Lieder für mehr Menschlichkeit

Mit Liedern, die sich mit Themen wie Mobbing oder Rassismus befassen, trat die Schülergruppe Farbenblind auf Einladung des Kulturvereins im Riegelsberger Haus Gabriel auf. Förderer des Projektes ist Musical-Komponist Frank Nimsgern.

Schalke-Star Kevin Prince Boateng, der am Samstag zum Bundesliga-Gastspiel in seine Heimatstadt Berlin zurückgekehrt war, stand am gleichen Tag auch beim Eröffnungslied der jungen Gesangsgruppe Farbenblind im Vier-Jahreszeiten-Saal in Riegelsberg im Mittelpunkt. Denn die Karriere des südafrikanischen Nationalspielers steht auch für das, was die aus dem zehn Jahre alten Projekt "Schule ohne Rassismus, Schule ohne Gewalt" entstandene Gruppe ausmacht. "Boateng hat einmal fast einen Spielabbruch provoziert, weil er sich als Farbiger von den Affenlauten von der Tribüne diskriminiert fühlte", so Burkard Jellonek vom der Landeszentrale für politische Bildung, die für die Projekte verantwortlich ist.

Und so handeln auch viele Lieder von Farbenblind, die auf Einladung des Kulturvereins Riegelsberg musizierten, von Konflikten wie Mobbing und Diskriminierung wegen Herkunft, Hautfarbe oder Homosexualität. Angefangen hatte alles mit einem Casting im Saarbrücker Rathausfestsaal vor drei Jahren. Neun Sängerinnen und Sänger waren es ursprünglich. Heute bilden die Sängerinnen Jennifer Issa, Sarah Hamm, Viviane Milioti, Julia Salm und Leonie Holz die Gruppe Farbenblind sowie Sänger Kay Ludwig.

Von Anfang an mit dabei ist der saarländische Komponist Frank Nimmsgern, der Farbenblind einige Titel auf den Leib geschrieben hat und einige seiner Snowwhite-Melodien zur Verfügung stellte. Nicht der einzige prominente Musiker, der Farbenblind hilft: "Heinz-Rudolf Kuntze hat uns seinen Titel ,Alles Haben' überlassen", so Jellonek. Klar dass es den Titel auch am Samstagabend zu hören gab. Auf der Farbenblind-CD ist der auch zu finden.

Im Farbenblind-Projekt waren aber vor einigen Monaten auch Texter aus der Schülerschaft gefragt, und die besten drei Texte wurden vertont. Nämlich die der drei Sieger Sead Türk "Ich wünschte", Denise Klos "And she cried" und Johanna Feick "Sag mir warum". In letzterem hat die Gymnasiastin des Völklinger Marie-Luise-Kaschnitz-Gymnasiums die Probleme des Mobbings verarbeitet. Die Homburger Saar-Pfalz-Gymnasiastin Denise Klos hat über die Schwierigkeiten einer lesbischen Liebe geschrieben und Sead Türk hat einfach seinen Wunsch "die ganz Welt wäre farbenblind" in Worte gefasst.

Auch Lieder, die nicht auf ihrer CD sind, hatten die Farbenblind-Jugendlichen am Samstag im Gepäck. So sang Sarah Hamm die Ballade "Read all about it" und Rockröhre Julia Salm "Halo". Schade nur, dass noch nicht einmal 30 Zuhörer zum Konzert gekommen waren. Dennoch meinte der Vorsitzende des Kulturvereins, Roland Recktenwald: "So etwas wie Farbenblind ist genau das, was der Kulturverein unterstützen will."

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