Familie Samuel hatte zehn Töchter und einen Sohn

Familie Samuel hatte zehn Töchter und einen Sohn

Viele jüdische Familien gab es offenbar nicht in Riegelsberg, doch es gab sie. Im Zuge der „Stolperstein-Diskussion“ (wir berichteten) haben wir uns nach den Schicksalen jüdischer Familien in der NS-Zeit erkundigt.

Auf unsere Serie über "Jüdische Familien in Riegelsberg während der NS-Zeit" haben sich viele Leser gemeldet. Sie gaben Tipps, wo die Saarbrücker Zeitung weitere Details recherchieren kann und ließen uns an ihren Erinnerungen teilhaben. So erfuhren wir weitere Einzelheiten über die Geschwister Samuel aus der Kirchstraße.

Die Ursprünge der Familie Samuel liegen in Brotdorf. Insgesamt hatte die Familie Abraham und Sarah Samuel einen Sohn und zehn Töchter. Drei davon, Leonie (geboren 1886), Adele (geboren 1898) und Amanda (geboren 1900) kamen nach Riegelsberg und eröffneten 1921 in der Kirchstraße 20 ein Geschäft für Kurz-, Weiß- und Wollwaren, Herrenartikel und Arbeitsbekleidung.

Leonie heiratete nach den Angaben von Stefan Gross, dem Enkel von Adele, in Paris einen Mann mit dem Nachnamen Albert und bekam einen Sohn names Armon, über dessen Schicksal nichts weiter bekannt ist. Über Geburt und Geburtsort von Tochter Renate gibt es unterschiedliche Angaben. Einmal heißt es, sie sei am 21. April 1922 in Saarbücken geboren, im Bundesarchiv steht, sie sei 1920 in Riegelsberg geboren. Sicher ist, dass 1929 Leonie und ihr Mann Albert die Geschäftsführung des Kurzwarengeschäftes in der Kirchstraße übernahmen. 1935 gab das Ehepaar das Geschäft auf und eröffnete in Püttlingen in der heutigen Pickardstraße neben Café Kühnen ein Schuhgeschäft.

Danach emigrierte die Familie nach Frankreich. In der zweiten Folge unserer Serie "Jüdische Familien in Riegelsberg während der NS-Zeit" hatten wir berichtet, dass Leonie Albert und ihre Familie im Konzentrationslager Theresienstadt ermordet worden seien. So steht es in der Fortschreibung der Riegelsberger Ortschronik von Marion Seifert.

Im Gedenkbuch des Bundesarchivs fand Leo Hansen unter Mithilfe seines Sohnes jedoch die Mitteilung, dass Leonie am 3. Februar 1944 ins Vernichtungslager Auschwitz deportiert wurde. Dies deckt sich mit den Deportationslisten von Serge und Beate Klarsfeld. Das Ehepaar, das als "Nazi-Jäger" bekannt wurde, hat sich nach dem Krieg um die Aufspürung und Verurteilung von NS-Tätern bemüht. Beate Klarsfeld ist vielen als jene Frau in Erinnerung, die Altkanzler Kurt-Georg Kiesinger 1968 eine Ohrfeige verpasste und damit seine Mitgliedschaft in der NSDAP und seine Mitverantwortung für die Auslandspropaganda des Deutschen Reiches publik machte.

Ebenfalls in den Deportationslisten des Ehepaars Klarsfeld tauchen Renate, die Tochter von Leonie Albert, und die Familie von Amanda Samuel auf.

Amanda Samuel hatte - nach den Angaben ihres Großneffen Stefan Groß aus Riegelsberg - einen jüdischen Mann namens Robert Salomon geheiratet, mit dem sie zwei Kinder, Ilse (geboren 1926 in Güchenbach) und Rosi (geboren 1933 in Püttlingen), bekam. Die Familie flüchtete zusammen mit der Familie ihrer Schwester Leonie nach Frankreich, wo sie lange Jahre unbehelligt leben konnten. Kurz vor Kriegsende kamen beide Familien ins Internierungslager Drancy bei Paris, von wo aus sie mit Convoi 67 nach Auschwitz deportiert und 1944 ermordet wurden.

Insgesamt wurden 15 Mitglieder der Familie Samuel ermordet. > Ende der Serie Nur sehr wenig konnte die Saarbrücker Zeitung über Sigismund Kleinhändler aus Walpershofen in Erfahrung bringen. Er wurde im Jahr 1901 im polnischen Tarnow geboren. Wann er nach Walpershofen kam, ist unbekannt. 1937 emigrierte der Witwer von Walpershofen nach Frankreich. Dort verliert sich seine Spur. In der Liste von Deportierten aus Frankreich von Serge und Beate Klarsfeld findet sich der Hinweis, dass Sigismund Kleinhändler mit Transport 50 von Drancy in Frankreich ins Vernichtungslager Majdanek in Polen am 4. März 1943 deportiert wurde, wo er auch verstarb.