Erinnerung an 471 Gefallene

Eine Initiativgruppe möchte Gedenktafeln für die gefallenen Riegelsberger Soldaten auf dem Friedhof aufstellen. Nach der Ablehnung gegen solche Tafeln im Hindenburgturm vor gut zwei Jahren hat der Riegelsberger Ortsrat nun die geänderten Pläne einstimmig unterstützt.

Auf dem Waldfriedhof soll eine Gedenkstätte für die im Zweiten Weltkrieg gefallenen Riegelsberger Soldaten errichtet werden. Die Idee dazu kam von der Initiativgruppe Hindenburgturm um ihren Sprecher Dietmar Braun. Gemeinsam mit dem Architekten Manfred Binger stellte Braun die Pläne im Ortsrat vor. Der Ortsrat unterstützt das Vorhaben einstimmig, bei Enthaltung von Patricia Dillinger (Die Linke ), und fordert die Verwaltung auf, 5000 Euro für die Realisierung der Gedenkstätte in den Haushalt einzustellen.

Die Initiativgruppe hatte schon im März 2013 beim Ortsrat vorgesprochen (wir berichteten). Damals wollte die Gruppe jedoch eine Tafel im Inneren des Hindenburgturms installieren. Während die Idee der Verwaltung gefiel und sie die Namen der 471 Riegelsberger Soldaten in Erfahrung brachte, die zwischen 1939 und 1945 gefallen waren, hatte sich der Ortsrat gegen das Vorhaben ausgesprochen. Man habe schon eine Gedenkstätte auf dem Friedhof, dort werde jährlich am Volkstrauertag der gefallenen Soldaten der beiden Weltkriege sowie der Zivilopfer gedacht, hieß es damals. Doch die Initiativgruppe arbeitete weiter an dem Thema, bildete eine Arbeitsgruppe "Gedenkstätte", lud Bürgermeister und Ortsvorsteher zu Gesprächen ein. Binger entwickelte Pläne, holte Kostenvoranschläge ein, und das Ergebnis beeindruckte jetzt nahezu alle.

"Die Initiativgruppe war sehr aktiv, hat gestalterische Vorschläge gemacht, Angebote eingeholt, den Kostenrahmen erstellt, Sponsoren aufgetan" (bisher für ein gutes Drittel der Kosten), "da wurde sehr viel vorgearbeitet. Auch im Detail", lobte Ortsvorsteher Heiko Walter (CDU ). Auch dass ein Riegelsberger Künstler die Skulpturen entwirft und die Finanzierung auf sehr gutem Wege sei, würdigte Walter.

Neue Pläne gewürdigt

Ähnlich Dennis Detzler (CDU ): "Der Plan ist sehr gut, deshalb schlage ich vor, dass die Verwaltung 5000 Euro in den Haushalt einstellt, um das Projekt zu unterstützen." Die SPD rückte von ihrem Nein vor zwei Jahren ab. So sagte ihr Sprecher Harry Görens: "Das Projekt passt gut auf den Friedhof, würde den Eingangsbereich aufpeppen, es wäre dann ein Ort, wo man sich aufhalten kann."

Bürgermeister Klaus Häusle (SPD ) sah es ebenfalls positiv: "Ich bin froh darüber, wie sich diese Idee weiter entwickelt hat. Der Platz auf dem Friedhof ist der geeignete Ort dafür. Die Gedenkstätte geht nicht in Richtung Heldenverehrung, sondern soll die Erinnerung an die Opfer dieses Krieges wach halten." Patricia Dillinger bemängelte, dass die Linke nicht zu den Vorgesprächen eingeladen worden war.

Gegen das Projekt sprach sich Hans Jürgen Marowsky (Grüne) aus. Die Grünen sind zwar nicht im Ortsrat vertreten, doch als Gemeinderatsmitglied genießt Marowsky dort Rederecht: "Ich habe große Bedenken. Auf den Tafeln könnten auch Namen von ehemaligen SS-Angehörigen stehen." Lukas Huwig (SPD ) nannte Marowskys Bedenken "sehr kleingeistig". Der Gemeinderat wird in seinen Haushaltsberatungen über die vom Ortsrat beantragte finanzielle Unterstützung des Projektes entscheiden.

Wer das Projekt unterstützen möchte, der kann sich an

Dietmar Braun wenden,

Tel. (0 68 06) 48 05 88.

Die Gedenkstätte soll im Eingangsbereich des Waldfriedhofes errichtet werden, in unmittelbarer Nähe zu Ehrengrabfeld und Leichenhalle. Auf einer sieben mal sieben Meter großen Fläche sollen zehn Namenstafeln einen Omega-Kreis bilden.

Die Namenstafeln sind 60 mal 60 Zentimeter groß und aus Impala-Granit gefertigt. Auf jeder Tafel finden 48 Namen Platz. Die Tafeln umkränzen dann einen Monolithfindling, der 1951 als Erinnerung an alle Opfer der beiden Kriege aufgestellt wurde. Aufgestellt werden sollen zudem drei Skulpturen des Riegelsberger Bildhauers Werner Bärmann, so die Skulptur "Die Trauernde". Sie symbolisiert eine durch Leid und Verlust gebeugte Frau, die Mutter, Ehefrau, oder Schwester eines Gefallenen sein kann. Umkränzt wird sie von zwei Portalfiguren, deren sanftes Lächeln den festen Glauben an ein besseres Erleben im Jenseits bekunden soll. Die Skulpturen werden aus Diabas, einem Odenstädter Basalt, gefertigt. Die Gesamtkosten des Projektes belaufen sich auf 30 000 Euro. 11 000 Euro hat die Initiativgruppe bereits über Spenden aquiriert.