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CDU und Linke setztn sich durch
Streit um Gebundene Ganztagsschule

An der Riegelsberger Lindenschule (links im Bild) könnte eine Gebundene Ganztagsschule eingerichtet werden. Im Gemeinderat gab’s Streit über den Weg dorthin.
An der Riegelsberger Lindenschule (links im Bild) könnte eine Gebundene Ganztagsschule eingerichtet werden. Im Gemeinderat gab’s Streit über den Weg dorthin. FOTO: Iris Maurer
Riegelsberg. Mit hauchdünner Mehrheit lehnt der Riegelsberger Gemeinderat eine Informationsveranstaltung dazu ab. Von Fredy Dittgen

Hat sich die Gemeinde Riegelsberg von der Einführung einer Gebundenen Ganztagsschule (GGTS) verabschiedet? Mit 16 Stimmen aus den Reihen von CDU und Linke gegen 15 Stimmen von SPD und Grünen lehnte der Gemeinderat eine Info-Veranstaltung dazu ab.


Dabei hätte man Eltern die Vorteile einer GGTS gegenüber der Freiwilligen Ganztagsschule darstellen und herausfinden können, wie groß der Bedarf in Riegelsberg ist. Deshalb hatte die Verwaltung vorgearbeitet: „Wir haben die Fakten und Schülerzahlen überprüft. Man kann daraus ersehen, dass es Sinn machen würde, die Eltern über die Einführung einer GGTS zu befragen“, sagte Bürgermeister Klaus Häusle. So wird derzeit an den drei Riegelsberger Grundschulen eine Freiwillige Nachmittagsbetreuung durch die ABG angeboten. Von den insgesamt 429 Schülern nutzen 208 das Angebot.

Die Leitung der Lindenschule befürwortet die Einrichtung eine Ganztagsschule an ihrem Standort. Schulleiterin Marie Kiefer, die dieser Schulform erst skeptisch gegenüberstand, war schließlich von dem pädagogischen Konzept überzeugt. Durch die Einführung einer GGTS kämen Kosten auf die Gemeinde zu, da sie Träger der drei Grundschulen ist. Zum Beispiel An- und Umbaukosten. Außerdem müsste zusätzliches pädagogisches Personal eingestellt und eine Busverbindung eingerichtet werden für Kinder, die weiter an einer Halbtags-Grundschule lernen möchten. „Das bedeutet geschätzt Kosten in Höhe von einer Million Euro. Abzüglich der Fördergelder würde davon etwa die Hälfte an der Gemeinde hängen bleiben“, sagte Häusle. Deshalb sei eine Informationsveranstaltung sehr wichtig: „Dadurch bekämen wir eine Datenbasis, die es dem Gemeinderat erlaubt, sich mit der Einführung einer GGTS auseinanderzusetzen“, so Häusle.



Doch da spielten CDU und Linke nicht mit. „Für uns sind noch zu viele Fragen offen, vor allem Kostenfragen“, sagte Birgit Huonker (Linke). Außerdem wisse sie, dass Vereine im Umfeld von Gebundenen Ganztagsschulen über Nachwuchsmangel klagen. „Hier soll das Pferd von hinten aufgezäumt werden. Richtig wäre es, alle offenen Fragen zu klären, bevor man Eltern ein Angebot macht“, fügte Huonker hinzu. Stefan Müller-Kattwinkel (CDU) betonte, dass man sich einer Diskussion um eine GGTS nicht verschließen wolle. Was die CDU aber nicht will, sei „eine Veranstaltung zum falschen Zeitpunkt“. Die, so Müller-Kattwinkel, berge die Gefahr, „dass Hoffnungen und Erwartungen bei Eltern geweckt werden, die nicht befriedigt werden können“. Besser wäre es, erst mal abzuwarten, wie die Schulkonferenz der Lindenschule über die Einführung einer GGTS entscheidet. Außerdem werden im Herbst Umbauarbeiten an der Lindenschule beginnen, deren Abschluss man ebenfalls abwarten sollte, sagte Müller-Kattwinkel. Jutta Christmann (CDU) betonte: „Wir legen für die Nachmittagsbetreuung keinen einzigen Euro auf den Tisch. Das gibt’s im ganzen Saarland nicht. Alle anderen Kommunen müssen dafür bezahlen.“ Frank Schmidt (SPD) kämpfte vergeblich um die Infoveranstaltung. Er lobte zwar auch die Arbeit der ABG, betonte aber, dass in der Freiwilligen Ganztagsschule nur Hausaufgabenhilfe sowie Spiele und ähnliche Aktivitäten angeboten werden. „In einer GGTS fallen keine Betreuungskosten für die Eltern an, es gibt mehr Lehrpersonal und damit eine bessere Förderung der Schüler“, sagte Schmidt.

Auch Stephan Lehberger (Grüne) kämpfte vergeblich: „Seit Jahren fordern wir, dass Eltern die Möglichkeit haben, zwischen Gebundener und Freiwilliger Ganztagsschule wählen zu können. In Riegelsberg können sie das nicht.“ Und er kritisierte Müller-Kattwinkel hart: „Es ist ein bisschen Entmündigung des Bürgers, wenn wir keine Infoveranstaltung anbieten. Ich habe ein anders Demokratieverständnis. Wir sind doch nicht die Besserwisser!“ Sehr enttäuscht über die Ablehnung einer Infoveranstaltung war Bürgermeister Häusle: „Wir haben unseren Job gemacht und versucht, dem Gemeinderat alle Steine aus dem Weg zu räumen. Mehr können wir dem Gemeinderat nicht zuarbeiten.“