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Genervte Anwohner warten auf die Südumgehung für Riegelsberg

Ärger über hohe Verkehrsbelastung : Das Warten auf die Südumgehung

Wieder Verzögerung, weitere Gutachten, aber kommendes Jahr soll’s besser werden.

Leserin Martina Jochem aus Riegelsberg ist Anwohnerin der Hixberger Straße in Riegelsberg. Auf dieser Bundesstraße herrsche extrem viel Verkehr, im Januar 2020 sei sogar ein Fußgänger beim Überqueren eines Zebrastreifens getötet worden, schilderte sie. Sie hoffe sehr, dass endlich die seit Jahrzehnten geforderte Südumgehung gebaut oder wenigstens ein Blitzer am Straßenrand installiert wird. Doch, so die Riegelsbergerin,  Bürgermeister Klaus Häusle (SPD) streite jede Zuständigkeit ab. „Wir Anwohner haben mittlerweile resigniert“, so Martina Jochem.

Dass der Bürgermeister jede Zuständigkeit abstreite, sei nicht zutreffend, betont Rouven Winter, Pressesprecher der Gemeinde Riegelsberg. Die Hixberger Straße sei eine Landstraße und liege deshalb im Zuständigkeitsbereich des Landesbetriebes für Straßenbau (LfS). Dieser habe in den vergangenen Jahren fast die gesamte Asphaltdecke durch sogenannten Flüsterasphalt ersetzt, wodurch der Verkehrslärm verringert werden konnte. – Was wiederum Martina Jochem bestreitet, von einer Lärmminderung sei nichts zu spüren.

Zudem, so Winter, bemühten sich der Bürgermeister und der Gemeinderat seit vielen Jahren um die Einrichtung der Südumgehung. Für Planung und Bau sei aber das saarländische Wirtschaftsministerium zuständig. Laut den zur Verfügung stehenden Verkehrszahlen fahren derzeit etwa 11 300 Fahrzeuge täglich durch die Hixberger Straße, 410 davon sind Lkw, so Winter. Dass ein Fußgänger im letzten Jahr auf einem Zebrastreifen überfahren wurde, sei der Gemeindeverwaltung nicht bekannt. Allerdings sei im Januar 2020 ein Bürger bei der Überquerung der Wolfskaulstraße, zwischen Hixberger Straße und Einmündung Obere Schulstraße, von einem Fahrzeug erfasst und tödlich verletzt worden. Hierbei wurde jedoch kein Zebrastreifen benutzt.

Auf einen stationären Blitzers verzichte die Gemeinde. Sie verfolge stattdessen beim Ermitteln von Geschwindigkeitsübertretungen „den Ansatz einer größtmöglichen Flexibilität bei der Wahl der Kontrollpunkte und Uhrzeiten durch mobile Anlagen“, so Winter. Hierdurch könnten viele Unfallfallschwerpunkte und besonders sensible Örtlichkeiten „flexibel und auch ein Stück weit unvorhersehbarer für die Verkehrsteilnehmer überprüft werden“. Und selbstverständlich gebe es auch regelmäßig Kontrolen im Bereich der Hixberger Straße.

Zum Sachstand der Südumgehung, sagt Jennifer Collet, Pressesprecherin des saarländischen Wirtschaftsministeriums, dass sich der Fortgang der Planungen verzögert habe: „Hauptsächlich, weil zum Einen Corona-bedingt notwendige Verkehrserhebungen nicht durchgeführt wurden und zum Anderen Abstimmungsgespräche nicht stattfinden konnten.“ Collet. Mittlerweile sei das Ergebnis des vorliegenden Verkehrsgutachtens aber durch ergänzende Zählungen und aktuelle Berechnungen bestätigt worden. Zudem lägen die neuen Erhebungen der landschaftspflegerischen Kartierungsdaten sowie das Luftschadstoffgutachten vor. „Zurzeit werden die Bauwerksentwürfe ausgearbeitet und wird die technische Straßenplanung finalisiert. Auch fand wegen des Wirtschaftswegekonzeptes ein Ortstermin mit Vertretern des Saarforstes, des Umweltministeriums und dem Revierförster der Gemeinde statt“, so Collet weiter. Das Gutachten gemäß europäischer Wasserrahmenrichtlinie sei in Bearbeitung. Nach Abschluss der technischen Straßenplanung können dann die „landschaftspflegerischen Unterlagen“ fertig gestellt werden.

Hierzu gehöre auch die abschließende Ermittlung einer ausreichend großen Fläche für den Waldausgleich. „Aufgrund der noch offenen Fragen zum Waldausgleich ist ein Abstimmungstermin Anfang November mit der Planfeststellungsbehörde anberaumt. Sobald eine Klärung mit der Naturschutzbehörde erreicht wird, kann im nächsten Schritt ein Prüfexemplar der Planfeststellungsunterlagen folgen. Daraufhin kann dann die Vorabstimmung mit der Planfeststellungsbehörde beginnen“, so Collet abschließend. Bürgermeister Häusle geht davon aus, dass die Südumgehung durch die Vorlage dieses Prüfexemplars im kommenden Jahr „einen großen Schritt nach vorne machen wird.“

Weitere Beiträge zum Thema:

„Bisherige Pläne für die Südumgehung“: hier

„Südumgehung gegen Verkehrskollaps“: hier

„Kommt es doch, das Umgehungswunder?“: hier

„44 Jahre (keine) Südumgehung“ (Beitrag vom 27. August 2018): hier