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Sieben Jahrzehnte für den Chor
Leo Grün singt seit 70 Jahren in Chören

Walpershofen. Kreischorverband ehrte den gebürtigen Engelfanger, der an diesem Donnerstag seinen 88. Geburtstag feiert. Von Fredy Dittgen

Leo Grün wurde am 21. Dezember 1929 im heutigen Köllerbacher Ortsteil Engelfangen geboren. „Meine gute Stimme ist mir angeboren“, erzählt er im Gespräch mit der Saarbrücker Zeitung, denn schon sein Vater Leo war ein gefragter Bassist im katholischen Kirchenchor Köllerbach. „Mein Vater hat mir schon früh gesagt, Bub, du sollst mal ein großer Sänger werden. Und das wurde ich. Ich bin fast zwei Meter groß“, sagt Leo Grün schmunzelnd. Mit 18 Jahren schloss er sich dem katholischen Kirchenchor Köllerbach an, mit 24 stieg er auch beim Saarquartett Saarbrücken ein, damals die Nummer Eins unter den saarländischen Männerchören. Dem Saarquartett blieb Grün 25 Jahre lang treu. Parallel dazu sang er noch bei den Saarsingers, einem Ableger des Saarquartetts, der sich im Bereich Musical auszeichnete. Und von 1975 bis 1990 schloss sich Grün noch dem Saarknappenchor an. Außerdem unterstützte er mit seinem Bass-Bariton bis 2010 den Männerchor Köllerbach und sang von 2000 bis 2010 im saarländischen Kammerchor. Damit  nicht genug: in den 1970er Jahren nahm er zwei Jahre lang privaten Gesangsunterricht beim damaligen Kammersänger Hans Richrath und trat in der Folge bei Liederabenden und Konzerten als Solist auf. Was hat Leo Grüns Leidenschaft fürs Singen geweckt? „Ich arbeitete anfangs als Starkstrommonteur bei Siemens. Bei einer Montagetätigkeit im Stadttheater habe ich den Proben zugeschaut und fand es faszinierend, wenn ein Sänger auf der Bühne auftrat. Da fing die Liebe an“, erinnert er sich. Nach seiner Heirat war Leo Grün nach Herchenbach gezogen, wo er auch heute noch wohnt. Da Ehefrau Irene eine Walpershoferin war, schloss sich Ehemann Leo 1985 auch noch dem Männerchor Walpershofen an, dem er bis heute treu geblieben ist. „Ich habe zeitweise in drei Chören gleichzeitig geprobt und gesungen“, schmunzelt er. Man könnte meinen, er hätte gar keine Zeit mehr für andere Dinge gehabt. „Dem ist nicht so“, betont Grün. So arbeitete er nach seiner Siemens-Zeit bis zu seiner Pensionierung bei Saarberg als Kraftwerksi­ngenieur, und in seiner Freizeit widmet er sich bis heute intensiv der Gartenarbeit. Leo Grün denkt gerne an die vielen schönen Erlebnisse als Sänger zurück: „Mit Gesang habe ich die Welt erfahren.“ So machte er mit seinen Chören Reisen nach Ungarn, Georgien, Frankreich, Italien, Slowenien oder in die Schweiz, trat in Brasilien, Wales, England und Russland auf. Leo Grün hofft, noch lange mit seinem Chor auftreten zu können, obwohl der Männerchor Walpershofen unter Nachwuchsmangel leidet. „Es gibt viele junge Leute, die gerne singen. Aber sie gehen nicht mehr in Männerchöre, die dort gesungene Literatur spricht sie nicht an“, bedauert Leo Grün.