Fastnacht kann man immer feiern

Faasebooze ziehen am 1. Mai feiernd umher – klingt verrückt, trifft aber zu. Die Elterninitiative für ein kinderfreundliches Riegelsberg holte gestern den Ziehwäänschesumzug nach, der an Rosenmontag wegen miesen Wetters ausgefallen war.

"Irgendwie irritierend ist es schon, heute am 1. Mai zum Ziehwäänschesumzug zu kommen", findet Daniela Stadtler. "Aber unsere Kinder, Töchterchen Emely (3) und Sohn Leon (6), haben sich so sehr gefreut, sich zu verkleiden", meint die Riegelsbergerin. "Und schließlich wäre es ja auch schade gewesen, wenn die ganze Mühe der Ziehwäänsches-Bastler umsonst gewesen wäre", ergänzt Ehemann Andreas. Die Riegelsberger Familie hat deshalb keine Sekunde gezögert, auch am Ersatztermin für den ausgefallenen Rosenmontagsumzug zum Marktplatz zu kommen.

Süßes an der Haustür

Dort haben sich rund ein Dutzend Ziehwäänscher samt illustrer Zirkusschar zusammengefunden, um unter dem Motto "So ein Zirkus" durch die Straßen zu ziehen. Angeführt vom Blasorchester und begleitet von Feuerwehr und Polizei , zockelt der Umzug durch die Marienstraße in die Buchschacher Straße, biegt dann in die Kirchstraße, um im Park neben der St. Josefs-Kirche zu enden.

Anders als sonst, sind die Straßen nicht massenweise gesäumt von Zuschauern. Nur an Knotenpunkten stehen Leute, um die süßen Gaben der Umzugsteilnehmer in mitgebrachte Taschen zu stecken. Popcorn, Bonbons, Schokolade, Lutscher, Müsliriegel und vieles mehr finden reißenden Absatz. Die Stimmung während des Umzugs ist prächtig. Dafür sorgen farbenfrohe und gutgelaunte Clowns , Zebras, Löwen, kleine Feuerwehrleute und Polizisten, Tiger, Prinzessinnen und Zirkusdompteure.

Ursula Hoffmann und ihr Mann Heinz (80) freuen sich riesig, dass Kinder und Clowns ihnen die Süßigkeiten sogar an die Haustür bringen. "Ich bin gerade erst aus dem Krankenhaus gekommen und finde diese Abwechslung vor der eigenen Haustür sehr schön", freut sich die 77-Jährige aus der Buchschacher Straße. Auch Flüchtlinge, die im evangelischen Pfarrhaus eine neue Heimat gefunden haben, stehen am Fenster und versuchen, Bonbons zu fangen.

Sabrina Dörr aus Riegelsberg , die mit Freundinnen und insgesamt acht Kindern an dem Umzug teilnimmt, ist voll des Lobes für die Organisatoren. "Ich finde es toll, dass der Umzug nachgeholt wird. Verkleiden macht doch auch am 1. Mai Spaß, und die Mühen für die Vorbereitung des Umzugs haben sich noch gelohnt. Die Jahreszeit ist wurscht, Hauptsache verkleiden und gemeinsam fröhlich durch die Straßen ziehen." Auch Christian und Bianca Gräber mit Finn (6) und Helena (3) haben keine Probleme mit dem Termin: "Die Kostüme hätten im nächsten Jahr nicht mehr gepasst, das Wetter ist super, die Kinder freuen sich, was will man mehr?"

"Dass die Resonanz geringer sein würde als an Faasend, war uns als Organisatoren schon klar", erklärt Sandra Kaiser, die 1. Vorsitzende der Elterninitiative für ein kinderfreundliches Riegelsberg (E.I.), die den Ziehwäänschesumzug seit über 20 Jahren ausrichtet.

Feuerschlucker beeindruckt

Wie viele sich von der Ersatzveranstaltung anziehen ließen, wird im Park der St. Josef-Kirche erst so richtig deutlich. Über 200 Kinder, Eltern, Großeltern und Freunde, auch aus Nachbargemeinden, haben sich versammelt. Zirkusdirektor Martin Schweizer fordert alle auf, zu hüpfen, sich an den Ohrläppchen zu ziehen, "Boppes an Boppes" zu tanzen und in einer Polonäse durch den Park zu tingeln, was er besonders den Kleinen nicht zweimal zu sagen braucht. Als dann noch ein leibhaftiger Feuerschlucker auftritt, sind alle hin und weg.

Statt des üblichen Lyonerordens gibt es Gutscheine der örtlichen Gewerbetreibenden für die Ziehwäänsches-Bastler. Im Anschluss können die 1. Mai-Faasebooze auf dem Pfarrfest von St. Josef weiterfeiern.

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