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"Ich schäme mich für Riegelsberg"

"Ich schäme mich für Riegelsberg"

Keine Stolpersteine

"Ich schäme mich

für Riegelsberg"

Zu "Friedensfest statt Stolpersteine", SZ vom 18.5.

Da wird eine lobenswerte Gedenk-Initiative für Holocaust-Opfer abgeschmettert und stattdessen ein Fest veranstaltet, einfacher ausgedrückt: "Fressen und Saufen für die Opfer!" In über 800 deutschen Städten erinnern "Stolpersteine" an Opfer des Holocaust: Dort haben jüdische Bürger gewohnt, die dann von Nazis ermordet wurden. Dass es überhaupt dazu kommen konnte, ermöglichten neben Kommunalverwaltungen, die Deportationslisten zusammenstellten, auch ortsansässige Zuträger, die jüdische Nachbarn denunzierten. Aber wer will das heute noch so genau wissen?

So war ich zunächst sehr stolz darauf, dass auch der Riegelsberger Gemeinderat erwägte, den Opfern der Terrorwillkür derart zu gedenken. Wie erschüttert war ich daher zu erfahren, dass man das Projekt sang- und klanglos beerdigte. Und eine viel bequemere Alternative fand: "Wir machen dafür ein Friedensfest" - na toll! Schwenker und Bier statt schlechtem Gewissen. Als sentimentales Feigenblatt will man dazu sogar Schulkinder beteiligen. Also vergesst Ketten-Karussell und Geisterbahn nicht!

Offensichtlich gibt es noch genügend Riegelsberger Bürger, die lieber nicht dauernd beim Gang zum Metzger oder zum Friseur über die unrühmliche Vergangenheit stolpern und dabei an die Ignoranz und das mörderische Duckmäusertum manch ihrer Vorfahren erinnert werden wollen.

Der Hinweis des Ortsrates, dass es ja auf dem Friedhof eine Gedenkstätte gibt, wo aller Opfer der Weltkriege gedacht wird, ist dabei nicht nur fadenscheinig, sondern falsch: die Millionen Juden, die in Konzentrationslagern ermordet wurden, sind keine Kriegsopfer! Viele starben lange vor dem Krieg - und zwar durch die Hand von Deutschen! Aber egal, sehen wir erfreut dem "Friedensfest" entgegen, wenn nach den üblichen Betroffenheitsreden endlich das Fass angeschlagen wird. Ich stelle mich gerne als Mitwirkender zur Verfügung, um meine Sicht der Dinge kabarettistisch darzulegen, falls man mich lässt . . .

Detlev Schönauer, Kabarettist, Riegelsberg

Ein Mahnmal hat nicht die Ausstrahlung

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Der Ortsrat von Riegelsberg hat beschlossen, keine Stolpersteine zu verlegen. Stattdessen soll ein Friedensfest 2015 gefeiert werden. Abgesehen davon, dass schon manch anderes Fest ins Wasser fiel, handelt es sich dabei überhaupt nicht um eine Alternative. Die Initiative des Kölner Künstlers Gunter Demnig hat bereits zur Verlegung von etwa 40 000 Steinen in über 800 Orten der Bundesrepublik geführt. Am 18. März dieses Jahres wurde ein Stolperstein für Fritz Lieser vor dem Haupteingang des heutigen Albert-Einstein-Gymnasiums in Völklingen verlegt. Fritz Lieser war dort Schüler. 1935 verschwanden er und seine jüdische Mitschüler von einem auf den anderen Tag aus dem Schulalltag. Zuerst konnte die Familie emigrieren, später wurde Fritz Lieser in Frankreich gefangen genommen und in Auschwitz ermordet. Die Stolpersteine erinnern daran, dass die Mitbürger, die Opfer des NS-Terrors wurden, mitten aus unserem Lebensalltag und unserer Umgebung verschwunden sind. Ein noch so ansprechend gestaltetes Mahnmal, zentral auf einem Friedhof oder in einem Turm, haben längst nicht diese Ausstrahlung. Bei der Stolpersteinverlegung vor unserer Schule war der Vorsitzende der Jüdischen Synagogengemeinde Saar, Richard Bermann, anwesend. Sein Vater und seine Onkel waren Schüler unserer Schule. Er war sehr froh am 18. März, dass es diesen Stein an diesem Ort nun gibt. Die Worte der ehemaligen Vorsitzenden des Zentralrates der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, sind als Einzelmeinung sehr zu würdigen, das Zeugnis des Vorsitzenden der Jüdischen Kultusgemeinde vor Ort aber genauso!

Reimund Franz, Diakon, Religionslehrer und Schulseelsorger am AEG Völklingen

Den Opfern ein Gesicht geben

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Sicherlich war es richtig, dass der Riegelsberger Ortsrat bei seinen Überlegungen zum Thema "Stolpersteine" auch die kritische Meinung der ehemaligen Präsidentin des Zentralrates der Juden, Charlotte Knobloch, in seine Überlegungen einbezogen hat. Aber ebenso wichtig wäre es unseres Erachtens gewesen, die positiven Erfahrungen und Ergebnisse in anderen saarländischen Kommunen zu berücksichtigen. Hierzu gab es ausführliche Berichte in der SZ. So gab es zum Beispiel in allernächster Nähe, in Völklingen, von Schülerinnen und Schülern der Erweiterten Realschule Am Sonnenhügel mit ihren beiden Lehrerinnen ein Projekt zu dem Thema "Stolpersteine". Von unterschiedlichsten Organisationen - von der Synagogengemeinde Saarbrücken bis hin zur Moschee Völklingen - wurde das Projekt unterstützt. Zahlreiche Gruppen - zum Beispiel Pfadfinder, Naturfreunde, GEW - sowie etliche Einzelpersonen haben die Stolpersteine durch Geldspenden finanziert. Es war beeindruckend, mit welchem Engagement die Jugendlichen sich auf Spurensuche begeben, und mit welcher Ernsthaftigkeit sie die Verlegung der Stolpersteine mitgestaltet haben. Ein Projekt, das gewiss noch lange nachwirken wird: Bisher namenlose Opfer des Naziterrors in Völklingen (jüdische Mitbürger, politische Gegner, ein behinderter junger Mensch) bekamen wieder einen Namen und ein Gesicht. Jugendliche mit sehr unterschiedlichen kulturellen Wurzeln erlebten, wohin Vorurteile und rassistisches Denken führen.

Und wir Älteren können mal wieder erfahren, wie offen und unkompliziert junge Menschen sich diesem sensiblen Thema stellen. Statt Stolpersteinen plant nun der Ortsrat von Riegelsberg ein Friedensfest. Ob dieses Fest eine "würdigere" und ebenso nachhaltige Alternative zu Stolpersteinen ist? Wir bezweifeln das!

Doris Frey und Ulrike Krüger, Riegelsberg

Wasserbüffel

Auerochsen waren einheimische Tiere

Zu "Wer grast denn da am Köllerbach?", SZ vom 15. Mai.

In dem Bericht über die Wasserbüffel in Püttlingen heißt es, historisch gesehen seien sie keine Exoten und seien als leicht jagdbares Wild im 17. Jahrhundert in Deutschland ausgerottet worden. Vielleicht verwechselt der Verfasser den Wasserbüffel mit dem Auerochsen, dem Stammvater des Hausrindes, dessen letzter Vertreter tatsächlich 1627 im ostpreußischen Masuren erlegt worden ist. Der Wasserbüffel stammt dagegen aus dem südlichen und südöstlichen Asien, von wo er nach seiner Domestikation vor etwa 5000 Jahren über den Vorderen Orient bis Italien, Ungarn und auf den südlichen Balkan verbreitet wurde, wo er seit dem 6. Jahrhundert als Haustier gehalten wird. Vor allem in den Reisanbaugebieten dient er als unersetzliches Arbeitstier. In Italien wird aus seiner sehr fettreichen Milch Mozzarella hergestellt.

Hans-Joachim Klein, Heusweiler-Dilsburg

Gott

Veraltetes Bild des Vielgötter-Glaubens

Zu "Regengott stört Frühjahrsfest", SZ vom 13. Mai.

Mit Bedauern musste ich feststellen, dass das veraltete Bild des Vielgötterglaubens in Ihrem Bericht auftauchte. Weder gibt es aus meiner Sicht einen Wetter- noch einen Regengott. Als Christ glaube ich an den einen Gott, der sich seit jeher auf vielfache Weise persönlich dem Menschen zuwendet. Ganz besonders hat sich dieser eine Gott in Jesus Christus offenbart und bekräftigt seine Beziehung zum Menschen fortan im Heiligen Geist. Diese Entfaltung des einen Gottes in drei Wesenszuständen hat im Übrigen nichts mit einem Mehrgottglauben zu tun, sondern bestätigt die Menschenbezogenheit des einen Gottes, der alle Barrieren durchbricht, um in seiner Schöpfung zu wirken und zu handeln.

Andreas Folloni, Püttlingen

Orvault

Gastgeber zahlen

die Zeche

Zu "Aus einer Beziehung wurde Freundschaft", SZ vom 14. Mai.

Die beim Festabend gehaltenen schönen Reden können nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Partnerschaft zwischen Heusweiler und Orvault mit Problemen zu kämpfen hat. Da ist zum einen die große Entfernung von ca. 850 Kilometer und damit verbunden die Frage der Kosten. Beides hat bis dato einen Jugendaustausch oder Vereinskontakte, ebenso Kurzbesuche meist zu Fall gebracht. Zudem fährt der Heusweiler Gemeinderat das Budget für die Partnerschaft wegen der Schulden ab 2014 drastisch zurück. Die Kosten sind dann noch mehr von privat zu tragen. Bisher schon waren es hauptsächlich die Gastgeberfamilien aus Heusweiler, die die Partnerschaft mit Leben füllten und ein Großteil der Kosten dafür trugen. Da war es kein schöner Zug der Gemeinde, den Gastgeberfamilien für ein enttäuschendes Festessen dann noch 31 Euro pro Nase abzuverlangen.

Ein so genannter Stolperstein. Foto: Maurizio Gambarini/dpa

Karl Heinz Janson, Heusweiler