Jubel über deutschen Sieg

Gemeinsam Fußball schauen hebt die Stimmung – bei schlechtem Wetter eben in der Halle: In Walpershofen feierten am Sonntagabend knapp 100 Fans den 2:0-Sieg der deutschen Elf gegen die Ukraine.

Als die CDU Walpershofen letztmals am 22. Juni 2014 ein Public Viewing auf dem Kleinspielfeld hinter der Köllertalhalle angeboten hatte, waren Wetter und Stimmung grandios: 300 Fußballfans zitterten und jubelten damals beim 2:2 zwischen Deutschland und Ghana. Beim ersten EM-Vorrundenspiel der Deutschen gegen die Ukraine gab es am Sonntag erneut Public Viewing - doch diesmal war alles anders. Wegen der ständigen Wolkenbrüche wurde das Freiluftfest in die Halle verlegt, und statt 300 Fans kamen diesmal knapp 100.

"Das liegt am Wetter, damals sind wir mit dem Bierzapfen gar nicht mehr nachgekommen", meinte Myriam Blaß, die eine ruhige Kugel am Zapfhahn schob. Ortsvorsteher Werner Hund betätigte sich als Rostwurstbrater und fand die Verlegung in die Halle nicht schlimm: "Das ist den Leuten egal, wo sie feiern. Und wir haben den Seiteneingang der Halle extra geöffnet und überdacht, damit dort die Raucher hingehen können und nix vom Spiel verpassen."

In der Halle war schwarz-rot-goldene Stimmung angesagt. Fähnchen schmückten das Halleninnere, die Fans kamen mit Deutschlandhüten, Fahnen, Schals und Trikots. Die "Lehmbachpiraten" - eine neu gegründete Interessengemeinschaft für Walpershofen (Bericht folgt) - boten "Bowle Schwarz-Rot-Gold" an.

Vor dem Spiel herrschte grenzenlose Zuversicht: "Wir gewinnen 4:0, das könnt ihr mir glauben, ich hab' Ahnung von Fußball", sagte Norbert Schrenk vom SV Walpershofen . Feuerwehrmann Pascal Altmayer prophezeite ein 3:0. Das CDU-Gemeinderatsmitglied Ralph Schmidt und der ehemalige Walpershofer Fußballer Thorsten Bach tippten auf ein 2:0. Birgit Huonker von den Linken legte sich auf ein 3:1 fest. An die Ukraine glaubte kein Mensch.

Doch als Torwart Manuel Neuer schon nach vier Minuten mit einer unfassbaren Parade einen Rückstand verhinderte, ging ein erster Angstschrei durch die Halle - und er sollte nicht der letzte bleiben. Tosender Jubel schließlich, als Shkodran Mustafi Deutschland nach 19 Minuten in Führung köpfte und ungläubiges Staunen, als Jerome Boateng mit einer spektakulären Rettungsaktion auf der Torlinie das 1:1 verhinderte. "Das wird als die Szene bei dieser EM im Gedächtnis bleiben", legte sich Ralph Schmidt fest. Und Thorsten Bach flippte aus: "Boateng! Jetzt bist du der Nachbar aller Deutschen!"

In der Halbzeitpause mussten einige Fans frische Luft schnappen, um die aufgewühlten Nerven zu beruhigen. So auch Bernd Wegner : "Es ist schon beruhigend, einen Neuer im Tor zu haben." Und Thorsten Bach atmete auf: "Wenn man so eine Szene wie bei Boateng sieht, muss man feststellen: gegen uns kann heute gar kein Tor fallen, die Null bleibt stehen."

In der hektischen Schlussphase des Spiels kochte die Stimmung dann über. Schweinsteigers Einwechslung kurz vor Spielende wurde begeistert mit "Schweini, Schweini"-Rufen begrüßt. Haare wurden gerauft, als Mustafi fast ein Eigentor geköpft hätte, und vor Freude schreiend fielen sich die Fans in die Arme, als Schweinsteiger Sekunden vor dem Abpfiff das erlösende 2:0 schoss. Ein Fan flippte völlig aus: "Jetzt mach' ich Autokorso!", rief er, rannte aus der Halle, setzte sich in seine Kiste und fuhr laut hupend in die Nacht hinein.