Spaß, jeder kann mitmachen und man lernt viele neue Leute kennen“, sagt Ursula Lei aus Kirkel. Sie tanzt seit etwa acht Jahren und hat nicht nur die sozialen Vorteile des Tanzstiles für sich erkannt, sondern auch die gesundheitlichen. Vor etwas mehr als drei Jahren gründete sie die Line-Dance-Gruppe „Fibro Linedance“, um Menschen mit Fibromyalgie etwas Lebensfreude zurückzugeben. „Das Tanzen macht nicht nur Spaß, es fördert die Konzentration und senkt die Schmerzen“, sagt sie. Nicht jeden Tanzschritt könnten die Vereinsmitglieder mitmachen, erklärt sie: „Hüpfen und Springen gehen nicht.“ Das ist jedoch kein Problem. Die Schritte werden dann einfach abgeändert, sagt sie.

 Line-Dancer der Vereine „Line Dance Miracles“ und „High Valley Linedance“ haben sich zusammen mit Tanzlehrerin Pia Blum für den Abend in Schale geworfen: Western-Stiefel, Karohemd und Cowboyhut gehören dazu.
Line-Dancer der Vereine „Line Dance Miracles“ und „High Valley Linedance“ haben sich zusammen mit Tanzlehrerin Pia Blum für den Abend in Schale geworfen: Western-Stiefel, Karohemd und Cowboyhut gehören dazu. Foto: Stephanie Schwarz
 Der 16-jährige Bastian Bernhard war einer der jüngsten Teilnehmer des Weltrekordversuchs in Riegelsberg. Zusammen mit seiner Oma, Pia Blum, leitete er am Montagabend einen Line-Dance-Workshop.
Der 16-jährige Bastian Bernhard war einer der jüngsten Teilnehmer des Weltrekordversuchs in Riegelsberg. Zusammen mit seiner Oma, Pia Blum, leitete er am Montagabend einen Line-Dance-Workshop. Foto: Stephanie Schwarz

Am Ende des Abend verkündet Bürgermeister Klaus Häusle dann endlich die Teilnehmerzahl: 434 Line-Dancer tanzen seit drei Stunden für den Weltrekord. Einem Eintrag ins Guinness Buch der Rekorde sollte also nichts mehr im Wege stehen. Aber erst muss der Rekord von Guinness World Records anerkannt werden. Wie lange das dauert? „Keine Ahnung“, sagt Blum. „Es könnten bis dahin Wochen oder Monate ins Land ziehen. Wir wissen es nicht.“