Josef-Kirche weckt Erinnerungen

Riegelsberg. Wenn Irene Pollok aus ihrem Wohnzimmerfenster schaut, wird ihr jedes Mal warm ums Herz. Ihr Blick fällt auf die St. Josef-Kirche in Riegelsberg. Das neugotische Bauwerk ihrer neuen Heimat weckt liebevolle, aber auch noch immer ein wenig schmerzliche Erinnerungen an ihre erste Heimat, Gleiwitz in Oberschlesien. Die heute 76-Jährige kam 1958 nach Deutschland

Riegelsberg. Wenn Irene Pollok aus ihrem Wohnzimmerfenster schaut, wird ihr jedes Mal warm ums Herz. Ihr Blick fällt auf die St. Josef-Kirche in Riegelsberg. Das neugotische Bauwerk ihrer neuen Heimat weckt liebevolle, aber auch noch immer ein wenig schmerzliche Erinnerungen an ihre erste Heimat, Gleiwitz in Oberschlesien. Die heute 76-Jährige kam 1958 nach Deutschland. Nach einem Jahr "Lagerleben" unter anderem in den Auffanglagern in Friedland und Rheinhausen, siedelte sie sich zusammen mit ihrem Mann Bernhard und ihren beiden Töchtern Elli und Christiane zuerst für zwei Jahre in Gelsenkirchen an, 1970 erfolgte der Umzug nach Riegelsberg.Beruflich hatte es die vierköpfige Familie damals ins Saarland verschlagen. Ihren neuen Wohnort Riegelsberg hatte Irene Pollok sofort ins Herz geschlossen. Als nach drei Jahren ein weiterer Umzug nach Köln im Gespräch war, überzeugte sie ihren Mann, dass sie ihre neuen Wurzeln in Riegelsberg gefunden hatten und ein weiterer Umzug auch mit Blick auf die beiden Töchter für sie nicht mehr in Frage käme. Ausschlaggebend dafür, dass die Familie im Köllertal blieb, war unter anderem auch die Kirchengemeinde St. Josef. "Hier fühlte ich mich von Anfang an aufgehoben und willkommen", erinnert sich die frühere Lehrerin.

Aber auch die Natur und die Menschen rund um ihre neue Heimstätte - zuerst am Stumpen, ab 1978 in der Höchlingstraße - waren ihr ans Herz gewachsen. "Wir sind in den ersten Jahren viel durch unsere neue Heimat gewandert. Ich war begeistert von der schönen Landschaft. Als ich eines Tages einer Frau, die im Vorgarten saß, sagte: 'Wie schön ist doch das Saarland und Riegelsberg', antwortete sie ungläubig: 'Meinen Sie das wirklich?'. Aus ihrer Antwort hörte ich heraus, dass ihr gar nicht bewusst war, auf welch idyllischem Fleckchen Erde sie lebte. Mir, deren Leben durch Krieg und Übersiedlung geprägt war, fielen all die schönen Kleinigkeiten in meiner neuen Heimat auf, wie zum Beispiel der herrliche Baumbestand auf dem Friedhof in Riegelsberg, die Vielfalt der Natur und vor allem die Menschen, die mich und meine Familie offen aufgenommen haben."

Schnell integrierte sich Irene Pollok in das Gemeindeleben. Sie trat in den Kirchenchor St. Josef und in die CDU Riegelsberg ein, arbeitete im Elternbeirat der Ellergrundschule mit. Sie engagierte sich für die Jumelage mit Gisors, die sie vor allem auf privater Ebene mit Urlaubsbesuchen, Geburtstagsgratulationen und Neujahrs-Päckchen bis heute mit Leben füllt. Sie half bei den Kommunionsvorbereitungen in der Kirchengemeinde St. Elisabeth und war drei Perioden als Schöffin in der Jugend- bzw. Großen Strafkammer Saarbrücken aktiv.

Als bei ihr vor einem Jahr Brustkrebs diagnostiziert wurde, erfuhr sie viel Unterstützung und Beistand seitens ihrer Familie und Freunde, sowohl aus ihrer neuen und auch aus ihrer alten Heimat, zu der sie regen Kontakt hält.

Das Resümee ihres glück- und auch leidvollen Lebens fasst sie folgendermaßen zusammen: "Aus dem Buch des Lebens kann man keine Seite herausreißen. Jeder Umzug war ein neues Blatt und auch ein neuer Anfang. Voraussetzungen, um in seiner neuen Heimat glücklich zu werden, sind die Bereitschaft, sich zu integrieren, offen, vorurteilsfrei und ohne zu vergleichen auf Menschen und die neue Umgebung zuzugehen, sich Menschen zu suchen, die die gleichen Hobbys teilen, sich aktiv in das Gemeindeleben einzubringen und dies auch mitgestalten zu wollen."Foto:SZ

Auf einen Blick

Gewinnspiel: Ein Toast mit Saarland-Muster schmeckt doch gleich noch mal so gut: Wieder präsentiert die Saarbrücker Zeitung die große Aktion "Ich lebe gern in . . .". Wenn Sie sich in Ihrer Heimat ein bisschen auskennen und ein wenig Glück haben, können Sie dabei einen Saarland-Toaster gewinnen.

Und dies ist die Frage, zu der wir Ihre Antwort suchen:

Nach welchem Präsidenten der Weimarer Republik wurde ein bekanntes Gebäude in Riegelsberg benannt?

a) Friedrich Ebert

b) Paul von Hindenburg

Am 29. und am 30. Mai können Sie mitspielen. Rufen Sie einfach an unter Tel. (0 13 79) 37 11 38-0, nennen Sie bitte Ihre Antwort und geben Sie dazu Ihren Namen und auch Ihre Anschrift an.

Aus den Anrufern mit der richtigen Lösung werden drei Gewinner gezogen. Diese teilen wir in der Köllertal-Ausgabe der Saarbrücker Zeitung vom Freitag, 1. Juni, mit. Ein Anruf aus dem Festnetz kostet 50 Cent. Mobilfunkpreise können abweichen.

Viel Spaß beim Mitspielen und Mitgewinnen! red