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Gedenken an Reichspogromnacht-Barbarei in Riegelsberg

Stolpersteine geputzt als Bekenntnis ans Erinnern : Gedenken an Reichspogromnacht, Verantwortung annehmen

Mit einem anrührenden Programm gestalteten die Leonardo-Da-Vinci-Gemeinschaftsschule und das „Aktionsbündnis Stolpersteine für Riegelsberg“ in Erinnerung an die Reichspogromnacht vorigen Freitag die jährliche Gedenkfeier für die örtlichen Opfer des Nationalsozialismus.

Musiklehrer Bruno Rabung hatte mit den 5er- und 6er-Klassen jüdische Lieder eingeübt. Geschichtslehrerin Dr. Christine Conrad hatte mit der Klasse 9b Gewürzkuchen gebacken nach dem Rezept der ermordeten jüdischen Riegelsbergerin Amanda Salmon aus der Kirchstraße. Und die Klasse 7c hatte im Religionsunterricht eine Broschüre über das Judentum erstellt und ausgelegt.

Schulleiter Günter Engels: „Unsere Schule putzt gemeinsam mit dem Aktionsbündnis jedes Jahr die Stolpersteine für die Opfer des NS-Zeit. Damit setzen wir einen wichtigen Akzent gegen Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus.“ Bürgermeister Klaus Häusle wies auf die zunehmende Spaltung der Gesellschaft hin und mahnte, wachsam gegenüber Intoleranz zu sein. Ortsvorsteher Heiko Walter ermutigte die Schüler, gegen Hass und Missgunst Widerstand zu leisten. Musiklehrer Bruno Rabung richtete sich in einer sehr anrührenden Erklärung direkt an seine Schüler: „Es hat mich sehr ergriffen zu sehen, wie selbstverständlich gerade die arabischstämmigen Schüler die jüdischen Lieder mitgesungen haben. Die Musik hat unsere Kinder aus den unterschiedlichen Nationen zusammengeführt.“

Journalistin Monika Jungfleisch, die das „Aktionsbündnis Stolpersteine für Riegelsberg“ vor rund fünf Jahren angestoßen hat, stellte den Bezug der historischen Ereignisse von vor 80 Jahren mit der Gegenwart her: „Damals brüllten nicht nur im fernen Berlin aufgehetzte Menschen ‚Juden raus‘. Auch in Riegelsberg klopften Nazis aus der Nachbarschaft nachts an der Haustür von Gottfried und Adele Gross in der Invalidenstraße. Mit ihrem hasserfüllten Geschrei und den brennenden Fackeln versetzten sie die Familie mit ihren Söhnen Erich und Paul in Angst und Schrecken. Heute werden wieder Juden auf offener Straße mit Hosengürteln geschlagen, werden Menschen mit dunkler Hautfarbe durch Straßen gehetzt.“ Damals hätten Nazis gerne verharmlosende Worte für ihre Taten genutzt: „Sie sprachen von ‚Reichskristallnacht‘. Damit wollten sie von ihrer Brutalität und von dem zerstörerischen Ausmaß ihres Handelns ablenken“, denn es seien nicht nur ein paar Schaufensterscheiben zu Bruch gegangen. Bis zu 1.500 Juden wurden ermordert, 1400 Synagogen angezündet, tausende Geschäfte und jüdische Friedhöfe verwüstet sowie etwa 30 000 Juden in Konzentrationslager gebracht. Auch heute gebe es wieder verschleiernde Worte, „aber können sechs Millionen. ermordete Juden und 70 Millionen Kriegstote wirklich nur ein „Fliegenschiss“ sein? Deshalb ist es wichtig, dass wir an die schrecklichen Ereignisse in der NS-Zeit erinnern.“

An die Schüler gewandt sagte Monika Jungfleisch: „Ihr alle habt keine Schuld an den Verbrechen der NS-Zeit. Bei der deutschen Erinnerungskultur geht es auch nicht um Schuldzuweisungen, sondern darum, dass jeder einzelne Verantwortung dafür trägt, dass sich diese Ereignisse nicht wiederholen, und dass eine Aussöhnung stattfinden kann.“ Nach den Ansprachen brachen die Schülerinnen und Schüler der 9b zum Putzen der Stolpersteine auf, wobei sie vor Ort auch kurz an die Schicksale der Opfer erinnerten und Kerzen aufstellten.