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Gemeinde hat ihre Heimat wieder

Riegelsberg. Die Gläubigen strömten herbei, als gestern in der Riegelsberger Kirche St. Josef der erste Gottesdienst nach fast einjähriger Pause über die Bühne ging. Das Gotteshaus war für 900 000 Euro renoviert worden. Von SZ-MitarbeiterinBeatrix Hoffmann

"Macht hoch die Tür. Die Tor macht weit." Zum vierten Advent wurde gestern die Pfarrkirche St. Josef mit einem feierlichen Hochamt wieder eröffnet. Nach Dreikönig wurde die Kirche wegen Renovierungsarbeiten geschlossen. Jetzt erstrahlte sie in neuem Glanz. Nur das Portal fehlte noch. "Leider knapp daneben. Es wird erst Anfang Januar fertig", erklärte Dechant Franz-Josef Werle.

"Oh, das sieht ja noch postmodern aus", meinte ein Kirchenbesucher mit Blick auf die Ersatztür in Pressspanoptik. Trotzdem waren die Kirchenbesucher durch die Bank glücklich über die Wiedereröffnung "Ich bin froh, dass die Kirche überhaupt schon zu Weihnachten fertig geworden ist." erklärte Jakob Lang. Schließlich sei St. Josef die Heimat der Pfarrgemeinde. Wann nun die Tür eingesetzt werde, sei doch völlig nebensächlich. Ganz im Gegenteil: Daran, dass noch etwas fehle, sehe man doch erst, was schon alles geleistet wurde.

Mit "überglücklich und schön" beschrieb Monika Sann ihre Gefühle beim Anblick der restaurierten Kirche. Weihnachten sei genau der richtige Zeitpunkt für die Wiedereröffnung, meinte auch sie. "Es ist prima, dass sie restauriert wurde", sagte Helmut Bur und weiter: "Eigentlich ist die Pfarrkirche St. Josef ja eine Schönheit, und Schönheit muss erhalten bleiben."

Erwin Bertel, der mit Noten von Händel unterm Arm der Einweihung entgegen strebte, haben es die Innenmalereien angetan. "Wunderschön. In neuem Glanz", meinte er. Als Kirchenchormitglied freue er sich selbstverständlich besonders über die generalüberholte Orgel. "Mit einem Glockenspiel. So etwas ist sehr selten", erläuterte er.

Catharina Philippi, die mit Töchterchen Melissa an der Hand zum Hochamt kam, sagte spontan: "Super. Jetzt haben wir wieder mehr Platz." Im Pfarrzentrum, das zwischenzeitlich als Ersatzkirche diente, sei es manchmal eng geworden.

Mit dem Platz war das gestern morgen allerdings so eine Sache. Es wurde nämlich eng. Volles Gotteshaus. Alle Bänke belegt, und auch die Stehplätze waren schnell vergeben. Schließlich war zur Feier des Tages Domprobst Werner Rössel aus Trier angereist. Mit vollem Tross - umgeben von der Messdienerschar der Pfarrgemeinschaft St Josef-St. Matthias - hielt man Einzug. "Schaut, wie wunderbar sie geworden ist", sagte Pastor Werle.

Für Domprobst Rössel sind Kirchen ein Raum, in dem Menschen aus dem optischen und akustischen Getöse, aus dem "Kauf-dies, Iss-das" heraus finden. Der Mensch brauche solche Räume des Schweigens. Seit der Errichtung von St. Josef im Jahr 1887 hätten Menschen ihre Freude und ihr Leid, alles, was sie innerlich erfüllte, hierhin getragen. Der Domprobst sagte auch, die Wiedereröffnung sei ein "großartiges Geschenk, zu dem viele einen Beitrag geleistet haben".

Heute, 19.30 Uhr, lädt der Männerchor Ensemble 85 zur Besinnungsstunde in die Pfarrkirche ein (Eintritt frei).