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Ein Weltenbummler und Tischfußball-Experte

Patrick Glocker bringt in seiner Sportart viel Erfahrung mit. Aktuell steht er auf Rang 63 der Tischfußball-Weltrangliste. Foto: Wieck
Patrick Glocker bringt in seiner Sportart viel Erfahrung mit. Aktuell steht er auf Rang 63 der Tischfußball-Weltrangliste. Foto: Wieck FOTO: Wieck
Walpershofen. Um international mithalten zu können, investiert Patrick Glocker viel Zeit in den Tischfußball. Ein Aufwand, der sich lohnt: Der 42-Jährige aus Walpershofen trat vergangene Woche mit dem Nationalteam in Salzburg an. Von SZ-MitarbeiterMichael Aubert

Las Vegas, Liver pool, Abu Dhabi, Dallas, Paris, Taipeh. Stationen eines Weltenbummlers - und die eines Tischfußballspielers. "Tischfußball wird eben überall auf der Welt gespielt", sagt Patrick Glocker. Vergangenes Wochenende war der 42-Jährige aus Walpershofen mit der Nationalmannschaft beim Weltcup in Salzburg. Das Erreichen des Halbfinales mit der Mannschaft hat ihn dabei für sein Ausscheiden im Einzel (129.) und Doppel (33.) entschädigt. Gelassen sagt er: "Die anderen können eben auch spielen."

Und zwar ein Spiel, das sich in den vergangenen Jahren zum Sport entwickelt hat. Während die Spieler vor zehn Jahren noch in Adiletten aufgelaufen sind, ist "Kickern" mittlerweile professioneller geworden. Vor allem in sportlicher Hinsicht - mit individuellen Griffen, die sich an jedem beliebigen Tisch anbringen lassen. "Das war immer das größte Problem an fremden Tischen", sagt Glocker, der selbst mit zwei unterschiedlichen Griffen spielt. "Einer ist aus schwerem Metall, für mehr Kraft", sagt er.

Die Griffe sind das markanteste Merkmal eines Tischfußballspielers mit internationalen Ambitionen. Doch um oben anzugreifen, muss Glocker viel Zeit investieren. Was sich mit Studium, Beruf, Familie und Hausbau nicht immer vereinbaren ließ. "Es ist schwer, sich abends noch alleine an einen der Tische zu stellen", sagt er.

Wechsel nach Luxemburg

Ob Garlando, Tech-Ball, Tornado, Bonzini und Ullrich-Kicker, "als Spitzenspieler muss man an allen Tischen spielen können", betont er. Einer fehlt in dieser Reihe: Der saarländische Hansberg, an dessen Eigenheiten sich schon so manche Bundesliga-Mannschaft die Zähne ausgebissen hat. "Der Hansberg ist eine schöne Geschichte, und so gern ich ihn habe", meint Glocker, "er bremst mich aus, ihm fehlt die Präzision." Präzision, an der es an einem anderen Tisch nicht mangeln darf. Deshalb ist Glocker, trotz dreier Bundesliga-Vereine im Saarland, nach Luxemburg in die erste Liga gewechselt. "Auch, weil hier immer noch nach eigenem Regelwerk gespielt wird", sagt er. Nach einem Tor wird das Spiel im Saarland hinten fortgesetzt, nach internationalen Regeln in der Mitte. "Eigentlich gefällt mir die Regel, aber so verkümmert mein Spiel mit der Mittelreihe."

Dabei will er nach neun gewonnen deutschen Meisterschaften im Doppel (drei) und mit der Mannschaft (sechs) wieder international angreifen. Zweimal stand der 63. der Weltrangliste in einem WM-Finale: 2002 im Doppel und 2006 mit der Mannschaft. Beide hat er verloren. "Jetzt will ich es noch mal wissen", sagt er, mit Blick auf die WM (19. bis 22. Dezember) in Nantes. "Tischfußball ist reine Kopfsache", betont er: "Bei 0:0 spielen alle gut, wenn es aber um Sieg oder Niederlage geht, braucht man Nerven." So könnte seine Erfahrung ein Vorteil sein - egal an welchem Tisch auf dieser Welt.