Feuerwehrübung international

Walpershofen · Zum einen machte es den jungen Flüchtlingen in der alten Walpershofer Schule sichtlich Spaß, sich etwa über Leitern „retten“ zu lassen. Zum anderen wurden sie auf das richtige Verhalten im Ernstfall vorbereitet, und die Feuerwehr erkannte, wo auf dem Rettungsweg nachgebessert werden muss.

"Noch am Montag rücken wir mit der Kettensäge an", sagte Ortsvorsteher Werner Hund nach einer Feuerwehrübung am Freitagabend an der alten Schule, denn ein Baum behinderte den Einsatz der Drehleiter am Schulgebäude ganz erheblich. "Wir haben den Baum länger nicht geschnitten, weil das Schulgebäude nicht genutzt wurde, aber jetzt haben die Äste verhindert, dass die Drehleiter das Fluchtfenster im zweiten Obergeschoss erreichen konnte", und das, so der Ortsvorsteher, sei bei einer Belegung des Hauses mit jugendlichen Flüchtlingen nicht zu akzeptieren. Noch dazu, weil es im zweiten Stock nur diese eine Fluchtmöglichkeit gebe. Hier bestehe also dringender Handlungsbedarf.

Bei einer Evakuierungs-Übung mit den Flüchtlingsjungen wurde das geschilderte Problem am Freitag festgestellt, und genau darum, um das Ermitteln möglicher Behinderungen eines Feuerwehreinsatzes, ging es bei der abendlichen Feuerwehraktion auch.

Riegelsbergs Wehrführer Volker Klein und die Feuerwehrleute wollten es wissen: Wie kann man das Haus im Brandfall schnell räumen, wie funktioniert die Kommunikation mit den Kindern und Jugendlichen, die unsere Sprache nicht beherrschen? Fürchten sie sich gar vor den Leitern oder der Geräuschkulisse?

Am Ende war die Übung ein voller Erfolg. Ein Teil der jungen Leute wurde über die Drehleiter, andere über das Treppenhaus oder gar die steile Steckleiter angeseilt nach unten gebracht. Klein: "Die Schule ist ein altes Haus, sie ist so sicher, wie ein altes Haus sein kann. Wir haben Rauchmelder installiert und eine Entrauchung im Treppenhaus. Andererseits gibt es aber auch nur ein Treppenhaus, und eine Evakuierung durch die Fenster wäre im Brandfall wahrscheinlich." Daher sei es sinnvoll gewesen, dies zu üben und damit den Bewohnern auch zu zeigen, was im Einsatzfall geschehen würde.

Die Jungs freuten sich sogar, für sie war die Übung ein echtes Ereignis. Die Notunterkunft, die vom DRK betrieben wird, war innerhalb weniger Minuten komplett evakuiert. DRK-Einsatzleiter Roland Post: "Für die Jungs war das ein Spaß und ein wichtiges Training zugleich." 18 Feuerwehrleute hatten sich an der Übung beteiligt. Und Kontakt wurde ebenfalls hergestellt. Berührungsängste kennt die Riegelsberger Feuerwehr ohnehin nicht, in der Kinderfeuerwehr ist das erste Flüchtlingskind, ein zehnjähriger Syrer, bereits aktiv dabei.

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