| 20:33 Uhr

KV Riegelsberg unterliegt ASV Urloffen
Chancenlos zu sein gehört zum Lernprozess

Der erst 15 Jahre alte Paul Riemer vom KV Riegelsberg (oben) hat in der Klasse bis 57 Kilogramm im griechisch-römischen Stil gegen Aleksander Mirchev vom ASV Urloffen keine Chance. Nach einem Ausheber mit Überwurf ist der Kampf nach nur 54 Sekunden vorbei. Mirchev siegt technisch überlegen.
Der erst 15 Jahre alte Paul Riemer vom KV Riegelsberg (oben) hat in der Klasse bis 57 Kilogramm im griechisch-römischen Stil gegen Aleksander Mirchev vom ASV Urloffen keine Chance. Nach einem Ausheber mit Überwurf ist der Kampf nach nur 54 Sekunden vorbei. Mirchev siegt technisch überlegen. FOTO: Andreas Schlichter
Riegelsberg. Das Ringen hat ihm Papa Frank in die Wiege gelegt: Paul Riemer schnuppert seit dieser Saison beim KV Riegelsberg Bundesliga-Luft. Der 15-Jährige weiß, dass er gegen viele Gegner – noch – keine Chance hat. Von Patric Cordier

Eigentlich ist Paul Riemer ein ganz normaler Junge. Der 15-Jährige besucht die Gemeinschaftschule in Riegelsberg. Er spielt gern Fußball und ist mit seinen Kumpels auch mal in Saarbrücken unterwegs. Doch seit dieser Saison ist Riemer auch Bundesliga-Ringer. Auch am Samstag bei der 11:22-Heimniederlage seines KV Riegelsberg gegen den ASV Urloffen stand er auf der Matte. „Es ist immer ein tolles Gefühl, in der höchsten deutschen Klasse kämpfen zu dürfen“, sagt der 15-Jährige. Er ergänzt aber auch: „Doch es gibt halt viele Gegner, gegen die ich keine Chance habe – noch.“


Riemer startet in der Klasse bis 57 Kilogramm. Eigentlich ist er Freistil-Ringer. Am Samstag stellte er sich in den Dienst der Mannschaft, trat im griechisch-römischen Stil an. Sein Gegner, der Bulgare Aleksander Mirchev, ist einer der vielen starken Ausländer in der Bundesliga in dieser Gewichtsklasse. Nach 54 Sekunden war alles vorbei. Noch ein Ausheber mit Überwurf. Dann hatte Mirchev den Kampf technisch überlegen für sich entschieden.

„Es ist auch ein Teil des Lernprozesses. Ringen ist zwar eine Einzelsportart, aber gerade die jungen Athleten müssen auch lernen, dass man für die Mannschaft arbeiten muss“, sagt KV-Trainer Edgar Paulus: „Paul ist ein fleißiger Sportler, sehr wissbegierig. Er versucht in jedem Training dazuzulernen.“ Und nicht nur da. „Ich schaue mir oft Kämpfe im Internet an, versuche daraus zu lernen und mir gewisse Dinge von den Weltklasse-Athleten abzuschauen. Gerade die WM in Budapest habe ich sehr aufmerksam verfolgt“, erzählt Riemer.



Dass Talente durch den frühen Einsatz in der Bundesliga überfordert – ja wie in Riemers Fall durch den stilartfremden Einsatz vielleicht sogar verheizt werden –, befürchtet Paulus nicht: „Wir haben ein ganz wachsames Auge darauf. Wir sehen das Problem, aber wir haben die Trainingssteuerung dementsprechend angepasst.“ Die Athleten vertrauen auf Paulus’ Erfahrung. „Edgar beschäftigt sich intensiv mit jedem einzelnen Sportler“, lobt Riemer seinen Trainer: „Er findet immer die richtigen Worte, dich zu motivieren.“

2016 war Riemer deutscher Vize-Meister der B-Jugend, 2017 und 18 bei den A-Jugendlichen jeweils Dritter. Ringen ist bei den Riemers Tradition. „Mein Papa Frank hat auch gerungen, gehörte sogar zur Nationalmannschaft. Auch er war Freistil-Ringer. Aber ob ich mich deshalb dafür entschieden habe, kann ich garnicht sagen. Freistil macht mir einfach mehr Spaß. Es gibt so viele Techniken. Meine Lieblingstechnik ist der doppelte Beinangriff. Da kann ich meine Schnelligkeit so richtig ausspielen“, erzählt der 15-Jährige.

Riemer ist ein ruhiger Typ. Erst wenn er etwas warm geworden ist, beginnt er zu erzählen. Dann redet er auch von den sportlichen Zielen. „Natürlich würde ich gerne mal deutscher Meister werden oder bei einer Europameisterschaft teilnehmen“, sagt der Gemeinschafts-Schüler. Er weiß genau, woran er dafür noch arbeiten muss: „Es gibt immer und überall Möglichkeiten, sich zu verbessern. Aber ich denke aktuell sind es vor allem Kraft und auch die Taktik in der Verteidigung.“

In der Bundesliga ist der KV Riegelsberg Tabellenschlusslicht. In der Nachwuchsarbeit mischt der Verein aber vorne mit, was Talente wie Riemer, aber auch seine Mannschaftskollegen Kai Burkon – der 17-Jährige gewann am Samstag seinen ersten Bundesliga-Kampf – oder Simon Monz – er war bei den Europameisterschaften der Junioren Dritter – beweisen. „Alle drei haben das notwendige Talent, Willen und Einstellung. Wenn sie dabeibleiben, werden wir noch sehr viel Freude an ihnen haben“, sagt Trainer Paulus.