"Gemeinsames Liebesmahl" der Konfessionen

"Gemeinsames Liebesmahl" der Konfessionen

Riegelsberg. Anfang der 1990er Jahre, als die ökumenische Bewegung sehr lebendig war, zeigten die katholische Kirchengemeinde St. Josef Riegelsberg und die evangelische Kirchengemeinde Güchenbach, dass beide Konfessionen mehr verbinden als trennen könnte: In gemeinsamen Osterbegegnungen rückte man eng zusammen

Riegelsberg. Anfang der 1990er Jahre, als die ökumenische Bewegung sehr lebendig war, zeigten die katholische Kirchengemeinde St. Josef Riegelsberg und die evangelische Kirchengemeinde Güchenbach, dass beide Konfessionen mehr verbinden als trennen könnte: In gemeinsamen Osterbegegnungen rückte man eng zusammen. "Für mich als evangelische Christin waren diese Begegnungen ganz besondere Erlebnisse", erzählt Christa Herrmann. Die heute 80-Jährige erinnert sich gerne an diese Zeit, in der beide Kirchengemeinden enge Kontakte pflegten. "Damals hatte uns Dr. Rolf Dillschneider, der damalige Pfarrer von St. Josef, eingeladen, den Osternachtsgottesdienst gemeinsam zu feiern. Die Feier begann außerhalb der Kirche beim Osterfeuer, an dem die Osterkerze entzündet wurde. Pfarrer Dillschneider, seine geistlichen Mitarbeiter und der evangelische Pfarrer Hartmut Richter trugen die Kerze in die Kirche, die völlig dunkel war. Am Eingang und vor dem Altar blieben sie stehen und Dr. Rolf Dillschneider sagte: 'Lumen Christi', 'Licht Gottes'. Wir Gläubigen antworteten: 'Deo gratias', 'Dank sei Gott'. Ein Augenblick, der mich immer tief bewegte."Dann brachten Messdiener Kerzen, die sie an der Osterkerze entzündet hatten, vom Altar aus in jede Sitzreihe. "Nach und nach wurde die Kirche hell erleuchtet", schildert Christa Herrmann, "die Osterkerze, die die katholische Kirchengemeinde ihren evangelischen Mitchristen schenkte, brachten wir in einer Prozession von St. Josef zu unserer Kirche. Pfarrer Hartmut Richter stellte dann die Kerze in unserer Kirche auf, sprach einige Worte zu den evangelischen und katholischen Gästen, wir sangen zusammen und gingen schließlich ins Gemeindehaus." Dort feierte man gemeinsam mit beiden Pfarrern und mit Diakon Wolfgang Holschuh "Agape", was im neutestamentlichen Sinne so viel wie "gemeinsames Liebesmahl" bedeutet. Man saß eng beisammen, aß gemeinsam, "es gab viele interessante, tief gründende Gespräche mit unseren katholischen Mitchristen", erzählt die langjährige Vorsitzende der evangelischen Frauenhilfe. "Wir haben manchmal bis morgens um 4 Uhr zusammengesessen, es war ein herzliches, fröhliches Miteinander."

Als die Ökumene Anfang des Jahres 2000 einen Dämpfer erhielt, der damalige Chef der Glaubenskongregation, Joseph Ratzinger, der jetzige Papst Benedikt XVI., solche Gottesdienste untersagte, sei diese christliche Eintracht zu Ende gegangen. Christa Herrmann bedauerte dies. Sie hält in sich jedoch ihre ökumenischen Begegnungen wach. Zusammen mit ihrem Mann, Professor Hans-Walter Herrmann, ist sie Mitglied einer Ökumenischen Basisgruppe, der Action 365, die sich einmal im Monat mit katholischen Christen jeweils in einem Wohnzimmer trifft. "Neben unserer Bibelarbeit, Meditation und einem gemeinsamen Mahl tauschen wir uns über persönliche Erlebnisse aus, wir wissen viel voneinander, sind uns vertraut. Die Gruppe, zu der vier katholische und zwei evangelische Ehepaare zählen, ist für mich wie eine Familie."

Die frühere Presbyterin und Synodale ist sich sicher: "Uns evangelische Christen trennt an der Basis nicht so viel von unseren katholischen Schwestern und Brüdern. Wir sind uns in vielen Dingen unseres Glaubens ganz nah."

Dass Walter Hoff im Namen der katholischen Kirchengemeinde St. Josef in diesem Jahr die Osterkerze zu dem neuen evangelischen Pfarrer Dr. Tobias Kaspari in die Kirche bringen wird, freut Christa Herrmann, die sich ein Wiederaufleben der Ökumene mit gemeinsamen Feiern und Festen wünscht.