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Fluchen, dass die Wände wackeln

 Sie schreckt auch vor einem (gespielten) Massenmörder nicht zurück: Isabella Archan während der Lesung aus ihrem neuen Kriminalroman „Marie spiegelt sich“ in der Riegelsberger Rathausgalerie. Foto: mj
Sie schreckt auch vor einem (gespielten) Massenmörder nicht zurück: Isabella Archan während der Lesung aus ihrem neuen Kriminalroman „Marie spiegelt sich“ in der Riegelsberger Rathausgalerie. Foto: mj FOTO: mj
Riegelsberg. Isabella Archan spielte ihre Erfahrungen als Schauspielerin aus, als sie ihren neuen Kriminalroman „Marie spiegelt sich“ in der Riegelsberger Rathausgalerie szenisch vorstellte. Das Publikum war nicht nur von der steirisch fluchenden Kommissarin begeistert. Monika Jungfleisch

Normalerweise folgen Buchvorstellungen oder Bücherlesungen einem bestimmten Ritual: Die Autorin oder der Autor sitzt an einem Pult, darauf stehen ein Glas Wasser und eine Vielzahl von Büchern, eines davon - in der Regel das neueste Werk - hat sie oder er in der Hand und liest daraus vor.

Ganz anders geht es bei Isabella Archan zu. Wenn die ausgebildete Schauspielerin und Romanautorin ihre Krimis vorstellt, braucht sie kein Manuskript. Sie bittet einfach ihre Zuhörer, sich "locker" zu machen, erst einmal tief ein- und ausatmen, alles Alltägliche abzuschütteln, und dann geht's los zu einer inneren Reise in die Welt des Verbrechens.

Im Handumdrehen hatte die ausdrucksstarke Mime ihr Publikum in der Riegelsberger Rathausgalerie am vergangenen Donnerstag in ihren Bann gezogen. Die Krimilesung wurde zu einer szenischen Aufführung, den Zuschauern standen Mund und Ohren offen.

Immer wieder lachten die rund 20 Krimifans herzhaft, wenn Isabella Archan zum Beispiel in die Rolle der Mizzi schlüpfte, die von ihrem letzten "Date" mit einem Massenmörder nur noch blaue Flecken zur Erinnerung hat. Und die trotz Geständnisses ihres Auserwählten, er würde alle Frauen nach dem Orgasmus erdrosseln, erst dann von ihm lassen wollte, als er ihr ein Stück Lende des eben ermordeten Kochs servieren wollte: "Da wusste ich, dass das nichts mit uns wird, ich bin doch Vegetarierin."

Nicht immer müssen die Einlagen, die Isabella Archan vortrug, etwas mit ihrem aktuellen Krimi "Marie spiegelt sich" zu tun haben. "Ich streue solche Szenen gerne ein, um bei meinen Zuhörern Assoziationen auszulösen. Ich gebe ihnen gerne kleine Rätsel auf", erklärt die gebürtige Österreicherin.

Jahrelang hat sie als Schauspielerin am Saarländischen Staatstheater gearbeitet, noch unter Intendant Josef Schildknecht, trat in TV-Serien wie Tatort oder Lindenstraße auf. Seit über zehn Jahren schreibt sie Kurzgeschichten und nun auch Kriminalromane.

Aus Sicht des Opfers




"Marie spiegelt sich" ist ihr zweiter, der eine Kindesentführung aus der Sicht des 13-jährigen Opfers Marie und des Täters erzählt. Neues von ihrer Protagonistin aus dem ersten Roman "Helene geht baden", der nach Köln versetzten Grazer Kommissarin Willa, erfahren die Leser auch. Denn Willa ermittelt in dem Entführungsfall. Dass Archan ihre Kommissarin auf steirischem Dialekt fluchen lässt, dass die Wände wackeln, sorgt beim Publikum immer wieder für Schenkelklopfer. Schön auch, dass sie im Glossar eine Übersetzung dafür mitliefert.

Ihr Roman ist hoch emotional, spannend und skurril. Ihre Buchpräsentation eine Wucht. Kein Wunder, dass nach dem eineinhalbstündigen Feuerwerk an Gestik, Mimik, Wortwitz und Hintergründigkeit die Zuhörer unbedingt eine handsignierte Ausgabe des Krimis ergattern wollten.

Zum Thema:

Auf einen Blick Der Roman "Marie spiegelt sich" von Isabella Archan ist im saarländischen Conte-Verlag erschienen. 311 Seiten, 13,90 Euro. Die Autorin wird auf dem gemeinsamen Infostand der saarländischen Buchverlage auf der Leipziger Buchmesse vom 17. bis 20. März vertreten sein. mj