Frischzellenkur für Riegelsberger Stumpen

Leerständen begegnen : Eine Frischzellenkur für den Stumpen

Neue Wohnungen und Geschäfte sollen auf einem großen Eckgrund- stück entstehen und auch Ersatz für die frühere Metzgerei bringen.

Soweit man es im Zuge der Vorplanungen schon sagen kann, sollen durch zwei Investoren etwa vier Millionen Euro in einen neuen Wohn- und Geschäftskomplex am Riegelsberger Stumpen fließen. Riegelsberg ist sehr lang gestreckt, die B 268 (Saarbrücker Straße) schlängelt sich etwa fünf Kilometer durch den Ort. Während schon kurz hinter dem Ortseingang (aus Saarbrücken kommend) der Marktplatz mit Geschäften liegt, gibt es auf der anderen Seite, Richtung Heusweiler, den Stumpen als eine Art kleineres Nebenzentrum mit ein paar Geschäften und Dienstleistern, Pizzeria, Eisdiele, Musikkneipe, Apotheke, Bäckerei, einem Ärztehaus und einem Seniorenheim – doch vier Leerstände finden sich inzwischen auch.

Als vor über einem Jahr die Metzgerei Kessel in dem großen Eckhaus zur Walpershofer Straße nach 38 Jahren schloss – der Betreiber hörte aus Altersgründen auf –, „da hatte das wohl auch eine Art negative Sogwirkung“, sagt Marina Schneider, die Besitzerin des Hauses, in dem es seit 1899 ununterbrochen eine Metzgerei gegeben hatte. Viele Jahre wurde sie von Marina Schneiders Eltern geführt. Ein Blumenladen machte auch dicht, ein großer Heizungs- und Sanitärbetrieb mit Ausstellungsräumen zog nach Heusweiler um.

„Aber am Stumpen gibt es durchaus Dynamik, da sind viele Leute unterwegs“, sagt Riegelsbergs Bürgermeister Klaus Häusle und rechnet vor, dass die umgebenden Viertel für den Stumpen ein Einzugsgebiet von zwei- bis dreitausend Menschen ergeben – viele so nah, dass sie den Stumpen zu Fuß ansteuern können, andere schnell per Bus. Dass es gerade in Sachen Lebensmittel einen Badarf gebe, so Häusle, habe man auch auch an der mobilen Metzgerei gesehen, die nach dem Aus des Metzgers einige Monate gekommen war, „da standen die Leute Schlange“. Der Betreiber habe jedoch, wegen Überlastung auch durch seine anderen Standorte, wieder aufgehört.

Schon 2016 habe sich Marina Schneider erstmals mit dem Bürgermeister in Verbindung gesetzt. Sie entschloss sich schließlich zu einem für sie, der die Gegend am Herzen liegt, auch sehr emotionalen Schritt: Das Haus verkaufen an Investorn, die dort auch etwas Größeres aufziehen können, das zur Belebung beiträgt. „Aber das ist gar nicht einfach, wenn man Bedingungen daran knüpft“, denn Mietwohnungen gehen, gerade auch in Riegelsberg, immer, doch wenn da auch Geschäfte rein sollen, „da gab es Makler, die haben gleich abgewunken“. Aber man habe weitergesucht, und zwei junge Investoren – die noch nicht genannt werden wollten – hätten schließlich Interesse gezeigt. Der Plan sieht nun so aus, dass das alte Gebäude abgerissen wird und an seine Stelle ein Gebäude mit drei Vollgeschossen plus zurückgesetzten Penthouse-Wohnungen entsteht, wobei das Erdgeschoss Geschäften vorbehalten bleiben soll. Man wolle sich bemühen, dass auch wieder ein Metzger- oder Lebensmittelgeschäft dabei ist, so Häusle, der sich auch ein Shop-in-Shop-Konzept vorstellen kann, doch Konkretes steht noch nicht fest. Klar ist, dass es hinter dem Gebäude Stellplätze geben soll. Die Bau-Voranfrage ist gestellt, läuft alles nach Plan, könnte der Abriss im Herbst beginnen, der Neubau spätestens im Frühjahr 2021 fertig sein. Der alteingesessene Kiosk und Zeitungsladen Darimont in der 1967 gebauten Erweiterung des Hauses werde in eines der jetzt leerstehenden Ladenlokale ziehen.

Der Entwurf des Architekturbüros Hauser zeigt das geplante große Gebäude, das den Stumpen beleben soll – mit Wohnungen oben und Geschäften im Erdgeschoss. Foto: Hauser Architektur
Klaus Häusle und Marina Schneider vor ihrem Elternhaus. Foto: Marco Reuther/SZ/Marco Reuther

Einen weiteren Anschub für den Stumpen, so Häusle, gebe es dadurch, dass er zum „Sanierungsgebiet“erklärt wird – der Gemeinderat hatte schon im vorigen Jahr einstimmig den Startschuss dazu gegeben. Das bedeutet Steuervergünstigungen für Hauseigentümer, die in Sanierungen investieren. Für Marina Schneider ist das Verschwinden ihres Elternhauses „schon ein massiver Schritt“. Und das neue Haus „wird von der Optik radikal anders – aber die Zeit bleibt nun mal nicht stehen“.

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