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Künstler Demnig verlegt heute Stolpersteine

Künstler Demnig verlegt heute Stolpersteine

In der Talstraße, in der Invalidenstraße und in der Kirchstraße werden heute die ersten 13 Stolpersteine für Riegelsberg verlegt. Ein gleichnamiges Aktionsbündnis initiiert das Gedenken an Opfer des NS-Regimes.

 Amanda Salmon, geborene Samuel (rechts), bei einem Bootsausflug in Bad Münster am Stein 1923. Foto: Sammlung Stefan Gross
Amanda Salmon, geborene Samuel (rechts), bei einem Bootsausflug in Bad Münster am Stein 1923. Foto: Sammlung Stefan Gross Foto: Sammlung Stefan Gross

In Gedenken an Opfer des Nationalsozialismus werden heute in Riegelsberg die ersten Stolpersteine verlegt. Die Initiative geht vom Aktionsbündnis "Stolpersteine für Riegelsberg " aus, das im November vergangenen Jahres von engagierten Riegelsbergern um die Journalistin Monika Jungfleisch und ihren Mann, den evangelischen Pfarrer im Ruhestand, Volker Junge, gegründet wurde.

Dank intensiver Recherchearbeit konnten sechs jüdische Familien ausfindig gemacht werden, die nach Hitlers Machtergreifung erheblichen Repressalien ausgesetzt waren. Sie zogen entweder aus Riegelsberg weg, flohen nach Luxemburg und von dort bis in die USA oder flüchteten nach Frankreich, von wo aus sechs Frauen, Männer und Kinder in den letzten Kriegstagen in Konzentrationslager deportiert und ermordet wurden. Eine Familie wurde versteckt und überlebte mit Hilfe von Ehemann und Nachbarn den Holocaust. "Für 13 dieser 17 erforschten Opfer des Nationalsozialismus können wir nun Stolpersteine verlegen", sagt der Sprecher des Aktionsbündnisses, Volker Junge.

In der Talstraße 16 werden um 11.30 Uhr drei Stolpersteine für die nach Luxemburg und später in die USA emigrierten Henriette, Arthur und Dr. Rudolf Neumark verlegt. Um 12 Uhr werden Stolpersteine für die versteckten und geretteten Adele, Erich und Paul Gross in der Invalidenstraße 1 verlegt. Um 12.30 Uhr beginnt die zentrale Feier in der Kirchstraße 20. Dort werden Steine für die ermordeten Amanda, Robert, Ilse und Rosi Salmon sowie für Leonie und Renée Albert und den einzig überlebenden Sohn Armand verlegt.

Der Kölner Künstler Gunter Demnig , der 1995 das Projekt "Stolpersteine" ins Leben gerufen hat, wird persönlich die ersten Riegelsberger Stolpersteine niveaugleich in den Bürgersteig vor dem zuletzt frei gewählten Wohnhaus der Opfer einsetzen. Schüler der Leonardo-Da-Vinci-Gemeinschaftsschule werden bei der Verlegung die Schicksale der Opfer vortragen. Noch lebende Angehörige der Opfer werden dabei sein, ebenso Vertreter der Synagogengemeinde Saarbrücken.

Anschließend führen der evangelische Pfarrer von Riegelsberg , Dr. Tobias Kaspari, und der katholische Pfarrer und Dechant Franz-Josef Werle die Teilnehmer in einem gemeinsamen Zug zum evangelischen Gemeindezentrum. Dort werden in der Kirche in einer kurzen Gedenkfeier Psalmen und Klezmermusik vorgetragen.

Im Anschluss sind alle zu einem Imbiss mit Suppe nach koscherer Art und zu Gewürzkuchen eingeladen, der nach dem Rezept von Amanda Salmon, einer der ermordeten jüdischen Bürgerinnen aus der Kirchstraße, gebacken wird.