Heinz Klein aus Herchenbach ist einer von vielen, die für das besondere Lebensgefühl der Köllertal-Gemeinde sorgen.

Menschen im Regionalverband : „Unsere Dorfgemeinschaft funktioniert“

Heinz Klein aus Herchenbach ist einer von vielen, die für das besondere Lebensgefühl der Köllertal-Gemeinde sorgen.

Am Samstag im Köllerbacher Ortsteil Herchenbach. Bilderbuchwetter. Ein Weiher, ein Brunnen, der Himmel in Azur, Bauerngärten, ein Uralt-VW-Käfer in dunkelblau fährt durch, wir sehen eine dörfliche Idylle. „Das Wichtigste, unsere Dorfgemeinschaft funktioniert“, sagt Heinz Klein.

Der Mann ist 82 und rührig. . . das soll hier aufgezeigt werden. War im Arbeitsleben Maschinenbauingenieur. Freut sich mit seiner Frau Edith über drei Kinder, vier Enkel, zwei Urenkel. Verbrachte sein ganzes Leben im Dorf Herchenbach, dem bäuerlich geprägten Ortsteil der früheren Gemeinde Köllerbach. Ist Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr, im Schützenverein, bei den Obst- und Gartenbauern. War Presbyter der Kirchengemeinde und engagiert sich seit Jahr und Tag im Heimatkkundlichen Verein Köllertal. „Als Kassenführer“, sagt er, „muss ja einer machen“. Und er ist Autor, fügt er, bescheiden auf Nachfrage des Reporters von der Saarbrücker Zeitung hinzu.

Die Liste der Themen, mit denen sich Klein befasst hat beziehungsweise befassen will, ist lang. Er hat über Butterfässer recherchiert und geschrieben, darüber auch, wie Pflüge funktionieren. Er hat sich mit Luftschutzstollen im Köllertal befasst, ein Folgeartikel darüber ist in Arbeit. „Pferdebespannte Beerdigungen“ sind ebenfalls ein Thema, das er aktuell in Wort und Bild recherchiert.

Mit seinem Zwillingsbruder Karl  und weiteren Gleichgesinnten hat Heinz Klein vor etwa zehn Jahren „nach alter Väter Sitte“ in einem stillgelegten Hilschbacher Steinbruch Sandsteine gebrochen, die dann von professionellen Steinmetzen tatsächlich in den Turm der historischen Köllerbacher Martinskirche eingebaut worden sind. . . die Saarbrücker Zeitung hat damals die fleißigen „Rentner im Unruhestand“ beim Kraxeln und Arbeiten am Sandstein begleitet.

Vor fünf Jahren hat Heinz Klein ein neues Steckenpferd für sich entdeckt: die Kunst. Aus Plastilin hat er lustig anmutende Tierköpfe geformt, bemalt, in seinem Vorgarten aufgestellt. Darunter auch einen beinahe mannshohen Reiter mit Pferd: „Der ist mir vor zwei Jahren beim Rocco del Schlacko geklaut worden.“

Heinz Klein ist nicht nachtragend („Ich wünsche dem Dieb, das er noch viel Spaß an der Skulptur hat“). Aber die Sache ließ ihm keine Ruhe. Also hat er einen neuen Reitersmann mit Pferd gebastelt und neben den Tierköpfen aufgestellt. „Jetzt machen Sie aber nicht zuviel Gedöns um meine Person!“ mahnt er dann den SZ-Autor, „stellen Sie besser die Dorfgemeinschaft in den Mittelpunkt“.

Recht hat er: Im benachbarten Dorfgemeinschaftshaus unterbrechen Frauen, Männer und Kinder das gemeinschaftliche Sauerkraut-Einsäuern. Sie schlendern gemütlich zur angekündigten „Enthüllung“ des Kleinschen Kunstwerkes. Es ist sicher nicht das letzte: Im Frühjahr 2014 machten sich 33 Herchenbacher Hobbykünstler daran, unter Anleitung von Sieglinde Theobald, Inhaberin des Köllerbacher Ateliers „Pigmente“, Häuser, Vorgärten, ja gar Laternenmasten zu verschönern, mit Farbe, Fantasie, pfiffigen Ideen.

Neuestes Projekt ist ein zehn Meter breites Bild an einer Garagenwand. Es zeigt, in naiver Malerei, Szenen aus dem Dorfleben, gemalt von Kindern und Erwachsenen gleichzeitig. „So iss das bei uns: Ääna stellt die Wand, der onnere die Farben, unn es find sich imma ääna, der die Wirschd grillt“, schmunzelt Gert Müller.

Müller ist der Vorsitzende der „Interessengemeinschaft Herchenbach“ Dort wirken seit Jahrzehnten die Freiwillige Feuerwehr, der Schützenverein, der Obst- und Gartenbauverein sowie der saarlandweit noch einzige Kühlverein in schöner Eintracht zusammen. „Genau das meine ich: Die vielen Gemeinschaftsaktionen tragen viel zum Kennenlernen und zum Zusammenhalt in unserem Dorf bei. Das ändert sich auch hoffentlich in Zukunft nicht“, sagt Heinz Klein. Entkorkt einen roten Burgunder: „Darauf ein Prosit!“

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