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„Gott sei Dank wieder ein Geschäft“

Marika Martini an der Tür zu ihrem Laden in Walpershofen. Foto: aki
Marika Martini an der Tür zu ihrem Laden in Walpershofen. Foto: aki FOTO: aki
Walpershofen. Schaum-Bonbons auf dem Tresen und immer Zeit für ein nettes Gespräch – so waren früher alle Geschäfte auf dem Dorf gestrickt. Und so will nun wieder „Tantes Lädchen“ von Marika Martini in Walpershofen werden. Fred Kiefer

Nach der Schließung der beiden Metzgereien und des Frischemarktes in Walpershofen gab es im Ort außer zwei Bäckereien und einem Café mit Backwaren-Verkauf keine Einzelhandelsgeschäfte mehr. Viele Bürger bedauerten das Fehlen des Marktes, der nicht nur zum Einkaufen da war, sondern als Treffpunkt zum Austausch von Neuigkeiten diente.

Für die 51-jährige gelernte Bürokauffrau Marika Martini waren auch die persönlichen Kontakte wichtig, die sie beim Einkauf pflegen konnte. Sie erzählt: "In Walpershofen gibt es zwar ein ansehnliches Ortszentrum, doch bis zum 19. Februar gab es nur noch die beiden erwähnten Bäckereien . Das Fehlen eines Geschäftes mit Waren des täglichen Bedarfs brachte mich auf die Idee, den seit einigen Monaten leer stehenden Geschäftsraum in der Etzenhofer Straße zu mieten und darin einen Laden mit einem größeren Warenangebot als früher einzurichten." Und weiter: "Mit meinem Tantes Lädchen, so der Name des Geschäftes, will ich an frühere Zeiten anknüpfen, als es noch die so genannten Tante-Emma-Läden gab."

Marika Martini und ihr Ehemann vergrößerten den ursprünglich nur 26 Quadratmeter großen Verkaufsraum auf 35 Quadratmeter. So entstand Platz, um neben Tages- und Wochenzeitungen , Zeitschriften und Tabakwaren auch Geschenkartikel, Getränke, Lebensmittel und Kohlensäure-Patronen für die Kunden sichtbar unterzubringen. Auf der kleinen Theke war zudem eine Ecke für zwei Gläser mit Schaum-Bonbons und Cola-Gummifläschchen frei. Die Inhaberin betreibt im Geschäft auch eine Lotto-, eine Paket- und Päckchen-Annahmestelle.

Der Name "Tantes Lädchen" fiel ihr ein, als sie sich an ihre Kindheit erinnerte. In jenen Jahren musste sie die Frauen aus der Nachbarschaft auf Wunsch ihrer Mutter mit "Tante" vor dem Vornamen, zum Beispiel "Tante Luise", anreden. Sie erzählt: "Mit dem Namen des Geschäftes will ich auch an die Gepflogenheiten früherer Tage erinnern, eben an jene Zeit, als die Leute noch öfter miteinander redeten und sich gegenseitigen Respekt bezeugten."

Nach der ersten Woche, in der sie unzählige Gespräche mit Kunden führte, zieht die Frau mit der nostalgischen Idee eine positive Bilanz. Marika Martini berichtet: "Die meisten Leute, die reinkommen, sagen: Gott sei Dank gibt es wieder ein Geschäft in Walpershofen . Ich habe sogar schon einige Stammkunden."