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Eine neue „Währung“ im Köllertal

Eine neue „Währung“ im Köllertal

Der Riegelsberger Gemeinderat hat eine Anregung von Kaufleuten aufgegriffen und will den „Riegelsberger Taler“ einführen. Das System aus speziellen Papier-Gutscheinen soll helfen, die Umbauphase des Marktes besser zu überstehen.

Nein, Riegelsberg tritt nicht aus der Eurozone aus. Es bekommt aber trotzdem eine eigene Kommunalwährung - den "Riegelsberger Taler". Das beschloss der Gemeinderat in jüngster Sitzung einstimmig, bei Enthaltung der Grünen. Die Idee zu dieser eigenen "Währung" kam aus den Reihen der Gewerbetreibenden. Man befürchtet, dass Kunden während der Bauphase des Marktplatzes abwandern und möchte mit dem "Taler" die Kaufkraft im Ort binden und stärken.

Es handelt sich dabei natürlich nicht um eine echte Währung, sondern um ein nur in Riegelsberg gültiges Gutscheinsystem: Kunden erhalten im Bürgerbüro des Rathauses einen Papiergutschein auf dem sich der Wert, das Datum und ein Stempel befinden. Die Gutscheine werden durchnummeriert und mit einem Prägedruck versehen, damit man sie nicht so leicht fälschen kann. Die Gutscheine können in allen an der Aktion teilnehmenden Geschäften als Zahlungsmittel eingesetzt werden.

Ein Beispiel: wenn jemand einen Gutschein über 50 Euro erwirbt und in einem Schuhgeschäft für 30 Euro einkauft, kann er die restlichen 20 Euro auch in einer Eisdiele oder anderswo umsetzen.

"Es ist eine Imagekampagne für die Gewerbetreibenden, aber es ist auch Werbung für die Gemeinde", sagte Bürgermeister Klaus Häusle (SPD ). Doch die Grundidee ist von der Umsetzung noch ein Stück entfernt, weshalb sich die Grünen enthielten. Ihr Sprecher Stephan Lehberger hofft zwar, dass die Aktion Erfolg hat, hegt aber erhebliche Zweifel. Zum einen stören sich die Grünen an den Kosten, die für die Gemeinde entstehen (Prägedruck kostet 200 Euro für 1000 Gutscheine) und am Arbeitsaufwand der Rathausbediensteten (womöglich zwei bis drei Stunden pro Woche). Auch muss sich der im Beispiel erwähnte Kunde für seine Gutschrift im Bürgerbüro einen neuen Gutschein über 20 Euro ausstellen lassen. Wenn der Kunde samstags einkauft, ist dies aber nicht möglich. Alle anderen Fraktionen stimmten zu. Dr. Volker Christmann (CDU ) betonte, dass es jetzt ja in erster Linie nur um einen Grundsatzbeschluss zur Einführung einer solchen Aktion gehe. Details müsse man später ausarbeiten und klären. Ingbert Horn (SPD ) sagte, dass man alles unterstützen sollte, was dazu dient, die Nachteile auszugleichen, die dem ein oder anderen Geschäft durch den Marktplatzumbau entstehen. Ähnlich äußerten sich FDP und Linke. Melanie Dell (FDP ) und Birgit Huonker (Linke) betonten jeweils, dass man die Gewerbetreibenden und ihren Plan unterstützen wolle.

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HintergrundAuch Püttlingen versuchte es: Die erste "Köllertaler Währung" war der 2006 eingeführte "Püttlinger Stadttaler", den es auch tatsächlich als Metallmünze gab (2000 Stück, die je 5 Euro wert waren). Der Stadttaler sollte die Kaufkraft in Püttlingen binden. Er ist jedoch Ende 2010 abgeschafft worden, da die meisten Münzen als "Andenken" behalten und nicht zum Zahlen benutzt wurden. mr